11.September

Fast 22.000 Leichenteile Identifizierung dauert an

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Ein Bild vom 11. September 2001: Zwei Feuerwehrmänner tragen eine Leiche aus dem Trümmerfeld. Anfangs ließen sich die Opfer auf traditionellem Weg identifizieren.

Man könnte meinen, dass zehn Jahre nach den verheerenden Anschlägen längst alle sterblichen Überreste der rund 3000 Opfer identifiziert sein müssten. Doch dem ist nicht so. Wissenschaftler arbeiten bis heute daran, Leichenteile bestimmten Toten zuzuordnen. 40 Prozent stehen noch aus.

Die Namen der Menschen, die bei den Explosionen, den Bränden und dem Einsturz der WTC-Türme am 11. September 2001 starben, gelten als bekannt. Doch die Wucht der Zerstörungen war so enorm, dass auch ein Jahrzehnt später noch menschliche Überreste in akribischer Kleinarbeit den Namen zugeordnet werden müssen. Erst Ende August identifizierten die Forensiker in dem von der Stadt New York betriebenen Labor die Leichenteile von Ernest James, der im Alter von 40 Jahren umkam. Von den nach offiziellen Angaben 2753 Toten des World Trade Center sind damit aber erst in 1629 Fällen die Überreste ermittelt worden - rund 40 Prozent der Leichenteile sind also immer noch nicht identifiziert.

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"Es ist eine ethisch-moralische Entscheidung"

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Dafür bestehe zwar auch keine juristische Notwendigkeit mehr, weil die Opfer ihren Totenschein hätten, sagt Mechthild Prinz. Die 53-jährige Deutsche arbeitet seit 1995 in der Abteilung für Forensische Biologie bei der Gerichtsmedizin in New York. Weiter an der Zuordnung der Überreste zu arbeiten, sei aber eine "ethisch-moralische Entscheidung".

Forensische Detektivarbeit

Anfangs wurden traditionelle Methoden wie der Zahnstatus, Fotografien oder Fingerabdrücke angewendet, um Leichen und Überreste aus den Trümmern zu identifizieren. Doch als die einfacheren Fälle erledigt waren, begann die forensische Detektivarbeit - und selbst die reicht oft nicht aus. "Wir sammelten 21.817 Leichenteile, da kann man sich vorstellen, dass viele Menschen in viele verschiedene Körperteile fragmentiert waren", sagt Prinz. "Und da wir über eintausend Menschen nicht identifiziert haben, sind einige von ihnen regelrecht verschwunden."

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Die noch zuzuordnenden Überreste der Anschlagsopfer werden in einer Tiefkühltruhe aufbewahrt. An den Wänden hängen Listen mit den Namen der Toten.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Unter strengen Sicherheits- und Hygienevorschriften arbeiten bis heute fünf Wissenschaftler an der Identifizierung von 6314 Knochensplittern, die im Gebiet der Zwillingstürme gefunden wurden. In einem großen Raum reinigt ein Roboter die Überreste, bevor mit DNA-Analysen nach Übereinstimmungen gesucht wird. Dafür steht eine Datenbank bereit mit den genetischen Informationen der Verwandten der Opfer.

Klein wie eine Münze

"Ich erinnere mich an einen Fall vor ein paar Jahren; es war ein kleines Knochenteil auf dem Dach des Deutsche-Bank-Gebäudes", sagt Taylor Dickerson, der als Kriminologe in dem Labor arbeitet. "Es hatte die Größe einer Münze, und wir konnten es jemanden zuordnen, der zu dieser Zeit in den Türmen gearbeitet hatte." In den meisten Fällen jedoch erweisen sich die Stücke nach der DNA-Analyse als weitere Teile bereits identifizierter Überreste. Die Wissenschaftler brauchen vor allem Geduld: Seit 2006 konnten gerade einmal 31 neue Opferreste zugeordnet werden, nur zwei davon in den vergangenen beiden Jahren.

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DNA-Probe: Die Wissenschaftler brauchen vor allem Geduld.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Manchmal wird in Knochenteilen auch Erbinformation gefunden, die keinen Treffer in der Datenbank landet. Vielleicht haben Verwandte keine Proben abgegeben - oder es handelt sich womöglich um die Überreste eines illegalen Einwanderers, der nie registriert worden war. Trotz aller Rückschläge findet Prinz aber ihre Arbeit keineswegs frustrierend: "Es lohnt sich auf jeden Fall", sagt sie. "Weil einige Familien richtig dankbar sind für unsere Arbeit."

Quelle: n-tv.de, Mariano Andrade, AFP

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