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Kinder gezüchtigt und geschlagen "Zwölf Stämme"-Lehrerin wieder vor Gericht

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Ein Kind der "Zwölf Stämme" wird in Klosterzimmern im Kreis Donau-Ries (Bayern) privat unterrichtet. (Archivaufnahme)

(Foto: picture alliance / dpa)

Weil sie Kinder brutal gezüchtigt haben soll, muss eine Lehrerin der Zwölf Stämme vor Gericht - zum wiederholten Mal. Zumindest im ersten Prozess hatte die 56-Jährige keine Reue gezeigt. Zeugen beschreiben sie als "sehr brutal, sehr kalt".

Zweieinhalb Jahre nach dem Prügelskandal bei der Sekte "Zwölf Stämme" kommt die juristische Aufarbeitung langsam in Fahrt. Einem Sektenmitglied droht nun der Gang ins Gefängnis. Die 56-Jährige hatte als Lehrerin bei der umstrittenen Glaubensgemeinschaft gearbeitet und war im Januar 2016 wegen Misshandlung Schutzbefohlener in sechs Fällen zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden.

Die verhältnismäßig harte Strafe lag unter anderem daran, dass sich die gelernte Krippenerzieherin in der ersten Verhandlung in Nördlingen völlig uneinsichtig zeigte. Sie habe eben festgestellt, dass eine Rute besser zur Disziplinierung von Kindern geeignet sei als das Schlagen mit der Hand, hatte die Frau zu Protokoll gegeben. Und als Staatsanwalt Matthias Ernst die Angeklagte fragte, ob es stimme, dass quasi täglich gezüchtigt worden sei, antwortet die Angeklagte: "Wann immer die Kinder das gebraucht haben."

Zeugen hatten in der Verhandlung berichtet, dass es im Unterricht schon gereicht habe, eine Frage zu wiederholen, um von der Lehrerin geprügelt zu werden. "Sie war sehr brutal, sehr kalt", sagte ein Zeuge. "Bei Widerworten ist sie sauer geworden und hat nur noch härter zugeschlagen", berichtete eine andere Zeugin.

"Sie war von allen die Brutalste"

Die Frau sei die "Disziplinarbeauftragte" der Zwölf Stämme gewesen, urteilte das Gericht schließlich. "Sie ist von fast allen als Schlimmste und Brutalste beschrieben worden und hat nicht die geringste Reue gezeigt", stellte der Vorsitzende des Jugendschöffengerichts fest. Die Ermittler gehen von sechs Opfern aus. Die Kinder, von denen manche heute bereits im Erwachsenenalter sind, hätten deswegen teils immer noch "andauernde psychische Beeinträchtigungen", berichtete die Staatsanwaltschaft.

Sowohl die Angeklagte als auch die Staatsanwaltschaft Augsburg legten gegen das Urteil Berufung ein. Deshalb kommt es von diesem Mittwoch an zur Verhandlung vor der Jugendkammer des Augsburger Landgerichts. Die Kammer hat bislang neun Zeugen geladen.

Sekte verlässt Deutschland

Die "Zwölf Stämme" sehen Rutenschläge als übliche Erziehungsmethode für Kinder an. Ins Rollen kamen die Ermittlungen, als die Polizei im September 2013 rund 40 Kinder wegen der Prügelvorwürfe aus den Gemeinschaften im schwäbischen Klosterzimmern bei Deiningen und im mittelfränkischen Wörnitz holte. Seitdem gab es bei den Gerichten bereits mehrfach in Körperverletzungsverfahren Urteile gegen Sektenmitglieder, allerdings mit niedrigeren Strafen als im Fall der 56-Jährigen.

Mittlerweile hat die Sekte angekündigt, nach Tschechien und in andere europäische Länder ziehen zu wollen, weil sie sich in Deutschland verfolgt fühle.

Quelle: n-tv.de, dsi

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