Panorama

Skandal in Australien Wachen misshandeln Teenager im Gefängnis

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Bei dem Gefangenen soll es sich um einen 17-Jährigen handeln.

(Foto: Screenshot ABC News)

Kein Tageslicht, kein fließendes Wasser. Stattdessen Schläge, Attacken mit Tränengas und Einzelhaft – so quälen Wachen in einem australischen Jugendgefängnis ihre Insassen. Ein Fernsehteam deckt den Skandal auf und zeigt schockierende Bilder.

In einer Jugendstrafanstalt in Australien sind Teenager schwer misshandelt worden. Wachen attackierten Jungen im Alter von 14 bis 17 Jahren in einer Zelle mit Tränengas, andere Jugendliche wurden mit Kapuzen über dem Kopf an Stühle gefesselt oder geschlagen, wie ein Fernsehsender dokumentiert hat. Wieder andere wurden mehr als zwei Wochen fast rund um die Uhr in eine Einzelzelle ohne fließendes Wasser und Tageslicht gesperrt. Die Aufnahmen stammen dem Sender ABC zufolge aus den Jahren 2014 und 2015. Der Vorsitzende der regionalen Anwaltskammer John Lawrence sagte, die Szenen der gefesselten Jugendlichen erinnerten an die Folterskandale in den Gefängnissen von Abu-Ghuraib und Guantánamo Bay.

  Auf einem Video ist zu sehen, wie Wachen einen Mann an einen Stuhl fesseln. Auch der Kopf des Insassen ist am Stuhl festgebunden, sein Kopf steckt in einem Sack. Laut ABC zeigt das Video einen 17-Jährigen im März vergangenen Jahres. Er sei fast zwei Stunden an den Stuhl gefesselt gewesen. Der junge Mann sei mehrfach von Wachen misshandelt worden, heißt es in dem Bericht. Ein Überwachungsvideo zeige, wie er in seiner Zelle von drei Wachen zu Boden gedrückt wird, sie ihm die Kleidung ausziehen und ihn nackt zurücklassen.

Regierungschef Malcolm Turnbull ordnete eine sofortige Untersuchung an. "Wie alle Australier bin ich schockiert", sagte er ABC. Eine solche Untersuchung durch eine Kommission hatten Tausende Menschen in einer Petition gefordert. Fast 14.000 Menschen haben sie bisher unterschrieben.

Der Tränengas-Zwischenfall 2014 im Don Dale Centre in Darwin im äußersten Norden des Landes wurde bereits einmal untersucht. Die Behörden behaupteten aber, die Gefangenen hätten randaliert und der Einsatz sei nicht exzessiv gewesen. Der Sender zeigte nun Videoaufnahmen aus Überwachungskameras, die das widerlegten. Viele der mutmaßlichen Opfer sind dem TV-Bericht zufolge australische Ureinwohner. Mehr als zwei Drittel der Häftlinge im Northern Territory sind Aborigenes.

Quelle: ntv.de, hul/dpa