Panorama

Mädchen in den Tod getrieben Urteil wegen Internet-Mobbings

Im ersten Prozess um tödliches Internet-Mobbing in der US-Geschichte ist die 49-jährige Angeklagte schuldig gesprochen worden. Die Frau wurde von einem Gericht in Los Angeles wegen illegaler Nutzung der Website MySpace verurteilt. Das Strafmaß wurde noch nicht festgesetzt.

Laut Anklage hatte sich die Frau gemeinsam mit ihrer Tochter und einem Freund der Familie einen Spaß daraus gemacht, einer komplexbeladenen 13-jährigen Bekannten einen 16-jährigen Internet-Freund vorzugaukeln. Als dieser virtuelle Brieffreund dem Mädchen nach einem Flirt schrieb, dass die Welt ohne sie schöner wäre, nahm sie sich das Leben.

Keine Verschwörung

Der Schuldspruch lautet auf illegale Nutzung der Website MySpace, nicht jedoch auf Verschwörung zu einer Straftat. Hätten die Geschworenen diesen Tatbestand anerkannt, hätten der Angeklagten bis zu 20 Jahre Haft gedroht. Wegen Verstoßes gegen die Nutzungsvorschriften von MySpace muss sie mit einer bis zu dreijährigen Haftstrafe und mit einer Geldstrafe von bis zu 300.000 Dollar (rund 230.000 Euro) rechnen.

Die 49-Jährige nahm den Schuldspruch ohne größere Regung hin. Bundesrichter Thomas O'Brien warf ihr vor, sich über die 13-jährige Megan Meier "lustig gemacht, sie verletzt und gedemütigt" zu haben, obwohl sie wusste, dass ihr Opfer "verrückt nach Jungen, depressiv und selbstmordgefährdet" gewesen sei. Mit dem brutalen Ende des Internet-Flirts wollte sich die Frau offenbar an dem Mädchen rächen, das sie im Verdacht hatte, im Internet falsche Gerüchte über ihre Tochter zu verbreiten.

Richter sieht Urteil als Warnung

Megans Mutter Tina Meier begrüßte die Entscheidung des Gerichts. Es gehe nicht um Rache, sondern um Gerechtigkeit für ihre Tochter und darum, dass sich so etwas nicht mehr wiederhole. "Ich wünsche keiner Familie, so etwas durchmachen zu müssen", sagte Meier, die sich von dem Tod ihrer Tochter vor zwei Jahren immer noch nicht erholt hat. Richter O'Brien sagte, der Fall sei auch eine Warnung an alle, die das Internet als "rechtsfreien Raum" ansähen: "Gegen diese Art von Verhalten müsste es strengere Gesetze geben. Die Leute denken, sie können sich im Internet einfach alles erlauben."

Verteidiger Dean Steward bezeichnete den Fall als "zutiefst tragisch". Der Schuldspruch könne niemanden zufrieden stellen: "Ich hatte das Gefühl, jemand sollte einfach den Preis zahlen - und viele Leute entschieden, dass dies meine Mandantin sein sollte."

Quelle: ntv.de