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Brigitte Macron: "Ich hoffe, Emmanuel beeilt sich und wird schon 2017 Präsident. Denn wer weiß, welches Gesicht ich 2022 haben werde."
Brigitte Macron: "Ich hoffe, Emmanuel beeilt sich und wird schon 2017 Präsident. Denn wer weiß, welches Gesicht ich 2022 haben werde."(Foto: AP)
Sonntag, 07. Mai 2017

Brigitte beeindruckt Franzosen: Wer ist Macrons "Première Dame"?

Von Diana Sierpinski

Emmanuel und Brigitte Macron weisen den gleichen erheblichen Altersunterschied auf wie Melania und Donald Trump - nur, dass im Fall Macron nicht die Frau die Jüngere ist. Dafür hat die nächste "Première Dame" weit mehr zu bieten als die "First Lady".

Emmanuel Macron ist noch keine 40 Jahre alt und kinderlos, seine Ehefrau brachte drei erwachsene Sprösslinge mit in die Ehe und ist bereits siebenfache Großmutter. Brigitte Macron, geborene Trogneux, geschiedene Auziére, ist fast 25 Jahre älter als der Überflieger, der Frankreichs jüngster Präsident werden könnte. Kein Wunder, dass die Klatschpresse begeistert ist von dem ungewöhnlichen Paar. "Paris Match", das bekannteste aller französischen People-Magazine, brachte das Glamour-Paar in weniger als einem Jahr gleich vier Mal auf die Titelseite.

Falls Macron - wie erwartet - am 7. Mai die Rechtspopulistin Marine Le Pen besiegt, wird die 64-jährige Trogneux, die nach der Scheidung ihren Mädchennamen wieder annahm, die nächste "Première Dame" der Französischen Republik und zieht mit dem Jungstar und Chef der Bewegung "En Marche!" in den Elysée-Palast.

Wer ist diese Frau?

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Bekannt wird Trogneux der breiten Öffentlichkeit erstmals 2015, als sie ihren Mann auf einen Empfang im Präsidentenpalast begleitet. Die Franzosen staunen nicht schlecht über die Ehe des damaligen Wirtschaftsministers mit einer Frau, deren Kinder so alt sind wie er selbst. Selbst in Frankreich, wo Verbindungen zwischen Mächtigen und Mätressen nicht selten vorkommen, ist so eine Liaison ungewöhnlich. Doch Macron rückt seine Frau direkt ins Rampenlicht seiner politischen Selbstdarstellung. Sie ist überall präsent.

Mit ihrem breiten Lächeln und der blonden Löwenmähne sieht die Politikergattin weniger wie eine mehrfache Großmutter, sondern eher wie ein Ex-Model aus. Frankreichs Medien loben Trogneux für ihre "coole Einstellung" und ihren "Wonderwoman-Look". Und die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" schreibt über die schlanke und braungebrannte Mittsechzigerin: "Trogneux sieht aus wie eine sympathische Freundin von Jane Fonda und strahlt eine Lebensfreude aus, als hätte sie die letzten vier Jahrzehnte in Saint-Tropez gelebt und gefeiert."

Die Lehrerin und der Meisterschüler

Manch einer lästert, sie übertreibe es mit ihren kurzen, körperbetonten Kleidern und hohen Absätzen ein wenig. Denen wird entgegengehalten, niemand solle den Fehler begehen, Trogneux auf ihr Äußeres zu reduzieren. Sie gehöre zu jener Generation, die den Feminismus der Siebzigerjahre erlebt hat. Sie ist politisch und im Wahlkampf allgegenwärtig. Sie berät ihren Mann, bereitet seine Auftritte vor, feilt an seinen Reden. Dabei strahlt die 64-Jährige eine Mischung aus Lebensfreude, Zuversicht und Erfahrung aus, die man bei ihrem Mann nicht findet. Manchmal wirkt es, als sei sie noch immer seine Lehrerin - wie einst in Amiens, wo sich die beiden vor 23 Jahren kennenlernten.

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Am Jesuitengymnasium La Providence unterrichtete Trogneux - damals 39, verheiratet mit einem Banker und dreifache Mutter - Französisch und Latein. Der junge Emmanuel besuchte eine von ihr geleitete Theatergruppe. "Das Schreiben hat uns jeden Freitag zusammengebracht und eine unglaubliche Nähe ausgelöst", beschreibt Trogneux die Anfänge der Beziehung später in "Paris Match". "Ich spürte, dass ich ins Wanken gerate, und er auch."

Wann genau sie sich verliebten, bleibt ihr Geheimnis: "Keiner wird jemals erfahren, an welchem Moment unsere Geschichte eine love story geworden ist", wird sie in einem Buch über ihren Mann zitiert. In jedem Fall aber war die Liaison zwischen der Lehrerin und dem 15 Jahre alten Schüler untragbar. Trogneux überzeugt den jungen Emmanuel, Amiens zu verlassen und an das Pariser Elitegymnasium Henri IV zu wechseln. Um ein Drama wie auf der Theaterbühne zu vermeiden. Denn seine Eltern, so heißt es in dem Buch, hätten eigentlich gedacht, dass ihr Sohn Brigittes Tochter Laurence den Hof mache. Macron soll ihr beim Abschied versprochen haben: "Egal, was Sie tun, Sie werden mich nicht los. Ich werde zurückkommen, um Sie zu heiraten."

"Er ist kein Mann für Abenteuer"

Es dauerte bis 2007, bis die beiden heirateten - 15 Jahre nach ihrem ersten Kennenlernen. Die aus einer konservativen, alteingesessenen Chocolatiers-Familie stammende Trogneux habe zuvor den Tod ihrer Eltern abgewartet, berichtet die Journalistin Alix Bouilhaguet in ihrem Buch "Le Couloir de Madame". Macron und seine Frau überwanden hohe Hürden, bevor ihre Beziehung möglich und akzeptiert wurde. "Unsere Geschichte hat uns einen hartnäckigen Willen eingehämmert, nichts dem Konformismus zu überlassen (...)," resümiert der Kandidat.

Den Lehrerberuf hat Trogneux schon lange aufgegeben. "Sie ist eine Frau, die in das Leben ihres Mannes einbezogen ist", erklärte Alexis Kohler, Stab-Chef Macrons zu dessen Zeiten als Wirtschaftsminister, der Agentur Bloomberg. Und Macron selbst verriet später: "Falls ich gewählt werde – nein pardon, wenn wir gewählt werden - wird sie da sein, mit einer Rolle und einem Platz".

Manch einem missfällt zwar, wie sehr die Politikerfrau im Rampenlicht steht. Doch Macron ist das Image des Familienmenschen wichtig. Er betrachte die drei Kinder und sieben Enkel seiner Frau als seine Familie, betont er immer wieder. Außerdem stärkt die ungewöhnliche Beziehung seinen Nimbus als Mann, der sich nicht um Konventionen schert.

Dass der anstrengende Wahlkampf nicht spurlos an Trogneux vorbeigeht, verriet sie in einem ihrer seltenen Interviews: "Man muss lernen, damit zu leben, von allen Seiten kritisiert zu werden." Auch Gerüchte über die angebliche Homosexualität Macrons dürften sie getroffen haben. Auf eine mögliche Untreue ihres Mannes angesprochen, sagt Trogneux: "Wenn Emmanuel mich eines Tages betrügen sollte, dann, weil er wirklich verliebt ist. Er ist kein Mann für Abenteuer."

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Quelle: n-tv.de