Politik

"Todeskommando" gegen Afghanen 24 Jahre Haft für US-Soldat

Ein 22-jähriger US-Soldat wird von einem Militärgericht wegen dreifachen Mordes in Afghanistan zu 24 Jahren Haft verurteilt. Er hatte gemeinsam mit Kameraden gezielt unbewaffnete Zivilisten umgebracht.

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Jeremy Morlock muss noch gegen seine kameraden aussagen.

(Foto: AP)

Wegen der gezielten Ermordung von Zivilisten in Afghanistan hat ein US-Militärgericht einen Soldaten zu 24 Jahren Haft verurteilt. Der Angeklagte Jeremy Morlock hatte vor dem Tribunal auf dem Stützpunkt Lewis-McChord im Bundesstaat Washington gestanden, mit vier Kameraden während des Einsatzes in Afghanistan ein "Todeskommando" gebildet und Jagd auf Einheimische gemacht zu haben.

Die Anklage hatte dem Soldaten zur Last gelegt, aus reiner Mordlust getötet zu haben. Auf die Frage von Militärrichter Kwasi Hawks nach den Motiven entgegnete Morlock: "Der Plan war, Menschen zu töten." Im November 2009 habe er sich mit einigen anderen Soldaten verschworen, um Afghanen ins Visier zu nehmen. Im Januar 2010 hätten sie dann den ersten Zivilisten getötet: Als ihnen bei einem Patrouillengang ein Afghane entgegengekommen sei, hätten sie das Feuer aus Maschinengewehren eröffnet, der Mann sei im Kugelhagel gestorben.

Moralischen Kompass verloren

Morlock nahm das Urteil scheinbar emotionslos entgegen. Zuvor hatte er eine Stellungnahme verlesen, in der er sich bei den Familien der Opfer entschuldigte. Er schloss mit den Worten: "Ich habe viel Zeit darauf verwendet nachzudenken, wie ich meinen moralischen Kompass verloren habe."

Morlocks Anwalt hatte erklärt, sein Mandat habe während der Tat unter Drogen gestanden. Dem widersprach der Soldat. Gleichzeitig räumte er aber ein, während seiner Stationierung in Afghanistan drei bis viermal pro Woche Haschisch geraucht zu haben.

Kronzeugenregelung genutzt

Insgesamt räumte Morlock eine Mitschuld am Tod von drei Menschen in Afghanistan ein. Lebenslange Haft blieb ihm erspart, weil er sich der Anklage als Zeuge gegen die vier mitangeklagten Soldaten zur Verfügung gestellt hatte. Nach Angaben seines Anwalts kann er frühestens nach sieben Jahren begnadigt werden. Aus der Armee wird er unehrenhaft entlassen.

In den Ermittlungen waren grausige Details ans Licht gekommen. Die Soldaten behielten Gebeine ihrer Opfer als Trophäen. Morlock selbst führte Ermittler an einen Ort, wo die Gruppe abgetrennte Finger aufbewahrt hatte. Zudem schossen sie Fotos von sich und ihren Opfern. Der "Spiegel" hatte vor wenigen Tagen einige der Fotos veröffentlicht, woraufhin sich die US-Armee öffentlich für das Fehlverhalten ihrer Soldaten entschuldigte: Die Bilder seien "abstoßend" und widersprächen "den Standards und Werten der US-Armee".

Die Soldaten hatten nach Morlocks Darstellung versucht, ihre Taten als Notwehr zu tarnen. Es habe so aussehen sollen, als hätten die Einheimischen sie angegriffen. Der Anklage zufolge soll die Gruppe zudem Drogen konsumiert und einen US-Soldaten verprügelt haben, als dieser sie anzeigen wollte. Die Verfahren gegen die vier weiteren Angeklagten stehen noch aus. Nach Morlocks Darstellung war der ebenfalls angeklagte Feldwebel Calvon Gibbs der Anstifter und Kopf der Gruppe. Dessen Anwälte bestreiten dies.

Quelle: n-tv.de, AFP/rts

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