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Haben die USA einen neuen George Zimmerman? Waffennarr erschießt schwarzen Teenager

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Jordan Davis wurde 15 Jahre alt. Er besuchte die elfte Klasse und jobbte in einem Fast-Food-Restaurant.

(Foto: dpa)

Jordan Davis hört im Auto Musik, als er tödlich von Schüssen getroffen wird. Die Jungs hätten eine Waffe gehabt, rechtfertigt sich der Schütze - die Polizei findet keine. Weil der Fall an den Tod von Trayvon Martin erinnert, wird der Prozess aufmerksam verfolgt.

Eigentlich wollte Rhonda Rouer nur eben eine Flasche Wein kaufen. Ihr Freund parkte an einer Tankstelle am Southside Boulevard in Jacksonville, Florida und Rouer ging ins Geschäft. Als sie zurückkam, hatte ihr Freund nach einem Streit über zu laute Musik einen 17 Jahre alten, schwarzen Teenager erschossen.

Michael Dunn heißt der Schütze, der in den USA möglicherweise schon in wenigen Wochen zu einer ähnlich umstrittenen Figur wie George Zimmerman werden könnte. Denn Dunns Schüsse vom November 2012 wecken bittere Erinnerungen an Zimmerman, der im Februar desselben Jahres den schwarzen Jugendlichen Trayvon Martin erschoss und damit eine heftige Debatte über Rassismus in der amerikanischen Gesellschaft lostrat.

Streit wegen zu lauter Musik

Der Freispruch Zimmermans löste massenhaft Proteste aus. Schwarze Bürgerrechtler werden deshalb wieder genau hinsehen, wenn nun der Prozess gegen den weißen Todesschützen Dunn beginnen soll.

Laute Musik tönte aus dem roten Geländewagen, in dem der 17 Jahre alte Jordan Davis mit drei Freunden saß, als Dunn sein Auto neben ihnen parkte. Laut Gerichtsdokumenten sagte er, die Teenager sollten ihre Musik leiser drehen. Erst gehorchten sie - doch dann drehten sie ihre Anlage wieder auf. Es kam zum Streit.

Plötzlich griff Dunn ins Handschuhfach, zog seine Pistole und feuerte acht oder neun Schüsse auf das Auto ab. "Schneller als der Blitz hatte ich Munition geladen und schoss", sagte der heute 47-jährige Waffensammler, der seine Zielsicherheit auf Schießständen trainierte, gegenüber der Polizei. Drei der Insassen blieben unverletzt. Davis aber, der auf der Rückbank saß, wurde zweimal getroffen und kurze Zeit später von Ärzten für tot erklärt.

"Ich bin ein Überlebender"

Hatte Dunn im Auto der Teenager eine Waffe entdeckt, wie er später behauptete? Diese Frage wird im Gerichtssaal mit darüber entscheiden, ob er für den Rest seines Lebens ins Gefängnis muss. Er will aus Notwehr gehandelt haben - wie schon der Todesschütze Zimmerman.

"Nach mehreren Drohungen von Jordan Davis, der eine Waffe schwenkte, war ich sicher, dass mein Leben in Gefahr ist", stellte Dunn in einem Brief an den TV-Sender "FCN" klar. "Ich hatte keine Wahl, als mich zu verteidigen", schrieb er. "Ich bin kein Mörder. Ich bin ein Überlebender." Die Polizei entdeckte jedoch keine Waffe in dem roten Jeep. Ob die Ermittler gründlich genug suchten, wird ebenfalls zu klären sein.

"Stand Your Ground" (im Klartext "Steh Deinen Mann") heißt das umstrittene Gesetz, das die Anwendung tödlicher Gewalt in mehreren US-Staaten zulässt. In Kapitel 776 der Satzung Floridas heißt es, dass Gewalt mit - unter Umständen tödlicher - Gewalt beantwortet werden darf und niemand "zurückweichen" muss, wenn er sich bedroht fühlt. Vor allem weil die Regelung von Juristen in Florida besonders weit ausgelegt wird, konnte George Zimmmerman freigesprochen werden.

Gleiche Staatsanwältin wie bei Zimmerman

Für Michael Dunn könnte die Geschichte anders enden. "Sie werden ihn verurteilen", vermutetet der Jura-Professor der renommierten Harvard-Universität, Alan Dershowitz, im CNN-Interview. Anders als bei Zimmerman, der erst mit seinem Opfer rangelte, wies Dunn keine Verletzungen auf, sagt auch Zimmermans Verteidiger Mark O'Mara. Staatsanwältin Angela Corey dürfte im Prozess auch versuchen, ihr beschädigtes Image zu verbessern - sie war es auch, die vergeblich versucht hatte, den Todesschützen Zimmerman hinter Gitter zu bringen.

Davis' Eltern sind überzeugt, dass Ressentiments gegenüber Schwarzen beim Tod ihres Sohns eine Rolle spielten. "Es war ein ganz bestimmter Hass, den dieser Mensch auf meinen Sohn als schwarzes Kind hatte", hatte sein Vater Ron 2013 gesagt. Vor der Schicksalsnacht ging der Teenager in die elfte Klasse und hatte gerade einen Job bei einer Fast-Food-Kette bekommen. Statt einer Waffe fand die Polizei bei ihm eine Armbanduhr, ein Handy und 1,25 Dollar.

Quelle: n-tv.de, Johannes Schmitt-Tegge, dpa

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