Panorama

Bischofskonferenz Wahl könnte eine Überraschung werden

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Auf den Neuen wartet viel Arbeit.

(Foto: dpa)

Wer soll das neue "Gesicht" der katholischen Kirche in Deutschland werden? Namen werden einige gehandelt, ein Favorit ist indes nicht auszumachen.

Die katholische Kirche müsse eine Kirche an der Seite der Suchenden sein, selbst eine Suchende bleiben, predigte Erzbischof Robert Zollitsch zur Eröffnung der Vollversammlung der Bischofskonferenz am Montag. Und auf der Suche sind die 64 in Münster versammelten Bischöfe und Weihbischöfe tatsächlich: Denn es ist völlig offen, wen sie schließlich aus ihrer Mitte zum neuen Vorsitzenden wählen.

Kandidaten für die Nachfolge des 75-jährigen Freiburger Erzbischofs, der nach sechs Jahren aus Altersgründen abtritt, werden etliche genannt. Ein Favorit für den Posten, dem im deutschen Katholizismus herausgehobene Bedeutung zukommt, ist indes nicht auszumachen.

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Marx, Woelki und Bode

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Im Gespräch sind mehrere Kandidaten, beispielsweise Kardinal Reinhard Marx. Der Erzbischof von München und Freising hat Gewicht in der Kirche, die katholische Soziallehre ist für ihn "Teil der Verkündigung". Seine zupackende Art passt nicht jedem seiner Amtsbrüder, ebenso wenig sein barockes Erscheinungsbild. Auch hat der 60-jährige Marx ein Problem: Zeit. Denn er berät Papst Franziskus bei der Reform der Kurie, leitet den vom Papst neu geschaffenen Wirtschaftsrat im Vatikan und die Europäische Kommission der Bischofskonferenzen. Insofern scheint seine Wahl nicht sehr wahrscheinlich.

Kardinal Rainer Maria Woelki legte bisher eine steile Karriere  hin. Erst 2011 wurde der 57-jährige zum Erzbischof ernannt, als Kardinal wählte er bereits den Papst mit. Der Erzbischof von Berlin, ein Ziehsohn des vor wenigen Tagen aus dem Amt geschiedenen konservativen Kölner Kardinals Meisner, hat sich in der Multikulti-Hauptstadt viel Respekt erworben. Er wohnt im Arbeiterstadtteil Wedding, wirbt für Toleranz im Umgang mit Homosexuellen.

Den Osnabrücker Bischof Franz Josef Bode haben viele Beobachter auf dem Zettel. Der 63-Jährige gehört mit mehr als 18 Amtsjahren zu den dienstältesten Bischöfen, leitet die Glaubenskommission der Bischofskonferenz und brächte viel Erfahrung mit. Sein Nachteil: Der Oberhirte ist bundesweit nicht so bekannt.

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Ackermann und Overbeck

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Das unterscheidet ihn von Stephan Ackermann. Der Trierer Bischof gehört zu den "jungen Wilden" in der Bischofskonferenz. Der 50-Jährige übernahm auf dem Höhepunkt des Missbrauchsskandals die Federführung für die Aufarbeitung und erwarb sich damit Respekt. Er hat aber Gegner. Jede Art von vorehelichem Sex als schwere Sünde zu bewerten, sei nicht mehr haltbar, ließ er jüngst in einem Interview wissen. Mehrere Bischöfe schlugen öffentlich zurück: Die Kirche dürfe sich nicht dem Zeitgeist anpassen.

Auch der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck übernahm eine schwierige Diözese und setzt dort bundesweit beachtete Strukturreformen um. Zudem profilierte er sich als katholischer Militärbischof und sammelte als Verantwortlicher für das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat internationale Erfahrung. Mit gerade einmal 49 Jahren könnte jedoch sein Alter gegen den jüngsten deutschen Ortsbischof sprechen.

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Schick und Genn

(Foto: dpa - Bildfunk)

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick könnte als Geheimtipp zum Zuge kommen. Der 64-Jährige leitet seine Erzdiözese seit mehr als elf Jahren und ist als Vorsitzender der bischöflichen Kommission Weltkirche auch auf internationalem Parkett erfahren.

Für Felix Genn wäre die Wahl ein Heimsieg. Der Münsteraner Bischof gilt als besonders fromm, der 64-Jährige führt mit großer Volksnähe eine riesige Diözese. Genn hat einen guten Ruf als Theologe, gehört aber nicht zu den bekanntesten Bischöfen in Deutschland. Im Dezember ernannte ihn Papst Franziskus zum Mitglied der Bischofskongregation, der Personalabteilung der Weltkirche.

Wie lange das Wahlprozedere dauert, ist nicht absehbar. In den ersten beiden Wahlgängen benötigt ein Kandidat eine Zwei-Drittel-Mehrheit, dann reicht die absolute Mehrheit. Eine wesentliche Rolle bei der Wahl des DBK- Vorsitzenden spielen die Weihbischöfe. Sie dürfen zwar selbst nicht kandidieren, sind aber bei der Versammlung in der Überzahl.

Quelle: n-tv.de, sba/dpa