Panorama
Freitag, 06. August 2010

25 Milliarden Euro Gesamtschaden: Waldbrände legen Russland lahm

Die schweren Waldbrände halten Russland weiter in Atem. Während allerorten Einsatzkräfte gegen die Feuersbrunst kämpfen, wird der Alltag beschwerlicher. Die Bundesregierung schließt aus Vorsicht die Botschaft in Moskau, der Fußball-Spielbetrieb der Fußball-Liga ist gefährdet.

Angesichts der Feuerwalze sind die Einsatzkräfte vielerorts machtlos.
Angesichts der Feuerwalze sind die Einsatzkräfte vielerorts machtlos.(Foto: dpa)

Radioaktive Gefahr in der Provinz, von Flammen bedrohte Munitionsdepots und immer wieder giftiger Smog in Moskau: Die schwersten Waldbrände in Russland seit Jahrzehnten werden für die Menschen immer beängstigender. Die Zahl der Feuertoten stieg nach offiziellen Angaben auf 52. Hilfsorganisationen und Beobachter gehen davon aus, dass die Opferzahl größer ist als bisher bekanntgegeben. Ein Ende der Dürre und sengend heißen Temperaturen, die vielerorts um 40 Grad Celsius lagen, war weiter nicht in Sicht.

Die Zeitung "Moskowski Komsomolez" schätzte den Gesamtschaden bisher auf Grundlage von Expertenangaben auf umgerechnet 25 Milliarden Euro. Allein die Schäden durch Ernteeinbußen übersteigen umgerechnet eine Milliarde Euro. Zudem müssen mehr als 200.000 Hektar Wald aufgeforstet werden.

Zunehmend wird auch der Alltag behindert. Die deutsche Botschaft in Moskau wurde vorläufig geschlossen. Der Fußball-Spielbetrieb kann ebenfalls nicht reibungslos ablaufen, der russische Verband hat bereits ein Testspiel in der kommenden Woche von Moskau nach St. Petersburg verlegt.

Atomare Gefahr um Brjansk

Zumindest auf dem Gelände des atomaren Forschungszentrums in Sarow etwa 400 Kilometer östlich von Moskau hat die Feuerwehr einen Erfolg verbucht. Zwar loderten noch zwei Brände. Die Lage sei aber unter Kontrolle, versicherten die Spezialkräfte, die in Sarow seit Tagen gegen die radioaktive Gefahr kämpfen.

Der Kernreaktor in Tschernobyl. Das Erbe der Katastrophe von 1986 holt Russland ein.
Der Kernreaktor in Tschernobyl. Das Erbe der Katastrophe von 1986 holt Russland ein.(Foto: dpa)

Zuvor hatte Zivilschutzminister Sergej Schoigu auch davor gewarnt, dass die Brände Keine Atempause in Russland im Gebiet von Brjansk aufwirbeln könnten. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) in Salzgitter teilte diese Befürchtung. "Brände können radiologische Auswirkungen auf die unmittelbare Region haben, wenn Menschen die in der Luft befindlichen radioaktiven Partikel einatmen", teilte die Behörde mit. Das BfS warnte jedoch vor Panik: "Es sind keinerlei radiologischen Schutzmaßnahmen in Deutschland notwendig, da die Belastung dafür zu gering ist."

Brjansk liegt südwestlich von Moskau an der Grenze zu Weißrussland und zur Ukraine. Die Region ist seit der Atomkatastrophe von Tschernobyl 1986 besonders stark von Radioaktivität betroffen. Die Stadt mit mehr als 400.000 Einwohnern liegt etwa 300 Kilometer vom ukrainischen Tschernobyl entfernt.

Im Internet äußerten sich Bürger aus Brjansk besorgt. "Mir ist ganz schlecht geworden, als ich hörte, dass die im Wald Roboter zum Löschen einsetzen und schon keine Menschen mehr dorthin lassen", schrieb ein Blogger.

Reisewarnung für Russland

Die berühmten Zwiebeltürme im Smog.
Die berühmten Zwiebeltürme im Smog.(Foto: dpa)

Weil die Wald- und Torfbrände im Moskauer Umland so viel Rauch entwickeln, war die russische Hauptstadt erneut in dichten Smog gehüllt. Die Luftverschmutzung sei schlimmer als bei den letzten großen Torfbränden 2002, sagte der oberste Amtsarzt Gennadi Onischtschenko. Auf den Moskauer Flughäfen verzögerten sich Dutzende Flüge wegen der schlechten Sicht von unter 300 Metern. Einige Maschinen wurden umgeleitet.

Die Bundesregierung zog Konsequenzen und schloss die Botschaft vorübergehend. Das Personal solle vor der extremen Luftverschmutzung geschützt werden, begründete ein Sprecher des Auswärtigen Amts die Maßnahme. Am Montag solle die Botschaft wieder normal öffnen, hieß es weiter. Das Auswärtige Amt gab wegen der Wald- und Torfbrände zudem eine Reisewarnung für Russland heraus. "Von nicht unbedingt erforderlichen Reisen in die betroffenen Regionen wird abgeraten", hieß es darin. Insbesondere Reisende mit Atemwegserkrankungen wie Asthma oder Bronchitis sowie Kinder sollten die betroffenen Regionen in Russland meiden.

Wegen der andauernden Jahrhunderthitze und des Rauchs von den Torfbränden um Moskau erhöhte sich die Sterberate dramatisch. Nach Angaben des Moskauer Standesamtes stieg die Zahl der Toten im Juli im Vergleich zum Vorjahresmonat um etwa 50 Prozent.

Spielbetrieb gefährdet

Ein Testspiel gegen Bulgarien hat der russische Verband nach St. Petersburg verlegt. Ursprünglich sollte die Partie im Moskauer Lokomotive-Stadion ausgetragen werden.

Ob die für das Wochenende in Moskau angesetzten Pflichtspiele verschoben werden, hat die Fußball-Liga noch nicht beschlossen. Betroffen wäre auch das Lokalderby zwischen Dynamo mit dem deutschen Nationalstürmer Kevin Kuranyi gegen ZSKA. Eine endgültige Entscheidung solle am jeweiligen Spieltag nach Beratung mit den Schiedsrichtern getroffen werden, erklärte ein Liga-Sprecher.

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Quelle: n-tv.de

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