Panorama
Samstag, 18. Juli 2009

Der Concordia-See: Von der Kohle zum Tourismus

Nachterstedt ist eine Gemeinde, die zur Stadt Seeland im nordöstlichen Harzvorland gehört. Es handelt sich um eine frühere Braunkohleregion.

Die Abbruchlinie ist deutlich zu erkennen.
Die Abbruchlinie ist deutlich zu erkennen.(Foto: dpa)

Der Braunkohletagebau hat Nachterstedt eine bewegte Geschichte beschert. Vor rund 80 Jahren musste der Ort dem Bagger weichen: Wo der alte Ortskern einmal war, zeigt heute nur noch eine rote Boje auf dem Concordia-See, einem gefluteten Tagebauloch.

Die etwa 2000 Einwohner zählende Gemeinde Nachterstedt liegt im östlichen Harzvorland zwischen Aschersleben und Quedlinburg und gehört zur Stadt Seeland in Sachsen-Anhalt. Zu DDR-Zeiten bot die Braunkohle in Nachterstedt mehreren tausend Menschen einen Arbeitsplatz. Der Abbau hatte 1857 unter Tage begonnen. "Die Untertageförderung hatte allerdings ein großes Problem durch das Wasser", heißt es auf der Website der Gemeinde, "sodass dazu übergegangen wurde, die Kohle über Tage zu fördern."

Die Kohle brachte zwar einen Aufschwung für das Dorf, die Bewohner von Alt-Nachterstedt mussten ihre Häuser aber Ende der 20er Jahre verlassen, damit weiter nach Kohle gegraben werden konnte. Nachterstedt entstand an der heutigen Stelle neu.

1959 gab es hier im Tagebau ein verheerendes Unglück, als bei einem sogenannten Setzungsfließen rund sechs Millionen Kubikmeter Erde wegsackten. Ein Bergarbeiter wurde dabei getötet. Das Unglück führten Experten damals auf den lockeren Sandboden zurück, der sich mit Wasser vollgesogen hatte.

Im Jahr 1991 wurde der Abbau auch über Tage eingestellt. Das Fördergebiet wird seitdem geflutet. Es entstand der Concordia-See - benannt nach der Bergbaugesellschaft Concordia -, der sich zu einem beliebten Ausflugsziel entwickelt hat. Den zurzeit rund 350 Hektar großen See nutzen Schwimmer, Taucher und Wassersportler. Wegen des Erdrutsches ist momentan aber jeglicher Wassersport untersagt.

Bisher sind erst 40 Prozent der geplanten Wassermenge in den Concordia-See gelaufen, die Flutung soll nach Planung der Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft bis zum Jahr 2027 abgeschlossen sein. Um weitere 20 Meter soll der Wasserspiegel dann angestiegen sein.

Quelle: n-tv.de