Panorama

Nazi-Angriff erfunden Zu 100 Sozialstunden verurteilt

Wegen Vortäuschens eines fremdenfeindlichen Überfalls ist ein Italiener in Berlin zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Das Amtsgericht Berlin-Tiergarten sah es als erwiesen an, dass der 30-Jährige im Mai einen brutalen Angriff von drei Rechtsradikalen frei erfunden hat.

Seine schwere Knieverletzung habe sich der damals angetrunkene Italiener vielmehr bei einem Sturz auf S-Bahn-Gleise am Bahnhof Alexanderplatz zugezogen. Dem Angeklagten wurden zudem 100 Stunden gemeinnützige Arbeit auferlegt. Der vermeintliche Übergriff kurz vor der Fußballweltmeisterschaft hatte international für Schlagzeilen gesorgt und Warnungen vor einem zunehmenden fremdenfeindlichen Klima in Deutschland ausgelöst.

Der gelernte Eismacher hatte angegeben, er sei in der Nacht zum 14. Mai im Stadtteil Prenzlauer Berg von drei kahlköpfigen Männern als "Scheiß Ausländer" beschimpft und geschlagen worden. Ein Rechtsextremist habe ihm mit einem Holzstock gegen das Knie geschlagen, ein anderer Schlag habe ihn am Kopf gestreift.

"Eine solche Auseinandersetzung zwischen Ihnen und drei Rechten gab es nicht", hielt die Richterin dem Angeklagten vor. Dem in Berlin lebenden Italiener sei auch bewusst gewesen, welchen Ermittlungsaufwand er mit einem angeblichen rassistischen Überfall auslösen würde.

Bilder einer Überwachungskamera am S-Bahnhof hätten belegt, dass sich der Italiener bei einem Sturz auf die Gleise erheblich verletzte, urteilte das Gericht. Eine Fremdeinwirkung habe es nicht gegeben. Auch für die Version des Angeklagten, er sei angegriffen worden und einige Stunden nach dem Überfall auf das bereits verletzte Knie gefallen, gebe es keine Belege. Die Staatsanwaltschaft hatte gegen den Italiener ein Jahr Haft auf Bewährung verlangt, die Verteidigung Freispruch.

Quelle: ntv.de