Panorama

Obama besucht KatastrophengebietVier Staaten rufen Notstand aus

01.05.2010, 15:39 Uhr
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Letzte Barrieren direkt vor der Küste sollen das Öl doch noch aufhalten. (Foto: AP)

In mittlerweile vier US-Staaten wird aufgrund der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko der Notstand ausgerufen. US-Präsident Obama will - nach einigem Zaudern - nun doch das Gebiet im Mündungsgebiet des Mississippi besuchen. Die Regierung erhöht zudem den Druck auf den Plattform-Betreiber BP. Der Konzern müsse für alle Schäden aufkommen, heißt es.

Angesichts der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko reist US-Präsident Barack Obama nun doch in die betroffene Region. Der Besuch solle am Sonntag stattfinden, hieß es aus dem Weißen Haus. Obama wolle vor Ort die Lage einschätzen und die bislang angeordneten Maßnahmen der Regierung überprüfen, sagte ein Sprecher des Präsidenten. Zuvor hatte der Präsident erklärt, rund 1900 Einsatzkräfte seien mit 300 Booten und Flugzeugen im Einsatz gegen die Ölpest.

Der US-Präsident beauftragte Innenminister Ken Salazar mit der Anfertigung eines Berichtes zur "vollständigen Aufklärung" der Ereignisse. Wegen der Katastrophe legte die US-Regierung zudem die umstrittenen Tiefseebohrungen auf Eis. Noch am Vortag hatte ein Präsidentensprecher lediglich erklärt, ein Besuch des Präsidenten sei nicht ausgeschlossen - allerdings nicht in allernächster Zeit.

Wegen der Ölpest haben derweil auch die US-Bundesstaaten Alabama und Mississippi den Notstand ausgerufen. Damit sind nach Louisiana und Florida vier große Südstaaten von der drohenden Umweltkatastrophe betroffen. "Dieses Öl-Leck stellt eine ernsthafte Bedrohung für unsere Umwelt und Wirtschaft dar", sagte der Gouverneur von Alabama, Bob Riley. Die Ölpest bedroht hochempfindliche Ökosysteme an der Südküste. TV-Stationen berichteten über erste Vögel mit verkleistertem Gefieder.

Barrieren in Gefahr

An der Golfküste frischte der Südwind kräftig auf. Es wird befürchtet, dass dadurch ölverschmutztes Wasser über die ausgelegten Barrieren schwappt oder die Absperrungen gar weggedrückt werden können. Louisiana mobilisierte inzwischen bis zu 6000 Nationalgardisten. Nach Berechnungen der Meeresbehörden könnte der Ölteppich über das Wochenende die Küsten Mississippis und Alabamas erreichen, am Montag dann auch die Küste West-Floridas. Zur Abstimmung der Schutzmaßnahmen am gesamten Küstenstreifen sollte es auch eine Telefonkonferenz der Gouverneure mit der Ministerin für Heimatschutz, Janet Napolitano, geben.

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Erste Teile des Ölteppichs erreichen die US-Küste. (Foto: AP)

Auslöser der Ölpest war vor einer Woche der Untergang der BP-Bohrinsel "Deepwater Horizon". Elf Arbeiter starben bei dem Unfall. Seitdem tritt das Rohöl in 1500 Metern Meerestiefe aus mehreren Lecks aus. Der Ölfilm war am Freitag bis zu 72 Kilometer breit und bis zu 160 Kilometer lang. Nach Schätzungen der US-Behörde für Ozeanographie laufen täglich etwa 700 Tonnen aus. Wenn es weiter in diesen Mengen sprudelt, dauert es keine zwei Monate, bis das Ausmaß der "Exxon-Valdez"-Katastrophe erreicht ist. Die Havarie des gleichnamigen Tankers 1989 in Alaska gilt als bisher größte Umweltkatastrophe in der Geschichte der USA.

BP kämpft um sein Image

Regierungsvertreter bezweifelten öffentlich, dass die Maßnahmen des Ölkonzerns BP im Kampf gegen die Ölpest ausreichten. Mehrere von Präsident Obama in die betroffene Region entsandte Minister verstärkten den Druck auf das Unternehmen, das nach Auffassung der US-Regierung alle Kosten zu tragen hat. Louisianas Fischerei-Industrie könnte der Öl-Teppich einem Analysten zufolge 2,5 Milliarden Dollar kosten. Der Schaden für die Tourismusindustrie könnte sich auf drei Milliarden Dollar summieren, schätzte Neil McMahon von der Investmentgesellschaft Bernstein.

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Dieser Tölpel hat normalerweise eine weiße Farbe. (Foto: dpa)

BP versucht derweil mit aller Kraft, einen Imageschaden durch die Katastrophe abzuwenden. "Wir werden danach beurteilt werden, ob wir erfolgreich mit diesem Vorfall umgehen. Und wir sind entschlossen, Erfolg zu haben", sagte BP-Chef Tony Hayward nach einer Erklärung des Unternehmens. Hayward hatte bereits betont, dass BP für den Ölunfall die volle Verantwortung übernehme und "rechtmäßigen Schadenersatzforderungen" nachkommen werde. Der Konzern habe das Fachwissen von anderen Giganten der Branche wie Exxon, Shell, Chevron und Anadarko angefragt.

Nach Schätzungen kostet der Unfall BP rund sechs Millionen Dollar am Tag. Die Summe werde sich aber vermutlich erhöhen, je länger und umfangreicher die Rettungsaktion wird. BP hat bisher zehn Untersee-Roboter im Einsatz, die bislang erfolglos versuchen, die Lecks in 1500 Metern Tiefe zu schließen. Gleichzeitig bauen Ingenieure eine riesige Kuppel, um das ausströmende Öl unter der Wasseroberfläche einzufangen und von dort abzupumpen - doch deren Fertigstellung dauert mindestens zwei Wochen.

Der US-Konzern Halliburton bestätigte derweil, einen Tag vor der Explosion auf der Bohrinsel an den Bohrleitungen gearbeitet zu haben. Rund 20 Stunden vor dem Zwischenfall seien die Betonierarbeiten an den letzten Unterwasser-Leitungen beendet worden, erklärte das als Zulieferer an dem Bohrvorhaben beteiligte Unternehmen. Gegen Halliburton sind bereits ebenso wie gegen BP und den Eigentümer Transocean eine Reihe von Klagen eingegangen. Ihnen wird vorgeworfen, keine ausreichenden Vorkehrungen zur Vermeidung der Umweltkatastrophe im Golf von Mexiko getroffen zu haben.

Auch Zugvögel betroffen

Von der Ölpest sind Dutzende Tierarten im Golf von Mexiko bedroht. Fische, Krebse, Säugetiere und viele Vogelarten leben in dem ökologisch empfindlichen Mündungsgebiet des Mississippi und den Sumpfgebieten von Louisiana. Doch nicht nur heimische Tierarten, sondern auch viele Zugvögel sind in Gefahr. Besonders bedroht sind laut Umweltschützern die Großen Tümmler und Pottwale.

Doug Rader, Chef-Ozeanologe vom Environmental Defense Fund, sieht ganze Fisch-Generationen im Golf von Mexiko in Gefahr. "Die Oberfläche der See ist wie eine Bundesautobahn für Fischlarven, die mit der Strömung zu weit entfernten Laichgebieten getrieben werden", sagt Rader. "An der Wasseroberfläche ist das Öl am giftigsten, und die Tiere sind am empfindlichsten." Eine ganze Generation von Schnapperfischen, Zackenbarschen und anderen Fischen könne ausgelöscht werden. Auch die Laichplätze des bei Freizeitanglern so beliebten Louisiana Redfish sind in Gefahr.

Doch nicht nur für die Meerestiere wird das Öl zur tödlichen Gefahr. Das Mississippi-Delta mit seinen Feuchtgebieten ist ein beliebter Landeplatz für Vögel aller Art - Singvögel aus den Tropen, Wattvögel, Seevögel und Raubvögel. Experten befürchten, dass der Wind das Öl ins Landesinnere treibt, in das verworrene Netz von Nebenflüssen, und dann in den Gräsern und kleinen Wasserlachen des Marschlandes zurückbleibt.

Quelle: AFP/rts/dpa