Panorama

Boxer, Daddy oder Mrs. Claus? Weihnachts-Werbe-Wettkampf um die Briten

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Es gewinnt nicht automatisch der mit dem meisten Lametta.

(Foto: AP)

Die Wochen vor Weihnachten sind wohl die verrückteste Zeit im Jahr. Nie treffen idyllische Vorstellungen und geballter Kommerz dramatischer aufeinander. Die Kampagnen britischer Warenhäuser und Supermarktketten zeigen das überdeutlich.

Alljährlich in der Vorweihnachtszeit tobt in Großbritannien ein erbitterter Kampf. Nicht der um das beste Geschenk, sondern der um die beste Weihnachtswerbung. Und schon dabei überbieten sich die großen Warenhäuser und Supermarktketten.

Mit besonderem Interesse wird beispielsweise alljährlich die Kampagne von John Lewis erwartet. Seit 2011 setzt die Londoner Kaufhauskette in ihren Weihnachtswerbungen auf erzählte Geschichten. Es gab bereits einen Jungen, der Weihnachten nicht erwarten konnte, um seine Eltern zu beschenken. Außerdem einen Schneemann, der den Elementen trotzt, um seiner Schneefreundin einen warmen Schal zu kaufen. Im vergangenen Jahr versuchte ein kleines Mädchen, dem einsamen Mann im Mond eine Nachricht zu schicken. Am Ende natürlich mit Erfolg. In diesem Jahr hat das Unternehmen Buster, den Boxer, ins Rennen geschickt.

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Der Hund verfolgt voller Neid, wie zwei Füchse und ein Dachs auf dem Trampolin im Garten einen Heidenspaß haben, das der Vater bereits als Weihnachtsgeschenk für seine Tochter aufgebaut hat. Am Weihnachtsmorgen überholt der Hund dann das beschenkte Kind, weil er auch unbedingt hüpfen will. Seit das Video Anfang November veröffentlich wurde, haben es bereits über 18 Millionen Menschen auf Youtube angesehen. Außerdem gibt es bereits lustige Verballhornungen, unter anderem mit Barack Obama, Hillary Clinton und Donald Trump.

Dem britischen "Telegraph" zufolge hat John Lewis für den Spot, in dem erstmals eine schwarze Familie die Geschichte erlebt, rund eine Million Pfund ausgegeben. Die Musik stammt im Original von Randy Crawford. In dem Zwei-Minuten-Video singen die Vaults "One day, I will fly".

Der Mog-Nachfolger

Allerdings schläft auch die Konkurrenz nicht. Im vergangenen Jahr landete die Supermarktkette Sainsbury's mit dem Kater Mog einen Überraschungssieg. Die beliebte Kinderbuchfigur der deutschstämmigen Autorin Judith Kerr rettet ihrer Familie in dem Spot an einem Weihnachtstag mit einem verbrannten Truthahn das Leben. Anschließend teilen alle Nachbarn mit der vom Feuer betroffenen Familie. Die Botschaft: Weihnachten ist zum Teilen da. Mit dem Spot wurde außerdem um Spenden für die Organisation "Save the children" geworben.

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In diesem Jahr sucht im Sainsbury's-Clip der Supermarktmitarbeiter und Vater Dave nach dem besten Geschenk für seine Lieben. Der Trickfilm entstand in Stop-Motion-Technik und mit modernem 3D-Druck. Die Dreharbeiten dauerten dem "Standard" zufolge 16 Wochen. In der Geschichte kommt Dave mit seiner Geschenkesuche nicht weit, weil er arbeiten muss, es überall in den Geschäften voll ist und die Menschen gestresst sind. Am Ende stellt er Spielzeug-Versionen von sich selbst her, damit er mehr bei seinen Kindern sein kann.

Den Song zum Spot singt James Corden, der mit seinen verrückten Mitfahrer-Karaoke-Sendungen populär wurde. Bret McKenzies Song ist auch die Botschaft: "Das größte Weihnachtsgeschenk bin ich", also die Zeit, die ich mit der Familie verbringe. Im großen Finale taucht dann nicht nur Daves Familie mit ihm als weißhäutigem Vater und seiner schwarzen Ehefrau und der ebenfalls schwarzen Schwiegermutter auf, sondern auch noch eine Familie mit zwei Müttern und eine andere mit zwei Vätern. In britischen Zeitungen war schon von einem filmischen Meisterwerk die Rede. Mit 7,8 Millionen Nutzern bei Youtube ist das Interesse jedoch deutlich unter dem für Boxer Buster.

Mrs. Claus macht das schon

Und es gibt noch einen dritten  Bewerber für den Titel "Britische Christmas-Werbung des Jahres": Marks und Spencer. In dem Spot schreibt der kleine Jake an Mrs. Claus, also die Frau des Weihnachtsmannes. Sie möge ihm bitte helfen, sich mit seiner Schwester wieder zu versöhnen, die ziemlich sauer auf ihn ist, nachdem sein Hund ihre Schuhe zerfetzt hat.

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Das lässt sich Mrs. Claus nicht zweimal sagen. Während ihr Mann im Renntierschlitten zu seiner Geschenketour aufbricht, kümmert sie sich persönlich per Schneemobil und Hubschrauber um die Auslieferung dieses ganz besonderen Geschenks. Den Zugang über den Schornstein lässt sie aus, dafür isst sie die Hackfleisch-Pies, die die Familie für den Weihnachtsmann hingestellt hat, beide.

Oscar-Preisträger Tom Hooper drehte im Norden von London, die Musik stammt von Rachel Portman und Janet McTeer gibt der Frau des Weihnachtsmanns ein ebenso cooles wie glamouröses Gesicht. Glaubt man Twitter, schicken britische Kinder in diesem Jahr ihre Wunschzettel lieber an Mrs. Claus. Allerdings wollten nur 6,3 Millionen Menschen den Clip auf Youtube sehen.

Auch deutsche Supermarktketten versuchen zunehmend, ihre Weihnachtswerbung zu sozialen Ereignissen zu machen. Edeka versucht es beispielsweise in diesem Jahr auch mit der Zeit statt Geld-Idee. Allerdings ist Deutschland noch weit entfernt von britischen Verhältnissen. Dort gibt es inzwischen Abstimmungen, wer den besten Weihnachtsspot hat.

Quelle: n-tv.de