Panorama

"Metal forever" Wacken lässt es wieder krachen

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Wenn Metal-Fans zu Blasmusik ausrasten - das ist Wacken.

(Foto: dpa)

Das "Wacken Open Air" ist legendär. Irgendwo auf dem platten Land irgendwo in Schleswig-Holstein fallen für drei Tage die Metal-Fans ein. Und Wackens Bevölkerung findet das genauso super wie die Festivalbesucher den Auftritt der ortsansässigen Feuerwehrkapelle alias "Wacken Firefighters". n-tv.de erforscht im Interview mit Thomas Jensen, Gründer und bis heute Veranstalter des Open Airs, das Erfolgsgeheimnis des Metal-Festivals.

n-tv.de: Das Wacken Open Air ist in diesem Jahr zum 5. Mal in Folge ausverkauft. Machen Sie sich schon Gedanken über einen Umzug der Veranstaltung?

Thomas Jensen: Nein. Das ist wirklich eine ketzerische Frage. Wacken kann natürlich nur in Wacken stattfinden. Solange uns die Wackener wollen, werden wir die Veranstaltung daher logischerweise auch in Wacken machen. Das Wacken Open Air ohne Wacken geht nicht.

Rund 75.000 Fans werden in diesem Jahr in Wacken erwartet. Nach der Loveparade-Katastrophe diskutieren alle über die Sicherheit bei Großveranstaltungen. Hatten die Ereignisse in Duisburg Auswirkungen auf Ihr Konzept?

Nein, das hatte in dem Sinne keine Auswirkungen. Aber in der Tat ist es natürlich richtig und wichtig, sich über die Sicherheit Gedanken zu machen. Das machen wir seit Jahren und haben von daher ein gewachsenes Konzept. Wir sind dabei immer den Weg einer ganz offenen Kommunikation gegangen und haben alle Behörden und Kräfte für die öffentliche Sicherheit an einen Tisch geholt. Wir machen die Veranstaltung jetzt zum 21. Mal. Natürlich wollen wir, dass unsere Gäste ein größtmögliches Event erleben können, aber auch, dass sie die Veranstaltung immer auch schadlos überstehen.

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Einmal Wacken, immer Wacken: Thomas Jensen, Jahrgang 1966, hat das Festival von Anfang an mitorganisiert.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Dennoch gibt es eine interessante Parallele: Die erste Loveparade fand 1989 mit 150 Teilnehmern statt, das erste Wacken Open Air 1990 mit 800 Zuschauern. Beide Events wurden später zu Megaveranstaltungen – das Wacken Open Air zum größten Metal-Festival der Welt. Hätten Sie sich das 1990 vorstellen können?

Nein, natürlich nicht. Genauso wie wahrscheinlich die Macher der Loveparade sind wir damals eher naiv rangegangen, hauptsächlich aus Liebe zu der Musik, bei uns eben zum Metal. Erst dann im Laufe der Jahre haben wir das Veranstalter-Handwerk von der Pike auf gelernt. Aber mit dieser Entwicklung haben wir absolut nicht gerechnet.

Was ist denn das Erfolgsgeheimnis des Wacken Open Airs?

Eigentlich müssten Sie das eher die Besucher fragen. Aber ich denke, charakteristisch für das Festival ist die Zusammenkunft der Leute, die alle den Metal lieben und gemeinsam eine geile Party feiern wollen. Zudem haben wir immer im Dialog gestanden, sowohl mit der Dorfbevölkerung als auch mit unseren Fans, unserer Crew und den Bands. Wir haben an der Veranstaltung ständig gefeilt und sie verbessert. Und wir haben versucht herauszufinden, was die Leute wirklich wollen.

Als Sie mit dem Festival angefangen haben, wollten die Leute aber nicht unbedingt Metal. Zumindest gilt 1990 nicht gerade als Hochzeit dieser Musikrichtung …

Stimmt, das war eine Zeit, in der Metal nicht unbedingt hip war. Vielleicht wird uns auch von der Szene gedankt, dass wir gerade zu dieser Zeit mit unserem Konzept angefangen haben. Wir versuchen inzwischen natürlich auch, der Szene viele Sachen zurückzugeben, zum Beispiel, indem wir starke Nachwuchsförderung für junge Bands betreiben. Das finden wir sehr wichtig .

Das spiegelt sich ja in gewisser Weise auch im Lineup wider – neben alten Hasen wie Alice Cooper oder Iron Maiden treten auch viele unbekannte Newcomer auf dem Wacken Open Air auf. Wie wichtig ist dieser Spagat?

Ganz wichtig. Für uns galt von Anfang an: Ein Open Air zeichnet sich durch beides aus - etablierte Acts und Newcomer. Das haben wir tatsächlich schon in unserer allerersten Presseerklärung geschrieben. Damals lag es sicher auch daran, dass wir kein Geld für die großen Namen hatten, und versucht haben, aus der Not eine Tugend zu machen. Aber wir sind diesem Konzept treu geblieben. Nehmen Sie mal eine Band wie Edguy, die in diesem Jahr zum wiederholten Male auf einer Co-Headliner-Position auftritt. Die haben in ihrer Anfangszeit bei uns auch Bühnen eröffnet. Die sind über die Jahre mit uns gewachsen, so wie wir mit den Bands gewachsen sind.

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Au wacke, ähhh, backe: Besucher des Festivals.

(Foto: dpa)

Mit Gruppen wie BossHoss oder den Kassierern sind auf dem Festival auch Bands dabei, die man jetzt nicht unbedingt dem Metal-Genre zurechnen würde ...

Ja, wir hatten aber immer schon ein paar Ausreißer dabei, allein aus dem Partygedanken heraus. Schon in den Anfangsjahren, so 1992 und 1993, haben wir immer mal auch eine Irish-Folk- oder Countrypunk-Band spielen lassen, um alles ein wenig aufzulockern. Man sollte das alles eben auch nicht zu bierernst nehmen. Deswegen wird ja auch der Biergarten mit der Feuerwehrkapelle eröffnet. Wir haben keine Scheuklappen auf.

Was muss denn dann eine Band haben, um in Wacken auftreten zu dürfen?

Naja, regulär gilt schon: Die Bands müssen Metal sein. Da haben wir zum einen sicher unseren eigenen Geschmack. Zum anderen sehen wir uns an, was unsere Fans sich wünschen. Dadurch, dass wir natürlich mit allen Agenten weltweit in Kontakt sind, sind wir ganz nah an der Szene dran.

Wen, der noch nie in Wacken gespielt hat, möchten Sie unbedingt noch einmal verpflichten?

Von den ganz großen Namen sind das sicher Judas Priest, Ozzy Osbourne oder Metallica. Das ist aber eine Glückssache. Für Iron Maiden haben wir fünf oder sechs Jahre gebraucht, bis es dann auch in den Zeitplan der Band passte. Es geht aber gar nicht so um die großen Namen. Das ist für uns nicht der Maßstab. Bei uns geht es mehr um die Breite.

Wenn es bei Iron Maiden fünf Jahre gedauert hat, dann könnte es aber doch zum Beispiel mit Judas Priest 2015 klappen – oder wie lange soll es das Wacken Open Air noch geben?

Von uns aus kann das bis in die Ewigkeit weitergehen. Vielleicht geben wir es ja irgendwann einmal an unsere Erben weiter. Metal forever!

Mit Thomas Jensen sprach Volker Probst

Quelle: ntv.de

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