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Marcel H. noch nicht gefasst Was wir zum Herner Kindermord wissen

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In Herne herrschen Trauer und Angst.

imago/Reichwein

Ein Kind wird von einem Nachbarn getötet, warum? Der 19-Jährige flieht nach der Tat, was hat er vor? Und wie will die Polizei den als sehr gefährlich geltenden jungen Mann fassen? Die Liste der Fragen im Fall des getöteten Jaden ist lang, und längst gibt es nicht auf jede eine Antwort.

Hat die Polizei inzwischen Anhaltspunkte, wo sich Marcel H. aufhalten könnte?

Seitdem das Opfer in Herne gefunden wurde, sucht die Polizei mit einem Großaufgebot nach dem Tatverdächtigen. Die Polizei durchsuchte Autos und öffentliche Verkehrsmittel, durchkämmte Wälder und Schrebergärten, mehrfach wurden Hubschrauber mit Wärmebildkameras und Hunde eingesetzt, bisher allerdings erfolglos. Inzwischen wird bundesweit gefahndet. Am Mittwoch wurde in Wetter, etwa 25 Kilometer von Herne entfernt, für mehrere Stunden eine Schule abgeriegelt. Ein Zeuge wollte den Gesuchten im Umfeld gesehen haben. Gefunden wurde H. dort nicht. In der Nacht gab es in Herne einen weiteren Großeinsatz. Spezialkräfte der Polizei, unterstützt von einem Hubschrauber, "gingen einem Hinweis nach", wie Sprecherin Cornelia Weigandt sagte. Im Internet tauchen immer wieder Bilder auf, die ihn auf seiner Flucht zeigen sollen. "Der Polizei liegen insgesamt mehrere Fotos vor, auf denen angeblich der Tatverdächtige zu sehen sein soll", sagte Weigand. Die Polizei prüfe jedes Foto, könne aber noch nichts zu den Ergebnissen sagen.

Wer leitet die Ermittlungen in dem Fall?

Die bislang von Bochum aus gesteuerten Ermittlungen laufen jetzt im Polizeipräsidium Dortmund zusammen. Bei den Fahndern seien viele Hinweise eingegangen, berichtete die Sprecherin. Doch noch hat keiner zu dem Täter geführt.

Gibt es neue Erkenntnisse über H.?

In der Nacht hat die Polizei das Foto eines Hundes veröffentlicht, der im Zusammenhang mit dem Flüchtigen stehen könnte. Es handelt sich dabei um einen Beagle. Gefragt wird, wer Angaben zum abgebildetem Hund oder dessen Besitzer machen kann. Polizeisprecher Oliver Peiler sagte n-tv, das Foto sei im Zusammenhang mit H. im Internet aufgetaucht. Man hoffe, dass Hinweise zu dem Tier "uns dem Täter näherbringen". Außerdem teilte die Polizei mit, dass sie nicht ausschließen kann, dass sich der Täter bei der Tat an der rechten Hand verletzt hat. Deshalb sucht sie besonders nach Zeugen, die ihn in oder um Herne bei einem Arzt, in einem Krankenhaus oder einer Apotheke gesehen haben.

Es sollen Audiodateien von H. aufgetaucht sein. Stimmt das?

Polizeisprecher Peiler zufolge gibt es drei Audiodateien, die sich mit dem Tod des Neunjährigen beschäftigen. "Wir wissen nicht, ob sie authentisch sind." Er habe die Dateien angehört, die "Gefühlskälte", mit der darin über den toten Jungen gesprochen werde, sei erschreckend gewesen.

Was ist aus den Hinweisen auf ein eventuelles zweites Opfer geworden?

Die Hinweise auf ein mögliches zweites Opfer haben sich bislang nicht bestätigt. Im Internet hatte sich ein Unbekannter als der Gesuchte vorgestellt und beschrieben, wie er eine Frau überwältigt habe, um an Daten für einen Bankzugang sowie Computer und Telefon zu gelangen. "Wir nehmen das sehr ernst, allerdings gibt es bislang keine Hinweise auf eine vermisste Frau, auf die die Beschreibung passt", hieß es dazu von der Polizei.

Wie gefährlich ist H.?

Der 19 Jahre alte mutmaßliche Mörder gilt als sehr gefährlich. Er ist seit Montagabend auf der Flucht und hat angedeutet, dass er weitere Verbrechen verüben könnte. Nach mehr als 48 Stunden auf der Flucht geht die Polizei davon aus, dass er sich in einem psychischen Ausnahmezustand befindet. Wer den sehr schlanken und etwa 1,75 Meter großen H. sehe, müsse sehr vorsichtig sein. Man solle ihn auf keinen Fall ansprechen, sondern sofort den Notruf wählen. Die "Bild"-Zeitung berichtet unter Berufung auf Nachbarn und Bekannte, H. sei Kampfsportler und Einzelgänger, trage oft Bundeswehruniformen. Er habe häufig japanischen Schwertkampf trainiert und soll seine Schwester geschlagen haben.

Was weiß man inzwischen über den Tod des neunjährigen Nachbarsjungen?

Nach Hinweisen eines Zeugen war die Polizei in das Haus des 19-Jährigen eingedrungen und hatte im Keller den getöteten Jungen gefunden. Fast zeitgleich mit den Beamten war der Stiefvater von Jaden am Tatort eingetroffen. Er wohnt im Nachbarhaus und war auf der Suche nach dem Neunjährigen. Der Anwalt der Familie des getöteten neunjährigen Jungen, Reinhard Peters, sagte bei n-tv, H. habe den Jungen gebeten, ihm eine Leiter zu halten. Zwar hatte die Familie des Opfers den Nachbarn immer als seltsam wahrgenommen. Man habe aber nicht gezögert, als dieser um Hilfe bat. Als der Junge nicht zum Abendbrot kam, sei der Stiefvater auf die Suche nach Jaden gegangen. Laut dem Obduktionsergebnis von Mittwoch starb das Kind durch mehrere Messerstiche. Wieviele es genau waren, will die Polizei vorerst nicht sagen. Hinweise auf eine Sexualstraftat gebe es nicht.

Was hat es mit den online gestellten Bildern von dem Verbrechen auf sich?

H. hat Fotos von sich neben dem getöteten Kind gemacht. Dem "Stern" zufolge hat er mit diesen Bildern im Chat bei Whatsapp gegenüber einem Freund mit der Tat geprahlt. Der Freund habe die Bilder dann ins Internet gestellt. Ein Sprecher des Landeskriminalamtes in Düsseldorf zeigt sich von dem, was auf den Bildern der Tat zu sehen ist, tief getroffen. "Wir haben hier immer im LKA wieder mit grausamen Bildern wie zum Beispiel Fotos von Gräueltaten des IS aus Syrien zu tun. Solch ein Fall mit im Internet geposteten Fotos ist mir aber persönlich noch nicht untergekommen", sagt ein Sprecher.

Quelle: n-tv.de, mit dpa

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