Politik

Täglich neue Todesopfer auf dem Sinai Ägypten sucht vergeblich nach Normalität

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Die Anhänger des gestürzten Präsidenten Mursi gehen täglich auf die Straße.

(Foto: picture alliance / dpa)

Seit dem Sturz von Präsident Mursi kommt Ägypten nicht zur Ruhe. Täglich gehen tausende seiner Anhänger auf die Straße. Vor allem auf dem Sinai ist die Stimmung angespannt, tödliche Angriffe sind hier mittlerweile an der Tagesordnung. Die Übergangsregierung versucht derweil, eine Grundlage für die Neuwahlen zu schaffen.

Tausende Anhänger des gestürzten ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi sind am Sonntag wieder durch Kairo marschiert. Sie protestierten gegen die Tötung dreier Pro-Mursi-Demonstrantinnen in der Nildelta-Stadt Al-Mansura zwei Nächte zuvor. Die Frauen waren von einem feindseligen Mob mit Messern und Schusswaffen angegriffen worden. Die Mursi-Anhänger, unter ihnen viele Frauen, zogen vor allem durch das Regierungs- und Botschaftsviertel der Hauptstadt. Neben der Freilassung und Wiedereinsetzung Mursis verlangten sie die Bestrafung der für den Tod der Frauen Verantwortlichen.

Darüber hinaus sollen Massendemonstrationen im ganzen Land der Forderung nach Mursis Rückkehr an die Macht Nachdruck verleihen. Abgesehen von Al-Mansura verliefen die Kundgebungen am Wochenende friedlich.

Komitee soll Verfassung überarbeiten

Ägyptens Übergangsministerpräsident Hasel al-Beblawi rief die zerstrittenen Lager des Landes zur Versöhnung auf. "Ägypten ist wichtiger für die Welt als wir denken und hat Besseres von uns verdient", sagte Beblawi in einem Interview im staatlichen Fernsehen. Nach den wochenlangen Massenprotesten müssten die Straßen wieder sicher werden. Die dem gestürzten Präsidenten nahestehende Muslimbruderschaft schlug das Gesprächsangebot von Beblawi allerdings umgehend aus. "Es kann keinen Dialog geben, solange die Gewehrläufe auf die Gegner des Putsch gerichtet sind", sagte der Sprecher der Muslimbruderschaft, Gehad al-Haddad.

Übergangspräsident Adli Mansur beauftragte am Samstag ein Komitee aus Rechtsexperten, von Sonntag an die Verfassung des Landes zu überarbeiten. Die zehn Personen haben einen Monat Zeit, um einem größeren Publikum Vorschläge zu unterbreiten. Dieses wiederum erhält weitere 60 Tage, um einen finalen Entwurf zu erarbeiten, über den dann in einem Referendum abgestimmt wird. Die derzeit außer Kraft gesetzte Verfassung hatte im vergangenen Jahr eine von Islamisten dominierte Versammlung entworfen und für viel Protest gesorgt. Eine überarbeitete Version muss vorliegen, bevor in Ägypten neu gewählt werden kann.

Lage auf dem Sinai verschärft sich

Im Norden der Sinai-Halbinsel töteten Bewaffnete bei drei Überfällen zwei ägyptische Soldaten und einen Polizisten. Die Angriffe ereigneten sich alle bereits am Samstag, wie am Sonntag aus Sicherheitskreisen und von Rettungskräften zu erfahren war. Demnach wurde ein Soldat in der Stadt al-Arisch vor dem Rundfunkgebäude erschossen. Der zweite Soldat war im Wachdienst, als er getötet wurde. Der Polizist wurde bei einem Angriff auf eine Polizeiwache getötet.

Die Lage auf dem Sinai ist seit dem Sturz Mursis am 3. Juli angespannt. Fast täglich verüben bewaffnete Islamisten Überfälle im Norden der Halbinsel und töteten dabei Soldaten, Polizisten und Zivilisten. Um der Lage Herr zu werden, schickte die neue Führung in Kairo in den vergangenen Tagen zwei weitere Bataillone der Streitkräfte in die Region.

Bei einem Verkehrsunfall im Nildelta kamen am Sonntagmorgen zudem 15 Soldaten ums Leben. 40 weitere wurden verletzt. Ihr Bus sei auf der Autobahn in der Provinz Beheira mit einem Lastwagen zusammengestoßen, sagte ein Vertreter der Sicherheitsbehörden. Die Ursache des Unglücks war zunächst nicht bekannt.

Quelle: n-tv.de, mpi/dpa/rts/AFP

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