Politik
Montag, 16. Juli 2001

Die stillgelegte Karlsruher Wiederaufarbeitungsanlage: 70 000 Liter Atombrühe

Gearbeitet wird in der Karlsruher Wiederaufarbeitungsanlage (WAK) schon lange nicht mehr: Bereits vor rund zehn Jahren wurde sie stillgelegt, 1996 begann ihre Demontage. Doch zwischen 1971 und Ende 1990 wurden in der WAK mehr als 200 Tonnen abgebrannter Brennelemente aufgearbeitet. Die Folge: Noch heute lagern in Karlsruhe rund 70 000 Liter Atombrühe hinter dicken Mauern aus Beton.

Das "Salz" in dieser Suppe: Rund 16,5 Kilo Plutonium, über 500 Kilo Uran sowie eine große Menge atomarer Spaltprodukte. Die Brühe ist hochradioaktiv und köchelt - weil die Spaltprodukte Hitze abgeben - vor sich hin. Die Behälter aus Edelstahl, in denen die Flüssigkeit aufbewahrt wird, müssen daher ständig gekühlt werden.

Um die atomare Suppe in einem Endlager entsorgen zu können, soll sie an Ort und Stelle "verglast" werden. Dabei wird das flüssige Material bei Temperaturen von mehr als 1 000 Grad in Glas eingeschmolzen. Anschließend wird der Atommüll in Spezial-Behälter aus Edelstahl gefüllt und abgekühlt. Bis diese in das vorgesehene Endlager in Gorleben transportiert werden, werden sie in Karlsruhe zwischengelagert.

Die Anlage zur Verglasung befindet sich derzeit auf dem Gelände der WAK im Bau. Mitte 2004 soll sie in Betrieb gehen. Von der ursprünglich angedachten Entsorgung des Atommülls im belgischen Mol, in dem sich bereits eine von Deutschland mit 110 Mio. DM mitfinanzierte Verglasungsstätte befindet, war die baden-württembergische Landesregierung bald abgekommen. Schließlich hätte dann der radioaktive Müll in 30 Castor-Behältern quer durch Deutschland gekarrt werden müssen.

Schon 2009 sollen die stillgelegte WAK und ihre Hinterlassenschaften komplett verschwunden sein. Bis dahin wollen die Verantwortlichen das gesamte Areal zur "Grünen Wiese" zurückgebaut haben. Dafür sollen die rund 250 Arbeiter sorgen, die sich - nicht immer risikofrei - mit der Demontage beschäftigen. So waren etwa 1999 mehrere Mitarbeiter durch eine defekte Lüftungsanlage verstrahlt worden.

Quelle: n-tv.de