Politik

Kein Thema bei Verlängerung AKW-Mängel seit 2010 bekannt

Schwarz-Gelb wusste schon vor der Laufzeitverlängerung über Sicherheitsrisiken in den ältesten deutschen AKW Bescheid. Das belegen Daten aus dem Bundesumweltministerium. Zudem war kein einziges deutsches Atomkraftwerk nachgerüstet worden, obgleich die Kosten dafür von der FDP gedeckelt wurden und Reparaturen über 500 Mio Euro dem Steuerzahler aufgedrückt worden wären.

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Das AKW Grohnde ist nach Angaben seines Betreibers Eon und der Stadtwerke Bielefeld theoretisch auf ein Erdbeben vorbereitet.

(Foto: dpa)

Schon vor der Laufzeitverlängerung ist die Bundesregierung über Sicherheitsrisiken in den ältesten deutschen Atomkraftwerken informiert gewesen. Das geht aus Unterlagen des Bundesumweltministeriums hervor. Trotzdem verlängerte die Bundesregierung im vergangenen Jahr die Laufzeiten der ältesten AKW um 8, die der nach 1980 ans Netz gegangenen Atomkraftwerke um 14 Jahre.

Experten der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS) kamen in dem Bericht zu dem Ergebnis: "Insbesondere in älteren Anlagen entsprechen einige sicherheitstechnisch wichtige Systeme nicht in allen Punkten dem Stand von Wissenschaft und Technik."

Dies betreffe insbesondere die "Stromversorgung einschließlich der Gleichstromversorgung, Notstromdiesel einschließlich Startluft- und Kraftstoffversorgung, leittechnische Einrichtungen, Führung der Frischdampfleitungen (...) Kühlwasserversorgung". Zudem wird der Schutz vor Flugzeugabstürzen in der Bestandsaufnahme im Auftrag des Umweltministeriums als unzureichend gesehen.

Andere Experten empfahlen der Regierung, zunächst alle Anlagen zu untersuchen, bevor die Laufzeiten verlängert werden. Nach der Atomkatastrophe von Fukushima werden nun alle 17 AKW einem Sicherheits-Check unterzogen, die 7 ältesten Meiler sowie die Anlage Krümmel sollen bis Juni erst einmal abgeschaltet bleiben.

Kein einziges AKW nachgerüstet

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Nach der Katastrophe von Fukushima erhalten Anti-Atom-Proteste neuen Zulauf.

(Foto: dpa)

Dass bislang in keinem einzigen deutschen AKW sicherheitsrelevante Nachrüstungen erfolgten, bestätigte auch Gerd Rosenkranz von der Deutschen Umwelthilfe (DUH) in einem Gespräch mit n-tv.de. "Im Gegenteil, die finanzielle Obergrenze pro AKW für anstehende Modernisierungen waren im Laufe der Regierungsverhandlungen sogar noch heruntergesetzt worden." Im Vorfeld des Beschlusses über die Laufzeitverlängerung habe sich Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) für maximale Nachrüstkosten für 1,2 Milliarden Euro für ein Atomkraftwerk der älteren Baureihe festgelegt. Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) habe dies nicht akzeptiert. Am Ende seien es dann 500 Millionen gewesen, den Rest hätten die Steuerzahler aufbringen müssen, so Rosenkranz. Aber auch davon sei bis zum heutigen Tage kein Gebrauch gemacht worden. "In der Praxis hatte die Regierung die Laufzeitverlängerung nicht von irgendwelchen Nachbesserungen abhängig gemacht." Als Beispiel dafür nannte Rosenkranz das AKW Neckarwestheim 1.

Späte Erkenntnis

Die atompolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Sylvia Kotting-Uhl, sagte mit Blick auf die jetzt entdeckten Gutachten und das aktuelle Handeln der Regierung: "Die Entdeckung der Bundesregierung, dass die deutschen Atomkraftwerke Sicherheitsmängel haben, kommt spät. Entweder sie liest ihre eigenen Unterlagen nicht oder sie lügt."

Quelle: ntv.de, ppo/dpa

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