Panorama

Missbrauch an sieben Kindern? Vatikan klagt Ex-Erzbischof an

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Es gilt die Unschuldsvermutung: Die Richter müssen Josef Wesolowski (Archivbild) und seinen Fall beurteilen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Jetzt wird es für den Kirchenmann ernst: Der Heilige Stuhl stellt den früheren Entsandten Wesolowski unter Arrest. Dem einst einflussreichen Vatikan-Vertreter in der Karibik steht unter dem Verdacht des Kindesmissbrauchs.

Nach schweren Missbrauchsvorwürfen hat der Vatikan den früheren päpstlichen Botschafter ("Nuntius") in der Dominikanischen Republik, Erzbischof Josef Wesolowski, unter Hausarrest gestellt. Ihm soll der Prozess gemacht werden, wie der Heilige Stuhl mitteilte. Wesolowski ist der erste hochrangige Kirchenvertreter, der sich wegen Missbrauchsvorwürfen in einem Strafverfahren vor einem vatikanischen Gericht verantworten muss.

Papst Franziskus hatte Wesolowski vergangenes Jahr von seinem Posten in der Dominikanischen Republik abberufen, nachdem ihm Missbrauch an sieben Kindern vorgeworfen worden war. Im karibischen Staat eröffneten die Behörden ein Ermittlungsverfahren gegen ihn Wesolowski.

Auch in Wesolowskis Heimatland Polen sieht die Staatsanwaltschaft hinreichenden Tatverdacht gegeben, um in einem eigenen Verfahren gegen den hochrangigen Kirchenmann zu ermitteln. Im Vatikan vermag man offenbar ebenfalls nicht mehr an die Unschuld des früheren Nuntius glauben. Bereits im vergangenen Juni wurde Wesolowski in den Laienstand zurückversetzt. Die Verhängung eines Hausarrests deutet darauf hin, dass die kircheninternen Untersuchungen zu einem Abschluss gekommen sind.

"Sünde und Verbrechen"

Sein Hausarrest ist ein Signal: Der Papst hatte Anfang Juli erstmals Opfer sexuellen Missbrauchs durch katholische Geistliche getroffen und sie dabei demütig um Vergebung "für diese Sünden und schweren Verbrechen" gebeten. Die katholische Kirche war vom Skandal um jahrzehntelangen Missbrauch an Heranwachsenden in zahlreichen Ländern massiv erschüttert worden.

Franziskus' Vorgänger Papst Benedikt XVI. hatte sich insgesamt fünfmal mit Menschen getroffen, die in katholischen Kirchen und Einrichtungen sexuell missbraucht worden waren, unter anderem auch in den USA und in Deutschland.

Kritiker werfen der Kirche noch immer eine zu zögerliche Aufarbeitung bekannt gewordener Missbrauchsfälle vor. Die sich abzeichnende Anklage gegen Wesolowski könnte nun womöglich einen Wendepunkt hin zu einem verschärften Vorgehen gegen Kindesmissbrauch im Inneren der Kirchenorganisation markieren.

Quelle: ntv.de, mmo/dpa