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Neue Studie Wo die Rente nicht fürs Pflegeheim reicht

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Unsere älter werdende Gesellschaft braucht dringend mehr professionelle Pflegekräfte.

(Foto: imago stock&people)

Deutschland altert. Die Zahl der Pflegebedürftigen steigt. Doch nicht alle Hochbetagten können sich einen Heimplatz aus eigener Tasche leisten. Im Nordosten müssen sich die Senioren einer Studie zufolge am wenigsten Sorgen machen - ganz anders im Südwesten.

Die Gesellschaft altert. Bereits heute gibt es hierzulande gut 2,6 Millionen Pflegebedürftige. Bis 2030 werden es 3,4 Millionen Menschen sein. Doch während über die steigenden Kosten und den Bedarf an Pflegekräften diskutiert wird, fällt ein Thema unter den Tisch: Wie steht es eigentlich um die erforderliche Pflegeinfrastruktur?

Die gute Nachricht: Überall in Deutschland gibt es ausreichend Pflegeheime, auch wenn das Angebot regional stark varriiert. Das teilt die Bertelsmann Stiftung mit, nachdem sie Struktur und Angebot in der Pflege auf den Prüfstand stellen lassen hat. Die schlechte Nachricht: Die Heimkosten schwanken je nach Region gewaltig. Eine professionelle stationäre Versorgung kostet laut Studie zwischen 88 bis 153 Euro pro Tag.

Berechnungen der Untersuchung ergaben, dass in fast der Hälfte der Kreise und kreisfreien Städte das durchschnittliche Einkommen der Hochbetagten nicht ausreicht, um einen Heimplatz aus eigener Tasche zu bezahlen. In Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Baden-Württemberg sowie in den Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen übersteigen die Pflegekosten das durchschnittliche Jahreseinkommen der über 80-Jährigen zum Teil deutlich.

Starkes Nordosten-Südwesten-Gefälle

Bundesweit reicht in 44 Prozent der Kreise das Durchschnittseinkommen der alten Menschen rechnerisch nur für maximal elf Monate stationärer Pflege. In einem Viertel der Kreise liegt die durchschnittliche Kaufkraft sogar so niedrig, dass die über 80-Jährigen nur maximal zehn Monate stationäre Pflege pro Jahr finanzieren können.

Anders sieht es in den ostdeutschen Bundesländern, Schleswig-Holstein und weiten Teilen Niedersachsens aus. Dort ist die durchschnittliche Kaufkraft der Senioren mehr als ausreichend, um die stationären Pflegekosten zu tragen. In einem Fünftel der Kreise könnten sie sich theoretisch sogar 13 Monate Pflege und mehr pro Jahr leisten.

Ein Grund für das Gefälle zwischen Nordost und Südwest sind die Unterschiede bei der Bezahlung der Altenpflegekräfte. Die Löhne lagen 2013 zwischen 1714 Euro und 3192 Euro im Monat. Die im Norden und Osten Deutschlands günstige Bilanz zwischen Kaufkraft und Pflegekosten gehe somit zu Lasten der Altenpfleger, schreiben die Autoren.

Dies gilt auch für den Personaleinsatz, der entscheidet, wie viel Zeit die Pflegekräfte für die einzelnen Pflegebedürftigen aufwenden können. Der Studie zufolge haben die Pfleger für jeden Heim-Bewohner je nach Stadt- oder Landkreis durchschnittlich mindestens 2,1 Stunden und höchstens 3,6 Stunden Zeit. Diese deutlichen regionalen Unterschiede lasse sich nicht mit einer unterschiedlichen Belegung der Heime erklären, da der mit zunehmender Pflegestufe höhere Zeitaufwand berücksichtigt wurde.

Die wichtigsten Ergebnisse der Studie im Überblick:

  • Gutes Angebot: Überall in Deutschland gibt es ausreichend Pflegeheime. In Städten ist das Angebot deutlich größer als auf dem Land.
  • Hohe Preisspanne: Die Preise für stationäre Pflege liegen zwischen 88 und 153 Euro pro Tag.
  • Geringes Einkommen: In über der Hälfte der Kreise reicht das Durchschnittseinkommen der über 80-Jährigen nicht für professionelle stationäre Pflege – 41 Prozent der Pflegebedürftigen sind zusätzlich auf Sozialhilfe angewiesen.
  • Flexibler Pflegemix: Ob Angehörige, ambulante Dienste oder Heime pflegen, hängt vom Wohnort, von der Qualität der kommunalen Versorgung, aber auch vom Einkommen ab.
  • Begehrte Fachkräfte: Wo überproportional viele Menschen stationär gepflegt werden sowie auf dem Land werden Fachkräfte künftig besonders fehlen.

Die ausführliche Studie finden Sie hier.

Quelle: n-tv.de, dsi

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