Politik

Ukraine-Krieg im Liveticker +++ 15:52 Lambrecht widerspricht Lauterbach: "Wir werden keine Kriegspartei" +++

Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht widerspricht ihrem Kabinetts- und Parteikollegen Karl Lauterbach in Bezug auf Deutschlands Rolle im Ukraine-Krieg. "Es ist ganz klar - sowohl für die deutsche Bundesregierung als auch für die gesamte NATO: Wir werden keine Kriegspartei", sagt die SPD-Politikerin in der ARD-Sendung "Bericht aus Berlin". Bundesgesundheitsminister Lauterbach hatte zuvor auf Twitter geschrieben: "Wir sind im Krieg mit Putin". Der SPD-Politiker bezog sich mit seinem Tweet am Samstag auf Äußerungen des Schriftstellers Richard David Precht. Dieser hatte gefordert, einzelne NATO-Staaten sollten Russland garantieren, dass die Ukraine nicht in das Bündnis aufgenommen werde.

+++ 15:27 Kein Gasaustritt aus Nord-Stream-Lecks mehr +++
Nach dänischen Angaben ist offenbar auch der Gasaustritt aus der beschädigten Pipeline Nord Stream 1 zum Stillstand gekommen. Damit würde kein Erdgas mehr aus den vier Lecks der beiden Leitungen entweichen. Die dänische Energiebehörde beruft sich auf die Nord Stream AG. Ein Ende des Gasaustrittes bei Nord Stream 2 wurde am Samstag bekannt gegeben. Auch die schwedische Küstenwache hatte bereits ähnliche Beobachtungen gemacht. Nach einem Flug über die Austrittsstellen am Samstagnachmittag teilte die Behörde mit, bei den beiden Lecks in der Ausschließlichen Wirtschaftszone Schwedens sei das Gas zu diesem Zeitpunkt noch auf einer Fläche von 100 beziehungsweise bei dem kleineren Leck auf einer Fläche von 15 Metern Durchmesser ausgeströmt. Prognosen gingen daher davon aus, dass der Austritt am heutigen Sonntag aufhört.

+++ 15:10 Lambrecht: Einnahme von Lyman noch kein Wendepunkt +++
Bundesverteidigungsministerin Christine Lambrecht nennt die Einnahme von Lyman einen "riesigen Erfolg" für die Ukraine. Die russische Armee sei dadurch "extrem geschwächt" worden, sagt sie der ARD. Allerdings schränkt sie ein: "Das ist ein toller Erfolg, aber das ist noch kein Wendepunkt." Die Ukraine müsse weiter unterstützt werden. "Wir müssen leider damit rechnen, dass dieser Krieg noch Wochen und Monate dauert."

+++ 14:39 Russland meldet Kämpfe im Süden und hohe Verluste der Ukrainer +++
Ukrainische Truppen haben nach Angaben aus Moskau eine Offensive im Süden des Landes gestartet. Sie sollen dabei viele Verluste erlitten haben. Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums wurde etwa im Gebiet Mykolajiw und der Ortschaft Andrijiwka im Gebiet Cherson gekämpft. Dabei seien mehr als 240 ukrainische Soldaten getötet und 31 Panzer zerstört worden. Auch bei Kämpfen an anderen Orten in dem angegriffenen Land seien viele Ukrainer gestorben, heißt es aus Moskau. Zudem berichtet das russische Verteidigungsministerium von einem Angriff auf ein Büro des ukrainischen Geheimdienstes im Gebiet Dnipropetrowsk. Dabei sollen den Angaben zufolge mehr als 35 Mitarbeiter getötet worden sein, darunter auch Ausländer. Details sind nicht bekannt.

+++ 14:11 Lambrecht sichert Ukraine weitere Haubitzen zu +++
Verteidigungsministerin Christine Lambrecht kündigt für das kommende Jahr die Lieferung von 16 Radhaubitzen aus slowakischer Produktion an die Ukraine an. Die Systeme vom Typ Zuzana würden in der Slowakei produziert und gemeinsam mit Dänemark, Norwegen und Deutschland finanziert, sagt die SPD-Politikerin der ARD-Sendung "Bericht aus Berlin" nach der Rückkehr von ihrer ersten Reise in die Ukraine nach Kriegsbeginn. In der Slowakei seien die entsprechenden Produktionsstätten vorhanden, so die SPD-Politikerin. "Das zeigt, wie wichtig das ist, immer wieder mit seinen Partnern zusammen solche Möglichkeiten auszuloten, aber dann auch umzusetzen", ergänzt die Ministerin. Die Zuzana-Haubitze ist das Vorzeigeprodukt der slowakischen Verteidigungsindustrie und das einzige im Land produzierte schwere Waffensystem. Sie kann nach Herstellerangaben alle Arten von NATO-Munition des Kalibers 155 Millimeter verschießen.

+++ 13:45 Nach Lyman-Fall: Hardt und Hofreiter fordern Panzer für Kiew +++
Nach dem russischen Rückzug aus der ukrainischen Stadt Lyman gibt es aus Union und Grünen neue Forderungen nach Panzerlieferungen an Kiew. Die Ukraine brauche "jetzt Schützen- und Kampfpanzer", sagt CDU-Außenexperte Jürgen Hardt der Nachrichtenagentur AFP. "Deutschland sollte die Rückeroberung von Lyman zum Anlass nehmen, noch mehr zu tun", sagt Hardt. "Die Ukraine will mehr Ausrüstung aus Deutschland und muss sie auch bekommen." Der jüngste Erfolg der ukrainischen Truppen zeige, "wie dieser Krieg auf absehbare Zeit beendet werden kann. Dafür braucht die Ukraine jetzt Schützen- und Kampfpanzer." Der Grünen-Europapolitiker Anton Hofreiter fordert konkret die Lieferung von Kampfpanzern des Typs Leopard 2. Er sagt der "Welt" laut einer Meldung zu den von Deutschland bereits an die Ukraine gelieferten Panzerhaubitzen: "Warum sollten Panzerhaubitzen weniger aggressiv sein als ein Leopard 2?" Deutschland solle "für Europa Verantwortung übernehmen, gemeinsam mit Spanien, die bereit dazu sind, Leopard-Panzer zu liefern".

+++ 13:21 Russisches Gericht erkennt völkerrechtswidrige Annexion an +++
Russlands Verfassungsgericht sieht in der international nicht anerkannten Annexion von vier ukrainischen Gebieten keinen Verstoß gegen russische Gesetze. Die Aufnahme der Gebiete Luhansk, Donezk, Cherson und Saporischschja in die Russische Föderation stehe im Einklang mit der Verfassung, teilt das Gericht in St. Petersburg der Staatsagentur Tass zufolge mit. Russlands Präsident Wladimir Putin hatte am Freitag mehr als sieben Monate nach Kriegsbeginn die ukrainischen Gebiete annektiert. International wird dieser völkerrechtswidrige Schritt nicht anerkannt. Nach der Unterzeichnung prüfte das Verfassungsgericht diese Dokumente. Sie müssen nun noch vom Parlament und dem Föderationsrat - dem Oberhaus - besiegelt werden.

+++ 12:58 Papst Franziskus wendet sich an Putin und Selenskyj +++
Papst Franziskus fordert eine sofortige Waffenruhe in der Ukraine. An die Präsidenten beider Länder gerichtet erklärt er, sie müssten einen Weg aus der Krise finden. Es sei "absurd", dass die Welt wegen der Ukraine mit einer atomaren Bedrohung konfrontiert sei. An den russischen Präsidenten Wladimir Putin gerichtet sagt Franziskus, dieser solle die "Spirale der Gewalt und des Todes" aus "Liebe für sein eigenes Volk" beenden. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj solle wiederum jedem "ernsthaften Friedensvorschlag" offen gegenüberstehen.

+++ 12:36 Selenskyj verkündet vollständige Befreiung von Lyman +++
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj gibt die vollständige Befreiung der Stadt Lyman in der völkerrechtswidrig von Russland annektierten Region Donezk bekannt. Seit 12.30 Uhr (11.30 MESZ) sei die Stadt "vollständig" von russischer Militärpräsenz befreit, sagt er in einem kurzen Telegram-Video. "Dank an unser Militär!" Die strategisch wichtige Stadt Lyman war seit dem Frühjahr von Moskaus Truppen besetzt. Erst am gestrigen Samstag gab das russische Verteidigungsministerium den Rückzug aus der Stadt bekannt.

+++ 12:19 Gouverneur: Ein Toter, drei Verletzte bei Minenexplosion +++
Bei einer Minienexplosion in der Nähe der Stadt Ochtyrka in der Region Sumy ist ein Mensch offenbar ums Leben gekommen. Wie "The Kyiv Independent" mit Verweis auf den Gouverneur der Region, Dmytro Zhyvytskyi, berichtet, sei ein Auto der Telefongesellschaft Ukrtelecom von einer Landmine in die Luft gesprengt worden. Dabei sei eine Person getötet, drei weitere verletzt worden.

+++ 11:56 Mehrere Drohnen über Bundeswehr-Übungsplatz gesichtet +++
Nach einer Drohnen-Sichtung in der Nacht von Freitag auf Samstag am Bundeswehr-Übungsplatz Wildflecken ermitteln die Behörden. "Die Polizei wurde unmittelbar informiert und hat die Ermittlungen aufgenommen. Diese dauern an", zitiert das Magazin "Business Insider" das Bundesverteidigungsministerium. Es solle sich um ein gutes Dutzend Drohnen gehandelt haben. Auf dem Gelände an der Grenze zwischen Bayern und Hessen bildet die Bundeswehr demnach ukrainische Soldaten an gepanzerten Fahrzeugen vom Typ "Dingo" aus, von denen Deutschland 50 Stück an die Ukraine liefern will. Das Magazin schreibt weiter, hinter den Kulissen werde vermutet, dass sich Russland hinter der Aktion verbergen könnte.

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+++ 11:31 Russland schränkt Zugang zu Soundcloud ein +++
Russland schränkt den Zugang zum Musikdienste-Anbieter Soundcloud wegen angeblicher falscher Informationen über den Krieg in der Ukraine ein. Das sei auf Ersuchen der Generalstaatsanwaltschaft erfolgt, teilt die Medienaufsichtsbehörde Roskomnadsor der Nachrichtenagentur Interfax mit. Demnach sollen dort Angaben über Angriffe Russlands auf die Zivilbevölkerung des Nachbarlandes und zivile Opfer durch russische Soldaten veröffentlicht worden sein. Die Behörde habe den Anbieter zuvor zweimal aufgefordert, diese Angaben zur militärischen Spezialoperation - wie der Angriffskrieg gegen die Ukraine in Russland bezeichnet wird - zu löschen. Das sei nicht erfolgt. Unklar ist, wie stark die Einschränkungen bei dem Musikanbieter sind.

+++ 10:58 Kaim erklärt: Das versteht man unter "taktischem Atomschlag" +++
Nach der Befreiung der Stadt Lyman durch Kiews Truppen fordert der tschetschenische Machthaber Kadyrow den Einsatz taktischer Atomwaffen in der Ukraine. Was das bedeuten würde und worin der Unterschied zu einem strategischen Nuklearschlag besteht, erläutert der Politologe Markus Kaim bei ntv.

+++ 10:38 London rechnet mit hohen russischen Verlusten in Lyman +++
Beim Rückzug aus der strategisch wichtigen ostukrainischen Stadt Lyman haben die Russen nach Einschätzung britischer Geheimdienste hohe Verluste erlitten. Die Stadt im östlichen Gebiet Donezk sei zuvor mutmaßlich von unterbesetzten russischen Einheiten sowie Reservisten verteidigt worden, heißt es im täglichen Kurzbericht des britischen Verteidigungsministeriums. Beim Rückzug über die einzige Straße aus der Stadt, die noch unter russischer Kontrolle sei, seien wohl viele Soldaten gefallen. Über die genaue Anzahl der Gefallenen und Gefangenen gibt es jedoch bislang keine konkreten Angaben. Ukrainischen Berichten zufolge sollen in Lyman bis zu 5500 russische Soldaten eingekesselt worden sein.

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+++ 10:11 Lauterbach kontert Precht: "Wir sind im Krieg mit Putin" +++
Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach widerspricht dem Philosophen Richard David Precht, der im Ukrainekrieg Zugeständnisse an Russland vorgeschlagen hatte. "Mal ehrlich: Was sollen denn jetzt Kniefälle vor Putin bringen?", schreibt Lauterbach auf Twitter. "Wir sind im Krieg mit Putin und nicht seine Psychotherapeuten. Es muss weiter konsequent der Sieg in Form der Befreiung der Ukraine verfolgt werden", ergänzt der SPD-Politiker weiter. Es sei egal, ob das Putins Psyche verkrafte. Precht hatte in einem Podcast des Redaktionsnetzwerks Deutschlands (RND) eine Initiative einiger NATO-Staaten vorgeschlagen, den Nicht-Beitritt der Ukraine zu garantieren. "Sollte also auch nur ein einziges europäisches Land Russland eine verbindliche Garantie geben, dass es nicht für die Aufnahme der Ukraine in die NATO stimmt, wäre schon erster Druck aus dem Kessel genommen und möglicherweise der Boden für weiterreichende Gespräche bereitet", so Precht.

+++ 09:46 Ukraine meldet fünf zerstörte iranische Kamikaze-Drohnen +++
Die ukrainischen Luftstreitkräfte haben eigenen Angaben zufolge fünf iranische Kamikaze-Drohnen zerstört. Wie "The Kyiv Independent" berichtet, hätten die Streitkräfte in der Nacht fünf der sieben von russischen Truppen gesteuerten Drohnen in der Region Mykolaiw zum Abstürzen gebracht.

+++ 09:20 Video: Lyman-Befreier werfen Russland-Fahnen von Stadtverwaltung +++
Die Regierung in Kiew veröffentlicht Aufnahmen, die ukrainische Soldaten nach der Befreiung von Lyman zeigen. Darauf ist zu sehen, wie Soldaten russische Flaggen von der dortigen Stadtverwaltung werfen. Derweil fordert der tschetschenische Machthaber Kadyrow eine Antwort mit taktischen Atomwaffen.

+++ 08:54 Lambrecht auf Rückweg aus Ukraine +++
Verteidigungsministerin Christine Lambrecht ist am Morgen von ihrem Besuch in der Ukraine nach Moldau zurückgekehrt. Die SPD-Politikerin überquerte mit einer kleinen Delegation nahe dem moldauischen Dorf Palanca gegen 8.00 Uhr (MESZ) die Grenze auf dem Landweg. Per Flugzeug soll es dann von Moldau aus zurück nach Berlin gehen. Lambrecht hatte am Samstag die ukrainische Hafenstadt Odessa besucht, die immer wieder auch Ziel russischer Raketenangriffe ist. Sie hatte dort ihrem Kollegen Olexij Resnikow zugesagt, dass Deutschland der Ukraine eine erste Einheit des bereits angekündigten hochmodernen Luftabwehrsystem Iris-T SLM innerhalb weniger Tage liefern werde. Wegen Luftalarms musste Lambrecht zweimal Schutz in Bunkern suchen, zuletzt während ihrer Hotelübernachtung in der Nacht zum Sonntag.

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Es war Lambrechts erster Besuch seit Beginn des russischen Angriffskrieges.

(Foto: picture alliance/dpa)

+++ 08:29 Bei Gefangenenaustausch: Putin soll FSB überstimmt haben +++
Bei dem größten Gefangenenaustausch seit Kriegsbeginn soll Kremlchef Wladimir Putin Ende September auch den russischen Inlandsgeheimdienst FSB überstimmt haben. Das berichtet die "Washington Post" mit Verweis auf hochrangige Offizielle der Ukraine und den USA. Demnach habe der FSB heftige öffentliche Kritik gefürchtet: Bei dem Gefangenenaustausch wurden viermal mehr ukrainische Soldaten befreit, zudem waren darunter auch Angehörige des Asow-Regiments und Verteidiger aus dem Asow-Stahlwerk in Mariupol. Insgesamt tauschten die Ukraine und Russland mehr als 270 Gefangene aus.

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+++ 07:58 Institut: Putin priorisiert Süden der Ukraine über Lyman +++
Der russische Rückzug aus der strategisch wichtigen Kleinstadt Lyman im Donezker Regierungsbezirk könnte darauf deuten, dass der Kreml im Angriffskrieg in der Ukraine derzeit die völkerrechtswidrig annektierten Gebiete im Süden priorisiere. Das schreibt das Institute for the Study of War (ISW) in seiner jüngsten Analyse. Demnach verstärke Russland seine Verteidigungspositionen in den Regionen Cherson und Saporischschja. Der US-Denkfabrik zufolge habe "ziemlich sicher" der russische Präsident Wladimir Putin und nicht die militärische Führung diese Entscheidung getroffen. Dies lege nahe, "dass Putin sich deutlich mehr für die strategischen Gebiete in Cherson und Saporischschja als in Luhansk interessiert".

+++ 07:13 USA: Befreiung von Lyman könnte Russen vor Probleme stellen +++
Der US-Verteidigungsminister Lloyd Austin begrüßt die Einnahme der strategisch wichtigen Kleinstadt Lyman für die Ukraine. Er bezeichnet die Befreiung als einen ermutigenden Erfolg auf dem Schlachtfeld, der das russische Militär vor neue Probleme stellen werde. "Absolut, es ist signifikant. Wir sind sehr ermutigt durch das, was wir im Moment sehen", sagt Austin vor Reportern bei einer Pressekonferenz in Hawaii. Laut Austin befindet sich Lyman an gleich mehreren Versorgungslinien der russischen Streitkräfte, die Russland genutzt habe, um Material und Truppen nach Süden und Westen zu verlegen.

+++ 06:32 Migrationsexperte fordert "mehr europäische Solidarität" +++
Der Migrationsexperte Gerald Knaus fordert angesichts von mehr als sieben Millionen Kriegsflüchtlingen aus der Ukraine "mehr europäische Solidarität". Noch immer seien die Schutzsuchenden aus der Ukraine "sehr ungleich in Europa verteilt". "Länder wie Tschechien und Polen tragen die Hauptlast, Staaten wie Frankreich haben einen Bruchteil der Kriegsflüchtlinge aufgenommen", sagt Knaus den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Angesichts des Krieges in der Ukraine warnte Knaus zudem vor einem Ausnahmezustand im Winter. Europa stehe vor einem historischen Fluchtwinter, sollte die Lage in der Ukraine sich weiter zuspitzen und die Versorgung mit Wärme und Strom nicht funktionieren, "weil der russische Angriffskrieg etwa Kraftwerke zerstört oder Massenvernichtungswaffen einsetzt", sagt Knaus. "Darauf wäre die EU jetzt nicht vorbereitet." Der Migrationsforscher fordert daher zum Aufbau eines Netzwerkes aus Staaten, Großstädten und Gemeinden auf. Private Helfer hätten seit Kriegsbeginn im Februar vorgemacht, wie Hilfe "mit Transparenz, Informationspolitik und Solidarität" gut organisiert werden könne. Nur so sei "diese historische Aufnahmeleistung von Flüchtlingen aus der Ukraine über den Winter zu stemmen", sagt Knaus.

+++ 05:38 Bundesregierung ohne Erkenntnisse über Gasmenge für Deutschland +++
Die Bundesregierung hat keine Erkenntnisse, welche Menge des eingespeicherten Gases für die deutschen Unternehmen zur Verfügung steht. Das geht aus einem Schreiben an den stellvertretenden Vorsitzenden der Unionsfraktion, Jens Spahn von der CDU, hervor, das der "Bild am Sonntag" vorliegt. "Das gespeicherte Gas ist in weiten Teilen Eigentum von Gashändlern und -lieferanten, die häufig europaweit agieren", sagt die Bundesnetzagentur in dem Bericht. Spahn fordert laut Artikel die Regierungskoalition auf, sicherzustellen, dass das Gas in den Speichern auch bei den deutschen Verbrauchern ankomme.

+++ 04:58 Bundesnetzagentur: Gaspreisbremse bis 2024 nötig +++
Die geplante Gaspreisbremse muss nach Einschätzung der Bundesnetzagentur für einen Zeitraum von fast zwei Jahren gelten. "Mindestens bis Sommer 2024 werden wir in irgendeiner Art von angespannten Situation sein", sagt Netzagentur-Präsident Klaus Müller in einem Podcast des baden-württembergischen Finanzministers Danyal Bayaz von den Grünen. Der Gaspreisdeckel werde "mit Sicherheit" bis dahin gebraucht. Die Mengen an russischem Gas, die ersetzt werden müssten, seien "riesengroß". Es müssten zunächst die sechs Flüssiggas-Terminals und die Anbindung ins Hinterland gebaut werden, damit viel Gas aus Belgien, Frankreich und Norwegen nach Deutschland strömen könne. "Das braucht einfach Zeit."

+++ 03:02 Generalbundesanwalt könnte zu Pipeline-Lecks ermitteln +++
Auch der deutsche Generalbundesanwalt könnte Strafverfolgung gegen die Verantwortlichen der Anschläge auf die Nord-Stream-Pipelines aufnehmen. "Es ginge dann möglicherweise um eine verfassungsfeindliche Sabotage mit Auswirkungen auf Deutschland. Auch der Straftatbestand des Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion kommt infrage", sagt Justizminister Marco Buschmann von der FDP der "Bild am Sonntag". Es ginge dann vor allem um die Zusammenarbeit mit anderen Staaten, insbesondere der EU, um der Täter habhaft zu werden und sie in Deutschland vor Gericht zu stellen, so Buschmann.

+++ 02:20 Kiesewetter fordert stärkere Abschreckung des Westens +++
Angesichts der russischen Atomwaffen-Drohungen hält der CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter eine verstärkte Abschreckung seitens der westlichen Staaten für nötig. "Sicher müssen wir das ernst nehmen, und es besteht natürlich immer ein solches Risiko", sagt er dem Berliner "Tagesspiegel" mit Blick auf Drohungen des russischen Präsidenten Wladimir Putin, notfalls "alle zur Verfügung stehenden Mittel" zu nutzen. "Verhindern können wir dies aber, indem wir unsere eigene Abschreckung erhöhen und Putin mit Stärke und Geschlossenheit entgegnen."

+++ 01:14 Lambrecht von erneutem Luftalarm geweckt +++
Verteidigungsministerin Christine Lambrecht wird am frühen Sonntagmorgen von einem neuerlichen Luftalarm in der ukrainischen Hafenstadt Odessa geweckt. Mit anderen Mitgliedern ihrer Delegation muss die SPD-Politikerin um kurz vor 1 Uhr Schutz im Bunker ihres Hotels suchen. Nach etwa 20 Minuten wird Entwarnung gegeben und die Ministerin kann auf ihr Zimmer zurückkehren. Lambrecht sagt der Deutschen Presse-Agentur, sie sei im Schlaf von dem Alarm überrascht worden. Aus Sicherheitsgründen habe sie vor der Reise in die Ukraine ihr Mobiltelefon abgegeben, um zu verhindern, dass sie geortet werden könne.

+++ 00:14 IAEA-Chef besucht Moskau und Kiew +++
IAEA-Chef Rafael Grossi will in der nächsten Woche Moskau und Kiew besuchen. Dort wolle er Gespräche über die Einrichtung einer Schutzzone rund um das von russischen Truppen besetzte Atomkraftwerk (AKW) Saporischschja im Südosten der Ukraine führen, teilt die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) mit. Grossi und die Ukraine dringen auf eine Schutzzone um das größte AKW Europas, das immer wieder unter Beschuss gerät.

+++ 23:13 EU berät in Prag über Sicherung kritischer Infrastruktur +++
Nach den Lecks an den beiden Nord-Stream-Pipelines wollen die EU-Staats- und Regierungschefs kommende Woche über die Sicherheit der Infrastruktur beraten. "Die Sabotage an den Nord-Stream-Pipelines ist eine Bedrohung für die EU. Wir sind entschlossen, unsere kritische Infrastruktur zu sichern. Die Staats- und Regierungschefs werden sich damit beim nächsten Treffen in Prag beschäftigen", schreibt EU-Ratspräsident Charles Michel in einem Tweet nach Gesprächen mit der dänischen Ministerpräsidentin Mette Frederiksen. Die informelle Tagung der EU-Staats- und Regierungschefs soll in der tschechischen Hauptstadt am 7. Oktober stattfinden.

+++ 22:45 Lambrecht: Atomdrohungen "nicht bagatellisieren" +++
Für Verteidigungsministerin Christine Lambrecht steht derzeit die Luftverteidigung der Ukraine im Vordergrund. Es seien jetzt Waffen gefragt, die "geeignet sind zur Luftverteidigung", sagt die SPD-Politikerin im Interview mit den ARD-Tagesthemen. Zu Putins Drohungen mit Atomwaffen sagt die Ministerin, diese müsse man ernst nehmen "und ich rate jedem, das nicht zu bagatellisieren". Aber es dürfe auch nicht dazu führen, "dass wir uns lähmen lassen". Über den Antrag der Ukraine auf Aufnahme in die NATO erklärte Lambrecht, man sei sich in Brüssel einig, die NATO werde keine Kriegspartei werden und das werde auch in Zukunft so bleiben.

+++ 22:16 Russland verbietet Einreise von LKW aus EU +++
Die russische Regierung verhängt ein Einfuhrverbot für Lastwagen aus EU-Ländern verhängt. Verboten sei sowohl der Gütertransport im bilateralen Handel als auch der Transit oder die Einfahrt aus Drittländern, heißt es in der Verordnung. Die Bestimmungen betreffen neben der EU auf dem europäischen Kontinent auch Norwegen, Großbritannien und die Ukraine. "Die Verordnung tritt am 10. Oktober in Kraft und gilt bis zum 31. Dezember", heißt es in dem Dokument. Das Verbot ist ausdrücklich auch eine Reaktion der russischen Führung auf ein Einfuhrverbot seitens der europäischen Länder gegenüber LKW-Transporten aus Russland und Belarus.

+++ 21:43 "Angst zu duschen": Junge Niederländer klagen über Kälte +++
Junge Menschen in den Niederlanden geben in einer Umfrage des öffentlich-rechtlichen Senders NOS Einblicke in ihr Leben mit Energiekrise und hoher Inflation. Viele berichten laut Befragung unter 2000 jungen Leuten, dass sie kaum noch warm duschen dürften, dass sie zunähmen, weil gesundes Essen zu teuer geworden sei und dass sie zweifelten, ob sie sich noch ein Studium oder eine eigene Wohnung leisten könnten. "Meine Eltern werden böse, wenn meine Schwester ein heißes Bad nimmt", heißt es in einer Antwort. Die 17-jährige Shanna erzählt, dass ihre Eltern deswegen in ein preiswerteres Haus in einer anderen Stadt gezogen seien. Ihre Freundinnen könne sie jetzt nicht mehr sehen und in ihrem neuen Zimmer sei es bitterkalt. "Manchmal kann ich vor Kälte nicht schlafen." Die Inflation in den Niederlanden stieg im September auf den Rekordwert von 17,1 Prozent.

+++ 21:09 Selenskyj: Kämpfe in Lyman dauern an +++
In der Stadt Lyman halten nach Worten des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj die Kämpfe an. "Die ukrainische Flagge ist bereits in Lyman in der Donezk-Region. Die Kämpfe gehen dort weiter", sagt Selenskyj in seiner täglichen Videobotschaft. Das Verteidigungsministerium in Moskau erklärte, man habe die Truppen aus dem Ort Lyman in Donezk abgezogen, um einer Einkesselung zu entgehen. Derzeit ist unklar, wieviele russische Soldaten beim Abzug aus Lyman gefallen oder in Gefangenschaft geraten ist. Laut dem Gouverneur von Luhansk, Serhij Hajdaj, waren am Morgen in der Stadt noch 5000 russische Soldaten eingeschlossen.

+++ 20:39 BBC: Russischer Konzern Rosatom arbeitet an Übernahme von AKW Saporischschja +++
Russland soll versuchen, das Kernkraftwerk Saporischschja an das russische Energieunternehmen Rosatom zu übertragen. Das sagt der Chef des ukrainischen Atomenergieunternehmens der britischen BBC News, Petro Kotin. Er ergänzt: "Sie versuchen, unser Personal dazu zu bringen, Arbeitsverträge bei Rosatom zu unterzeichnen." Zuvor gab es Berichte, der Generaldirektor des besetzten Kernkraftwerkes sei von einer russischen Patrouille verschleppt worden.

Frühere Entwicklungen rund um den Ukraine-Krieg lesen Sie hier.

Quelle: ntv.de, fzö/ses/mli/rts/AFP/dpa

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