Politik

Aufstände gegen starke Teuerung Algerien kommt nicht zur Ruhe

Um bis zu 30 Prozent sind die Lebenserhaltungskosten in Algerien zuletzt gestiegen. Seit Tagen tragen besonders die perspektivlosen jungen Algerier ihre Unzufriedenheit auf die Straße. Es kommt zu Plünderungen und heftigen Auseinandersetzungen mit der Polizei. Auch in Tunesien bricht sich der Unmut Bahn.

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Auch nachts reißen die Straßenschlachten in Algier nicht ab.

(Foto: AP)

In Algerien haben sich gewaltsame Proteste gegen hohe Lebenshaltungskosten ausgeweitet. In mehreren Vierteln der Hauptstadt Algier kam es zu Ausschreitungen, wie Augenzeugen und Journalisten berichteten. Rund 40 mit Säbeln bewaffnete Jugendliche stürmten laut Berichten von Journalisten das wohlhabende Viertel El Biar und beschädigten Geschäfte. Sie plünderten ein Restaurant und raubten ein Schmuckgeschäft aus, wie Anwohner berichteten. Sicherheitskräfte umzingelten die Plünderer schließlich.

Im Arbeiterviertel Bab el Oued kam es den zweiten Abend in Folge zu massiven Protesten. Jugendliche positionierten sich an mehreren Stellen des Viertels und sahen sich schwer bewaffnete Polizisten gegenüber, die mit Schlagstöcken und Automatikwaffen ausgerüstet waren. Die Polizei setzte einem Augenzeugen zufolge Wasserwerfer und Tränengas ein, um die Demonstranten zu vertreiben. In einem anderen Stadtteil bewarfen Demonstranten Polizisten mit Steinen. Auch in anderen Regionen des Landes gab es Proteste. In der Kabylei etwa blockierten Demonstranten Straßen mit Bäumen oder brennenden Reifen, ebenso in der Stadt Constantine.

Regierung will Internet sperren

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Jugendliche bewerfen in Algier einen Polizisten mit Steinen.

(Foto: AP)

Die Stimmung in dem formell demokratisch regierten Land, das sich aber de facto in den Händen einflussreicher Militärs befindet, ist gespannt. Nach Informationen der Website algerie-focus.com erwägt die Regierung, den Zugang zum Internet sperren zu lassen. Sie habe zudem die Telefonanbieter aufgefordert, Telefonate und den Versand von SMS einzuschränken, um Aufrufe zum Protest zu verhindern.

Nach Angaben der algerischen Gewerkschaft der Händler und Handwerker stiegen die Lebenshaltungskosten in dem nordafrikanischen Land zuletzt um 20 bis 30 Prozent. Vor allem die Preise für Zucker und Öl seien Anfang Januar stark angestiegen. Dem Internationalen Währungsfonds (IWF) zufolge sind 75 Prozent der Algerier jünger als 30 Jahre, mehr als 20 Prozent der jungen Menschen sind arbeitslos.

Unruhen in Tunesien

Auch in Tunesien bricht sich der Unmut über soziale Not Bahn. Vor allem nach der Selbstverbrennung eines verzweifelten Hochschulabsolventen haben sich die Unruhen ausgeweitet. Nach den Rechtsanwälten haben nun auch die Lehrer zu Solidaritäts-Streiks aufgerufen.

Zugleich mehrt sich die Kritik an der Zensur der Regierung. Die Organisation Reorter ohne Grenzen protestiert gegen die Festnahme von mindestens vier Bloggern. Die Zeitung "Le Monde" kritisiert, dass die tunesischen Behörden die Einreise ihrer Korrespondentin verhinderten.

Auslöser der jüngsten Proteste war die Verzweiflungstat eines Hochschulabsolventen, der sich als Obst- und Gemüsehändler durchschlug. Die Behörden hatten ihm mehrfach die Waren konfisziert, weil er keine Lizenz hatte. Mitte Dezember übergoss er sich auf dem Marktplatz mit Benzin und zündete sich an. Vor einigen Tagen erlag er seinen Verletzungen. Seitdem kommt es immer wieder zu Streiks und Demonstrationen, bei denen bislang zwei Menschen getötet wurden.

Quelle: n-tv.de, AFP

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