Politik

Appelle an die Entführer Al Sadr setzt sich für Osthoff ein

Der radikale Schiiten-Prediger Muktada al-Sadr hat die Entführer der deutschen Archäologin Susanne Osthoff aufgerufen, ihre Geisel sofort freizulassen. Die Entführung widerspreche "den Prinzipien des Islams, der zu Keuschheit, Frieden und Toleranz aufruft", sagte er am Freitag in der schiitischen Pilgerstadt Nadschaf. Auch am siebten Tag seit Entführung der 43-Jährigen und ihres irakischen Fahrers gab es kein Lebenszeichen von den beiden. Der Bundesregierung gelang es auch am Freitag nicht, Kontakt zu den Kidnappern aufzunehmen. Die Angehörigen Osthoffs mahnten die Entführer zur raschen Freilassung der Geiseln.

In einer Erklärung aus dem Büro Al-Sadrs hieß es: "Ich rufe die Entführer dazu auf, sie freizulassen, und damit die Ehrenhaftigkeit des irakischen Volkes unter Beweis zu stellen." Die Deutsche sei eine "Freundin des irakischen Volkes" und "von Anfang an gegen den Krieg gegen den Irak" gewesen. Al-Sadr hat vor allem Einfluss unter ärmeren irakischen Schiiten. Bereits am Donnerstag hatte sich nach Medienberichten der sunnitische Rat der Religionsgelehrten, der schon zur Freilassung anderer ausländischer Geiseln beigetragen hat, für Osthoff stark gemacht.

Krisenstab: Keine neuen Entwicklungen

Das Auswärtige Amt erklärte am Freitag nach der Sitzung des Krisenstabs, es gebe keine neuen Entwicklungen zu berichten. Man sehe das Schicksal der Entführten weiter mit großer Sorge, sagte Außenamtssprecher Martin Jäger. Die Anstrengungen für eine Lösung des Entführungsfalls würden intensiv und umfassend fortgesetzt, versicherte Jäger.

Suche in Deutschland nach untergetauchtem Iraker

Die deutschen Behörden fahnden unterdessen nach einem untergetauchten irakischen Polizisten, der an einem Fortbildungskurs in Brandenburg teilnahm. Es gebe aber keine Anhaltspunkte, dass das Verschwinden einen terroristischen Hintergrund habe. Ob es eine Verbindung mit der Entführung von Susanne Osthoff gibt, blieb am Freitag offen.

Ein Sprecher des Innenministeriums bestätigte aber, der Iraker, Jahrgang 1973, habe im Rahmen eines EU-Programms eine Fortbildung besucht und werde seit 28. November vermisst. Er sei nicht zum Kurs zurückgekehrt, was ein "schweres Fehlverhalten" sei. Nach Angaben des "Tagesspiegels" wird aber nicht ausgeschlossen, dass der kurz nach der Entführung Osthoffs verschwundene Mann ein Sympathisant der irakischen Terrorszene sei.

Videobotschaft: Seien Sie barmherzig

Mutter und Schwester von Susanne Osthoff wandten sich mit einer Videobotschaft an die Entführer. Das Band wurde im arabischen TV-Sender Al Dschasira ausgestrahlt. Anja Osthoff, die Schwester, bittet darin um das Leben der gekidnappten Archäologin und erklärt, die Entführte sei bekennende Muslimin und treusorgende Mutter einer Tochter: "Meine Schwester hat lange in Eurem Land gelebt und sich im Irak engagiert. Susanne hat kranken Menschen Medikamente gebracht. Sie liebt die große irakische Kultur. Sie setzt sich dafür ein, dass die Schätze des Irak dem irakischen Volk erhalten bleiben. Wir appellieren an Sie, das Leben meiner unschuldigen Schwester und ihres Begleiters zu verschonen."

Ingrid Hala, die Mutter von Susanne Osthoff, sagte: "Wir bitten Sie inständig: Seien Sie barmherzig und gnädig mit meiner Tochter und lassen Sie sie und ihren Begleiter so schnell wie möglich wieder frei."

Struck: Es war nur eine Frage der Zeit

Der frühere Verteidigungsminister und jetzige SPD-Fraktionschef Peter Struck (SPD) wies darauf hin, dass Deutschland schon lange im Visier des internationalen Terrors gewesen sei. "Es war nur eine Frage der Zeit, wann es uns erwischen würde", sagte er dem Sender n-tv. Trotz der ablehnenden Haltung der Bundesregierung zum Irak-Krieg sei die Bundesrepublik keine Insel der Glückseligen.

Muslime fordern Freilassung

Der Zentralrat der Muslime in Deutschland will sich mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln für die Freilassung von Susanne Osthoff und ihrem irakischen Fahrer einsetzen. "Wir werden in Zusammenarbeit mit anderen islamischen Vereinen, nichtstaatlichen Organisationen und Kirchen überlegen, ob wir gemeinsam eine Demonstration organisieren sollten", sagte der Zentralratsvorsitzende Nadeem Elyas der "Berliner Zeitung". Seine Organisation habe der Regierung Hilfe angeboten.

Zugleich appelliere der Zentralrat an die islamische Welt, "Einfluss auszuüben auf die Entführer, damit sie ihre Geiseln freilassen. Islamische Regierungen und Institutionen in der Region haben mehr Möglichkeiten und Kontakte zur Einflussnahme als wir in Deutschland."

Quelle: n-tv.de

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