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Zwischen Wunsch und Wirklichkeit Warum die jungen Väter im Dilemma stecken

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(Foto: picture alliance / dpa)

Die jungen Väter von heute wollen anders sein, als ihre Väter es einst waren. Sie wollen Vertrauensperson, Spielkamerad, Erzieher, Hausmann und Familienmanager sein. Aber kann das klappen?

Früher waren Väter Versorger, keine Versteher. Die Frau wusch das Kind, der Mann das Auto. In die Erziehung mischte er sich bestenfalls ein, wenn es um die Verteilung einer Tracht Prügel ging. Die Mutter wechselte die Windeln, Elternabende waren Frauentreffen und Spielplätze väterfreie Zonen. Diese Zeiten gehören längst der Vergangenheit an.

Laut einer aktuellen Studie des Bundesfamilienministeriums geben 70 Prozent der heutigen Väter an, sich stärker als ihre eigenen Väter für ihre Kinder zu engagieren. Jeder zweite Vater kann sich sogar vorstellen, für mehr Zeit mit seinem Nachwuchs finanzielle Einbußen im Beruf hinzunehmen. 60 Prozent der Eltern mit Kleinkindern finden es ideal, wenn sich beide Partner gleichermaßen in Beruf und Familie einbringen können. Die Forscher sprechen dabei von einem Paradigmenwechsel, das Bundesfamilienministerium von einer "neue Dynamik". Doch wie kommt es, dass eine partnerschaftliche Aufteilung der Kinderbetreuung in der Praxis die berühmte Ausnahme bleibt? Dass, statistisch gesehen, niemand hierzulande mehr und länger arbeitet als junge Väter?

Hans Bertram, einer der renommiertesten Familien- und Väterforscher in Deutschland, ist überzeugt davon, dass in deutschen Chefetagen oftmals ein Geist herrscht, der mit der gesellschaftlichen Realität wenig gemein hat. Viele Väter wollen beides zugleich sein, erfolgreich im Job und fürsorglich zu Hause. Doch wie auch bei berufstätigen Müttern lässt sich beides kaum unter einen Hut bringen. "Die überforderte Generation" nennt Bertram die gestressten 30- bis 40-Jährigen, die sich in einer Phase beruflicher Höchstleistungen für die Gründung einer Familie entscheiden. Ein Mann, der in unserer Gesellschaft fürsorglich sein will, habe keinen guten Status. Die Ursachen dafür sieht der Wissenschaftler in einem grundsätzlichen Missverständnis. Kindergroßziehen sei in unserer Gesellschaft in erster Linie eine private Angelegenheit, die -zumeist von Frauen - kostenlos erledigt wird.

Eine Frage des Geldbeutels

Der Wunsch der Väter, mehr für die Kinder da zu sein, ist keineswegs neu, doch erst seit der Einführung der Elternzeit kann dieser besser gelebt werden. Mithilfe des 2007 eingeführten Elterngelds sind die finanziellen Einbußen bei einer Babypause für gut verdienende Väter deutlich besser zu verkraften. Arbeiten Väter und Mütter anschließend in Teilzeit weiter, können sie die Bezugszeit des Elterngelds verlängern: Seit 2015 gibt es für einen Monat Elterngeld zwei Monate lang ElterngeldPlus. Doch trotz allem sind es noch immer die Mütter, die nach der Geburt im Schnitt elf Monate zu Hause bleiben. Während nur 33 Prozent aller Väter Elternzeit nehmen, davon 80 Prozent gerade mal für zwei Monate vorübergehend die Akten- gegen die Windeltasche eintauschen. Warum?

So paradox es auch klingt: Väterförderung und Frauenförderung hängen zusammen. Das Ideal der Partnerschaftlichkeit setzt voraus, dass Väter und Mütter ähnlich viel verdienen. Noch deutlicher formuliert es Bertram: "Solange Sie nicht sicherstellen, dass die Frau auf beiden Beinen ihre eigenen Lebensentscheidungen so treffen kann, wie sie das selbst will, werden Sie auch nie einen selbstständigen Vater bekommen. Die beiden Rollen sind so eng miteinander verwoben, dass beide Rollen so organisiert sein müssen, dass sie in beiden Lebensbereichen auf Augenhöhe sind." Doch genau das ist in Deutschland nur die Ausnahme. Im Schnitt verdienen Männer zwanzig Prozent mehr als Frauen. Eine partnerschaftliche Aufteilung der Kindererziehung ist in Deutschland also eine Frage des Geldbeutels.

Vor einem halben Jahrhundert schrieb der Publizist Hans-Georg von Studnitz über den deutschen Mann: "Der Deutsche (. . .) zeigt als Vater Strenge. Er steht dem Familienkreis vor, wie ihm jemand im Betrieb vorgesetzt ist. Er sorgt treu für die Seinen und legt Wert darauf, dass ihm die Hinterbliebenen dies in dem Nachruf bestätigen, der sein Ableben anzeigt."

Heute leben andere Väter. Väter, die sich in die Erziehung einmischen, vorlesen, singen, zum Elternabend gehen oder die Tochter zum Fußball und den Sohn zum Ballett fahren. Väter die sich mehr Zeit für ihre Kinder nehmen - aber eben nicht während ihrer Arbeitszeit.

Quelle: n-tv.de

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