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Greenpeace berechnet Fördermittel 204 Milliarden für Atomstrom

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dpa

Mindestens 204 Milliarden Euro kostete die Bundesbürger die Nutzung der Atomenergie von 1950 bis 2010 Euro an staatlichen Fördermitteln. Das errechnet die Umweltschutzorganisation Greenpeace in einer Studie. Die Energiekonzerne rechnen anders.

Für Atomenergie in Deutschland hat es laut einer Greenpeace-Studie von 1950 bis 2010 eine staatliche Unterstützung von insgesamt 204 Milliarden Euro gegeben. Auch ohne die geplante Laufzeitverlängerung um durchschnittlich 12 Jahre kämen in den nächsten Jahren weitere 100 Milliarden Euro Kosten hinzu, teilte die Umweltschutzorganisation mit. Der Energiekonzern RWE und das Deutsche Atomforum wiesen die Zahlen als unseriös zurück.

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Nicht zuletzt die ungeklärte Entsorgung schlägt sich teuer zu Buche.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Studie war bei dem Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft in Auftrag gegeben worden und ist eine Aktualisierung einer bereits vor einem Jahr präsentierten Analyse. In der ersten Fassung waren staatliche Förderungen von 1950 bis 2008 in Höhe von knapp 165 Milliarden Euro errechnet worden. Die Summen setzen sich dabei aus Finanzhilfen des Bundes für die Atomwirtschaft und Kosten für die maroden Atommülllager Asse 2 und Morsleben zusammen. Außerdem wurden Steuervergünstigungen für die Energiekonzerne hinzugerechnet sowie Kosten für fehlenden Wettbewerb, was aber schwer zu ermitteln ist.

Exakte Berechnungen schwierig

Die Subventionen lägen noch weitaus höher, würden die externen Kosten der Atomkraft miteinbezogen, sagte Energieexperte Andree Böhling. "Diese sind besonders wegen der unvorstellbaren Folgen und Kosten eines nuklearen Unfalls sehr hoch, aber nicht exakt zu berechnen." Es sei daher dreist, sich über Kosten der Erneuerbaren Energien zu beklagen, "wenn gleichzeitig Atomkraft und Kohle hoch subventioniert werden", sagte Böhling. Der Bundestag entscheidet am 28. Oktober über die längeren Atomlaufzeiten.

Der Energiekonzern RWE wies die Zahlen zurück. "Bei den staatlichen Anschubfinanzierungen seit den 60er Jahren wird in der Studie pauschal alles den Kernkraftwerken zugerechnet", sagte ein Sprecher der dpa. Die Anschubhilfen für die Kernenergie seien zudem mittlerweile vollständig über Steuern, Beschäftigung und Wertschöpfung zurückgezahlt worden. Dass die Studie ab 2011 eine Kernenergie-Förderung mit 100 Milliarden Euro unterstelle, zeige in Anbetracht der Atom-Steuer und den Zahlungen in den Fonds zum Ausbau der Ökoenergien die Scheingenauigkeit der Studie, monierte der RWE- Sprecher.

Das Deutsche Atomforum betonte: "Die Kernenergie ist in Deutschland eine sehr günstige Stromerzeugungsform, was auch von keinem namhaften Volks- oder Betriebswirt bestritten wird." Greenpeace verwende irreführende Zahlen, "um die eigenen alten Studien und Pressemitteilungen aufzupeppen".

SPD-Fraktionsvize Ulrich Kelber sagte hingegen, die Förderung der Atomenergie habe immer neue Kosten und ungelöste Müllprobleme zur Folge. "Die Förderung der Erneuerbaren Energien dagegen sorgt dafür, dass diese immer preisgünstiger werden. Das ist der entscheidende Unterschied, den die schwarz-gelbe Koalition nicht versteht."

Quelle: n-tv.de, dpa

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