Politik

Pfui-Buh-Rufe beim Parteitag AfD in Sachsen-Anhalt trägt Machtkampf aus

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André Poggenburg (hier bei der Landtagswahl am 13. März) steht für einen stramm rechten Kurs der AfD.

(Foto: dpa)

In Sachsen-Anhalts AfD tritt der Flügelkampf immer deutlicher zutage. Auf einem Parteitag greift Landeschef Poggenburg Gegner in der eigenen Partei scharf an. Die kommen kaum zu Wort. Auch in Niedersachsens AfD herrscht gereizte Stimmung.

Sachsen-Anhalts AfD-Chef André Poggenburg hat seine parteiinternen Kritiker heftig attackiert und zu mehr Geschlossenheit aufgerufen. Kein Mitglied habe das Recht, pausenlos gegen gewählte Amts- und Mandatsträger zu arbeiten, sagte er auf einem Landesparteitag in Ballenstedt. "Wir werden unser Potenzial nicht abrufen können, wenn die AfD Sachsen-Anhalt weiter als völlig zerstrittener Haufen wahrgenommen wird", sagte er.

Bei der Landtagswahl vor einem Jahr hatte die AfD aus dem Stand rund 24 Prozent der Stimmen gewonnen. Sie ist seither als zweitgrößte Fraktion mit 25 Abgeordneten im Magdeburger Landtag vertreten. Poggenburg steht für einen stramm rechten Kurs der AfD. Auf dem Parteitag präsentierten Anhänger Poggenburgs Chatprotokolle einer Gruppe von Kritikern. Dort soll unter anderem von "Putsch", "Zermürbungskrieg" und einem "Bürgerkrieg" in der AfD die Rede gewesen sein.

Im Saal kam es zu lautstarken Pfui- und Buh-Rufen. Die Kritisierten, unter ihnen Poggenburgs Gegenspieler Daniel Roi, kamen kaum zu Wort. Roi sagte, die Aussagen seien aus dem Zusammenhang gerissen. Es sei darum gegangen, berechtigte Kritik an der Arbeit des Landesvorstands zu kanalisieren. Hintergrund sind teils offen ausgetragene Machtkämpfe in den vergangenen Monaten.

Höhepunkt war eine Diskussion über den Ausschluss Rois aus der Fraktion im Magdeburger Landtag. Der Ausschluss wurde letztendlich abgelehnt, das Verhältnis zwischen Poggenburg und Roi gilt aber nach wie vor als schwierig. Zuvor hatten die Delegierten Poggenburg zum "Spitzenwahlkämpfer" gekürt. In dieser neu geschaffenen Position soll der Parteichef den Landesverband "maßgeblich mit anführen und die AfD nach außen vertreten", heißt es in dem mit großer Mehrheit von den Delegierten angenommenen Antrag.

Streit in Niedersachsen

Auch in Niedersachsen wird heftig diskutiert. Unter Ausschluss der Medien trugen rund 360 Mitglieder der niedersächsischen AfD in Hannover innerparteiliche Streitigkeiten aus. Nach Einschätzung von Teilnehmern dürfte die erwartete Kampfabstimmung um den Landesvorsitz daher erst an diesem Sonntag anstehen.

Die Göttinger Kreisvorsitzende Dana Guth tritt gegen den bisherigen Landesvorsitzenden Paul Hampel an. Kritiker werfen ihm einen autoritären Führungsstil vor. Erwartet wird ein knappes Ergebnis. "Das wird hier kein Durchmarsch für Hampel", sagte das Stader AfD-Mitglied Lars Seemann. Ein anderer Teilnehmer sprach von einer gereizten Stimmung im Saal, die von verletzten Eitelkeiten geprägt sei.

In beiden Lagern gebe es aber den Wunsch nach Einigkeit. "Der Einigungswille ist da, denn alle haben Angst, dass hier ein Ballon platzt und die Situation unkontrollierbar wird", sagte der Harbuger AfD-Kreisvorsitzende Jens Krause vor Journalisten. Der Gesprächsbedarf der versammelten Parteimitglieder sei enorm. "Wir haben mit überdeutlicher Mehrheit festgestellt, dass eine Aussprache stattfinden soll."

Quelle: ntv.de, dsi/dpa

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