Panorama
Die Polizisten rieten Piening, eines der Herren-Pissoirs zu benutzen.
Die Polizisten rieten Piening, eines der Herren-Pissoirs zu benutzen.(Foto: imago/robertharding)
Donnerstag, 21. September 2017

Verurteilung in Amsterdam: Wildpinklerin löst Proteste aus

Jeder kennt die Situation: Man muss dringend urinieren und nirgends gibt es eine Toilette. So ergeht es auch Geerte Piening. Die Niederländerin will sich in einer Gasse erleichtern und wird erwischt. Das Urteil gegen die Wildpinklerin entfacht nun eine Protestwelle.

Eigentlich wollte Geerte Piening in Amsterdam nur ihre Blase erleichtern. Nun gilt die Niederländerin als Vorbild der Frauenbewegung.  "Es ist eine riesige feministische Sache geworden und dabei war das nicht meine Absicht", sagte die 23-Jährige der niederländischen Zeitung "Het Parool".

In einer Mainacht 2015 feierte Piening in einem Amsterdamer Klub. Als dieser schließlich schloss, verspürte sie auf dem Heimweg ein dringendes Bedürfnis. Und das kann in der Hauptstadt der Niederlande zu einem großen Problem werden: Gerade einmal 35 öffentliche Urinale für Männer und zwei Toiletten für Frauen stehen Piening zufolge zur Verfügung.

Im Fall von Piening wäre die nächste Damentoilette kilometerweit entfernt gewesen. Daher entschied sie sich, in eine Gasse zu urinieren. Ihre Freunde schauten unterdessen, dass sie dabei unbeobachtet bleibt. Als zwei Polizisten die Gruppe entdecken, kann die Niederländerin ihre Blase nicht mehr stoppen. "Sie fragten mich, was ich dort mache", erzählte Piening dem Blatt. Natürlich sei es nicht lustig für sie gewesen, mit heruntergelassener Hose vor den Beamten zu stehen. Ihre Erklärungen zum Mangel an öffentlichen Toiletten akzeptierten die Polizisten aber nicht und verhängten ein Bußgeld.

Richter lässt keine Milde walten

Dieses wollte Piening jedoch nicht zahlen. Am Montag stand sie deshalb vor einem Amsterdamer Gericht und verteidigte ihre Wildpinkelei damit, dass es keine Alternativen gab. Der Richter verurteilte sie trotz ihrer Ausführungen zu einem Bußgeld von 140 Euro - gerade einmal 50 Euro weniger als die von der Polizei erlassene Strafe.

Am Freitag wollen Aktivistinnen gegen das Urteil des Richters demonstrieren. Unter dem Hashtag #wildplassen (niederländisch für Wildpinkeln) haben außerdem dutzende Frauen im Internet ihre Solidarität bekundet. Inzwischen wolle auch Piening für die Rechte der Frauen in Amsterdam kämpfen. Sie setzt sich für die Errichtung von mehr Toiletten in der Innenstadt ein. Zwar gebe es bereits Pläne, öffentliche Toiletten in unterirdischen Fahrradhäusern einzurichten, "das kann aber Jahre dauern", sagte die Amsterdamerin.

Bilderserie

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen