Panorama

Frau gefangen und gequält Was trieb die Täter von Höxter an?

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In diesem Haus wurde die Frau gefangen gehalten.

(Foto: dpa)

Ein Paar aus Höxter in Nordrhein-Westfalen sperrt eine 41-jährige Frau über Wochen hinweg ein und misshandelt sie so schwer, dass sie daran stirbt. Für Außenstehende erscheint die Tat unfassbar, Psychologin Lydia Benecke sieht darin klare Muster.

Ein Mann sucht über eine Kontaktanzeige eine Frau. Doch eine Liebesbeziehung führen die beiden nie. Stattdessen wird die Frau gefangen gehalten und schwer misshandelt, am Ende stirbt sie an den schweren Verletzungen. Unterstützt und gedeckt wird der Mann dabei offenbar von seiner Ex-Frau. So stellt sich im Augenblick ein Fall dar, den die Polizei in Höxter aufgedeckt hat.

Psychologin Lydia Benecke erinnern die aktuellen Ereignisse an eine ähnliche Konstellation, bei der 1977 ein Paar in den USA eine Frau entführt hatte, um sie als Sexsklavin zu halten. "Die Ehefrau war nicht begeistert, hat aber unter der Prämisse eingewilligt, dass sie die Partnerin bleibt und die andere nur ein Objekt", sagt Benecke n-tv.de. Gemeinsam hatten sie die Frau jahrelang gefangen gehalten.

In dem Fall aus Nordrhein-Westfalen gehen die Ermittler von mehreren Wochen Gefangenschaft aus. Die Frau starb an stumpfer Gewalt, sexueller Missbrauch wurde bisher wohl nicht festgestellt. Doch für Benecke, die über Sadisten geforscht und auch mehrere Bücher geschrieben hat, ist ein sexuelles Motiv keineswegs ausgeschlossen. "Wenn so viel körperliche Gewalt ausgeübt wird und eine Tatausführung mit länger währender Gefangenschaft besteht, könnte man die Arbeitshypothese prüfen, ob es bei dem Mann eine sexuelle Motivation gab." Dabei müsse man unbedingt die Beziehungsdynamik zwischen dem 46-Jährigen und seiner 47-jährigen Ex-Frau berücksichtigen.

Partnerin als Komplizin

Die beiden hatten sich ihrer Umgebung als Geschwister vorgestellt. Tatsächlich aber waren sie ein geschiedenes Paar, das offenbar wieder zusammenlebte. Für Benecke sieht das nach "dem typischen Schema einer On-off-Beziehung mit zwei persönlichkeitsmäßig eher instabilen Menschen" aus. Aus ihrer Forschungsarbeit über sexuelle Sadisten schließt die Psychologin auf ein mögliches Szenario. Demnach könnte der Mann tatsächlich eine neue Partnerin gesucht haben. "Dann hat aber die Ex-Frau gemerkt, dass sie ihn doch noch haben will. Beide könnten sich darauf geeinigt haben, dass sie die Frau gemeinsam festhalten."

Was für Außenstehende einfach nur nach einem perfiden und grausamen Plan klingt, hätte für die beiden Täter gleich mehrere Vorteile: Die Ex-Frau könnte ihren früheren Partner durch das gemeinsame Geheimnis wieder an sich binden. Wenn man davon ausgeht, dass die Beziehung zwischen den beiden Tätern in der Vergangenheit nicht unproblematisch war, könnten sie negative Beziehungsanteile wie immer wieder aufkeimende Aggressionen auf das Opfer übertragen haben, mutmaßt Benecke. Die 41-Jährige wurde gequält und geschlagen, nicht mehr die Ex-Frau. Für diesen Gewinn könnte eine persönlichkeitsgestörte Partnerin bereit sein, sich selbst für ein schweres Verbrechen instrumentalisieren zu lassen.

Dass die beiden versuchten, ihr schwer verletztes Opfer wieder nach Hause zu bringen, muss nicht unbedingt für sie sprechen. Benecke interpretiert dies nicht zwingend als Freilassung, womöglich noch aus der Einsicht heraus, dass sie unrecht gehandelt haben. Für wahrscheinlicher hält sie, dass die Täter angesichts des Zustands ihres Opfers und der Tatsache, dass den Nachbarn die Verbindung zwischen Tätern und Opfer nicht verborgen geblieben war, eins und eins zusammengezählt haben. Dabei könnte sich die Erkenntnis durchgesetzt haben: "Es gibt keine gute und vor allem keine sichere Methode, eine Leiche wegzuschaffen."

Quelle: ntv.de, sba