Politik

Djindjic Opfer der Mafia? 56 Festnahmen in Serbien

Einen Tag nach der Ermordung des serbischen Ministerpräsidenten Zoran Djindjic hat die Polizei 56 Personen festgenommen. Sie seien entweder direkt oder indirekt in den Mordanschlag verwickelt gewesen, teilte die Regierung in Belgrad am Donnerstagabend mit. Unter den Festgenommenen, deren Namen nicht genannt wurden, sind acht der insgesamt 23 Mitglieder des so genannten "Zemun-Clans". Die Polizei vermutet, dass diese Mafia- Verbindung hinter dem Mord steckt.

Drei dieser Banden-Mitglieder haben den Status von "geschützten Zeugen" bekommen; ihre ausführlichen Aussagen bestätigten alle Verdachtspunkte, hieß es weiter. Die Anführer des Clans seien noch immer auf der Flucht. Die Regierung lobte die Unterstützung von namentlich nicht genannten ausländischen Sicherheitsbehörden.

Das serbische Kabinett beschuldigte in einer Erklärung am Mittwochabend den militanten Milosevic-Anhänger Milorad Lukovic und weitere Unterwelt-Bosse, die Ermordung organisiert zu haben. Korac deutete an, Lukovic sei nicht unter den festgenommenen Verdächtigen.

Die Regierung wirft Lukovics nach einem Belgrader Vorort benannten Zemun-Klan vor, mehr als 300 Straftaten begangen zu haben. Darunter ist auch der Anschlag auf den früheren Oppositionsführer Vuk Draskovic im Herbst 1999, bei dem vier Menschen starben. "Ihr Ziel war die Verbreitung von Furcht und Chaos im Land", hieß es in der Erklärung. Djindjic hatte einen verstärkten Kampf gegen organisierte Kriminalität und Korruption angekündigt.

Wenige Stunden nach der Ermordung Djindjics hatte die Regierung den Ausnahmezustand ausgerufen. Laut Verfassung soll die Armee des gemeinsamen Staates Serbien und Montenegro praktisch die Aufgaben des serbischen Innenministeriums und der Polizei übernehmen. Nach dem Attentat seien in Serbien die Staatssicherheit, die Menschenrechte und die bürgerlichen Freiheiten sowie die Tätigkeit der Staatsorgane bedroht, hieß es in dem Regierungsbeschluss. Für die nächsten drei Tage gilt Staatstrauer.

Scharfschützen hatten Djindjic von einem Gebäude gegenüber des Regierungssitzes aus 300 Metern Entfernung ins Herz getroffen, als er aus seinem Wagen stieg. Zwei seiner Leibwächter wurden verletzt. Der Reformpolitiker erlag wenig später im Belgrader Unfallkrankenhaus Schussverletzungen in Magen und Rücken.

Weltweites Entsetzen

Der Deutsche Bundestag gedachte am Donnerstag mit einer Schweigeminute des Politikers. Bundestagspräsident Wolfgang Thierse sagte, Deutschland habe einen "Freund und Mitstreiter für Europa" verloren.

US-Präsident George W. Bush erklärte seine "tiefe Trauer mit dem serbischen Volk". Djindjic werde für seine Rolle bei der Auslieferung von Milosevic ans Haager Kriegsverbrechertribunal 2001 in Erinnerung bleiben.

Erschüttert und zutiefst betroffen äußerte sich auch Bundeskanzler Gerhard Schröder. Bundesaußenminister Joschka Fischer verurteilte das Attentat. Das Verbrechen richte sich nicht nur gegen den Menschen Djindjic, sondern auch gegen Demokratie und Stabilität in der Region, sagte Fischer.

Auch Vertreter der Europäischen Union äußerten sich schockiert über die Tat. "Es macht uns sehr bestürzt", sagte EU-Sprecherin Emma Udwin in Brüssel. Für die EU spielte Djindjic eine zentrale Rolle bei politischen und ökonomischen Reformen in Serbien und für die Annäherung an den Westen. Der griechische Außenminister Georgios Papandreou, dessen Land derzeit die EU-Ratspräsidentschaft innehat, sagte, Europa habe einen Freund verloren, der hart für Demokratie gekämpft habe.

Quelle: n-tv.de