Panorama

Keine Auslieferung an die USA Waffenschmuggler wieder frei

Ein vom FBI wegen Waffenschmuggels gesuchter Deutscher wird in Österreich gefasst, kurze Zeit später aber wieder freigelassen. Nach einer Richterentscheidung hat der Verdächtige keine für eine Auslieferungshaft relevante Straftat begangen.

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(Foto: picture-alliance/ dpa/dpaweb)

Ein seit Jahren von der US-Bundespolizei FBI wegen Waffenschmuggels gesuchter Deutscher ist im österreichischen Tirol verhaftet und kurz darauf wieder freigelassen worden. Der Mann soll Ende der 1980er Jahre für die Herstellung von Waffen benötigte Chemikalien in den Iran gebracht haben, berichtete die österreichische Nachrichtenagentur APA. Österreichische Beamte hätten den mutmaßlichen Kriminellen am Montag in einem Hotel in Hall verhaftet. Eine Innsbrucker Richterin lehnte am Mittwochnachmittag aber die Auslieferung an die USA ab und ließ den Verdächtigen wieder frei. Die Staatsanwaltschaft will gegen die Entscheidung Beschwerde einlegen.

Dem Mann wird vorgeworfen, 1988 und 1989 insgesamt 115 Tonnen der Chemikalie Thiodiglycol, die zur Herstellung des Kampfstoffes Senfgas benötigt wird, von Baltimore in den USA nach Griechenland und Singapur gebracht zu haben. Bei der zweiten Lieferung sei der Zoll aufmerksam geworden und habe den Stoff aus den 450 Fässern entnommen, diese mit Wasser aufgefüllt und deren Weg über Singapur und Pakistan in den Iran verfolgt, so die APA.

Der Verdächtige war nach dem Schmuggelversuch zunächst festgenommen und vor ein US-Gericht gestellt worden, wo er sich schuldig bekannt hatte. Noch vor dem Schuldspruch war er dann aber nach Deutschland geflohen. 1994 wurde er in Kroatien gefasst, kam jedoch nach vier Monaten Haft wegen rechtlicher Probleme bei den Auslieferungsbedingungen wieder frei. Der Mann hielt sich in den vergangenen Jahren laut Polizei auch viel in Deutschland auf, habe aber wegen des verfassungsrechtlichen Schutzes für eigene Staatsangehörige vor einer Auslieferung nicht festgenommen werden können. Fortan reiste der Mann mit falschen Namen und Pässen um die Welt.

Die Richterin habe entschieden, dass der Verdächtige keine für eine Auslieferungshaft relevante Straftat begangen habe, sagte ein Gerichtssprecher der APA. Es gebe einen Auslieferungsvertrag zwischen den USA und Österreich, in dem festgehalten ist, welche Straftaten für eine Auslieferung vorliegen müssen. Davon sei keine von dem Mann erfüllt worden.

Nach Österreich reiste der Deutsche mit einem falschen irischen Pass ein, der Polizei zufolge war er mit seiner Familie unterwegs und wollte offensichtlich Urlaub machen.

Quelle: ntv.de, dpa

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