Panorama

Mehrere Millionen Euro im Koffer Was wollte Unister-Chef Wagner in Venedig?

Der 38-jährige Unister-Chef Wagner war einer der schillerndsten deutschen Internetunternehmer. Sein Tod beim Absturz eines Kleinflugzeuges auf dem Weg von Venedig nach Leipzig wirft Fragen auf. Von dem Trip nach Italien wusste angeblich kaum einer.

Die letzte Reise des tödlich verunglückten Unister-Chefs Thomas Wagner nach Italien ist angeblich sogar engen Mitarbeitern ein Rätsel. Laut "Bild"-Zeitung hat Wagner nur wenige Vertraute eingeweiht. Begleitet wurde er demnach lediglich von drei weiteren Deutschen: von Unister-Gesellschafter Oliver Schilling sowie einem Banker und dem Piloten. Sonst wusste offenbar kaum einer von dieser Reise.

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Das Unternehmen will die Nachfolge von Thomas Wagner "sehr zeitnah" regeln und kommunizieren.

(Foto: picture alliance / dpa)

Einen Tag nach dem Unglück sei nicht nur der Anlass der Reise rätselhaft, sondern auch, warum der 38-Jährige einen Geldkoffer mit mehreren Millionen Euro dabei gehabt habe. Dem Blatt zufolge wurden an der Absturzstelle in einem Wald zwischen einer und vier Millionen Euro gefunden. Bereits bei seinem Hinflug soll der Selfmade-Millionär sehr viel Geld mitgenommen haben. Was es damit auf sich hat, liegt im Dunkeln.

Bekannt sei nur, dass die Geldsummen nicht angemeldet gewesen seien, schreibt die Zeitung unter Berufung auf Insider. Das ist zumindest bemerkenswert, denn eigentlich muss der Zoll über die Ein- und Ausfuhr solcher Mengen an Bargeld informiert werden. Dass dies nicht geschah, lässt sich möglicherweise damit erklären, dass es sich um einen Privatflieger handelte. Diese werden in der Regel laxer kontrolliert.

Wie das Blatt weiter berichtet, tauchten die Namen der Flugpassagiere auch in keiner Passagierliste auf. Offenbar handelte es sich um eine Stippvisite. Wagner soll sich nicht länger als einen einzigen Tag in der Lagunenstadt aufgehalten haben. Angereist seien er und sein Team am Mittwoch, heißt es.

Über seine Termine in Venedig sei lediglich bekannt, dass er mit einem venezianischen Geschäftsmann verabredet gewesen sei. Ein Name wird nicht genannt. Der Mann soll sein Geld jedoch mit Juwelenhandel und Kreditgeschäften machen. Die Reise wirft offensichtlich mehr als nur eine Frage auf. Wer Anspruch auf das gefundene Geld an der Absturzstelle hat, gehört am Ende ebenso dazu, wie die, ob die Polizei möglicherweise ermitteln wird.

Das gecharterte Kleinflugzeug vom Typ Piper 32 war am Vortag auf dem Rückflug nach Leipzig, als es im gebirgigen Gelände von Slowenien abstürzte und alle Insassen in den Tod riss. "Wir verstanden, dass er Schwierigkeiten wegen 'Icing' hat. Und dann kam auch schon 'Mayday, Mayday, Mayday'. Es ging alles äußerst schnell", zitiert die "Bild"-Zeitung eine Sprecherin der slowenischen Luftraum-Kontrolle.

Glanzvoller Aufstieg, tragisches Ende

Thomas Wagner ist einer der schillerndsten und umstrittensten deutschen Internetunternehmer. Sein Leipziger Unternehmen Unister gründete er bereits 2002, als er noch Student war. Innerhalb von nur zehn Jahren baute Wagner sein Unternehmen zu einer der größten Internetfirmen Deutschlands sowie einem führenden Anbieter von Pauschalreisen aus, der auch kräftig in Werbung investiert.

Zu den Unister-Marken gehören die Portale "Ab-in-den-Urlaub" und "Flüge.de", die vor allem durch die Fußballstars Michael Ballack und Reiner Calmund bekannt wurden. Weitere Plattformen sind "Reisen.de", "Preisvergleich.de" und "Shopping.de". Nach Unternehmensangaben besuchen jeden Monat mehr als zehn Millionen Internetnutzer diese Webseiten. Die rund 1200 Mitarbeiter stehen für einen Umsatz von 500 Millionen Euro.

Calmund, ehemaliger Manager des Bundesligisten Bayer Leverkusen, zeigte sich tief erschüttert von der Nachricht des Todes. Dem Kölner "Express" sagte er: "Ich bin völlig geschockt. Er war ein junger Mann mitten im Leben, wenn man so etwas hört, bekommt man Gänsehaut, das ist furchtbar. Mehr möchte ich jetzt nicht sagen, ich kenne noch keine Einzelheiten."

Unister stand in der Kritik

Der Internetriese geriet 2012 in die Schlagzeilen, weil gegen Manager und Mitbegründer der Firma wegen Steuerhinterziehung und unerlaubten Vertreiben von Versicherungen ermittelt wurde. Der Vorwurf lautete, die Firma vertreibe Versicherungen über ihre Portale, ohne dafür Versicherungssteuern abzuführen. Der Steuerschaden soll sich laut "Leipziger Volkszeitung" auf rund eine Millionen Euro belaufen haben. Wagner saß kurzzeitig in Untersuchungshaft. Zu einem Prozess kam es aber bis heute nicht.

Viel Kritik gab es auch wegen angeblich unsauberer Tricks, bei denen Computernutzer in so genannte Klickfallen tappen. Wagner wies die Vorwürfe zurück. Gleichzeitig versprach er aber Verbesserungen beim Service und der Qualität von Reise-Portalen.

Unister-Mitbegründer Daniel Kirchhof erklärte: "Ich trauere zusammen mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Unister." Wagner habe ein neues Wirtschaftssegment geschaffen und Großes aufgebaut. Unister will die Nachfolge Wagners "zeitnah" regeln und mitteilen.

Quelle: ntv.de, ddi

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