Politik

US-Militär vor Falludscha-Sturm Annan warnt Bush und Blair

Die US-Armee plant nach eigenen Angaben erneut eine Offensive in der irakischen Rebellenhochburg Falludscha. Das US-Militär forderte Frauen und Kinder mit Flugzetteln und Lautsprecherdurchsagen auf, die Stadt zu verlassen. Gleichzeitig drohten die Soldaten, jeden Mann festzunehmen, der jünger als 45 Jahre sei und versuche, in die Stadt einzudringen oder sie zu verlassen.

"Wir sind mit den letzten Vorbereitungen beschäftigt. Es geht bald los. Wir warten nur noch auf den Befehl von Ministerpräsident Ijad Allawi", sagte Oberst Michael Shupp.

Allawi hielt sich zu dem Zeitpunkt in Brüssel auf. Auf einer Pressekonferenz beim EU-Gipfel sagte er: "Das Fenster für eine friedliche Einigung schließt sich." Die Bevölkerung von Falluscha solle nun von "Terroristen" befreit werden. Mitglieder seiner Regierung warnten, bei einer Offensive könnten weitere Zivilisten getötet werden und die Übergangsregierung einen politischen Rückschlag erleiden.

Annan warnt Bush und Blair

UN-Generalsekretär Kofi Annan hat inzwischen die USA und Großbritannien vor weiteren Angriffen auf Falludscha gewarnt. Die Erstürmung der Stadt könne den Zorn der Iraker weiter anfachen und die für Januar geplanten Wahlen unmöglich machen, schrieb Annan nach Angaben von Diplomaten in Briefen an die Regierungen in Washington und London sowie in Bagdad.

Annan mahnte in den Schreiben an US-Präsident George W. Bush sowie an den britischen Premierminister Tony Blair und den irakischen Regierungschef Ijad Allawi, dass fortgesetzte militärische Gewalt durch US-Truppen bei der irakischen Bevölkerung die Überzeugung verstärke, ihr Land werde nach wie vor von einer militärischen Besatzungsmacht beherrscht

Alle Straßen gesperrt

Anwohnern zufolge ist Falludscha komplett abgeriegelt. US-Truppen hätten alle Straßen in und aus der Stadt gesperrt. Auf Arabisch hätten sie dazu aufgerufen, bei der Jagd nach Aufständischen zu helfen.

Die meisten der rund 300.000 Einwohner Falludschas sind bereits geflohen. Im Osten und Südosten feuerten Aufständische Zeugen zufolge Granaten auf US-Soldaten ab. Teile der Stadt seien auch am Tag aus der Luft beschossen worden. Krankenhausangestellte sagten, sie müssten erst auf ein Nachlassen der Gefechte warten, bevor Krankenwagen auf den Straßen nach Opfern suchen könnten. Augenzeugen sprachen von den heftigsten Angriffen seit Monaten.

In der Nacht zum Freitag hatte die US-Luftwaffe eigenen Angaben zufolge fünf Angriffswellen geflogen. Krankenhausangestellte berichteten, es seien mindestens drei Menschen getötet und vier verletzt worden. Das US-Militär erklärte, es habe einen Kommando-Posten, ein geheimes Waffenlager sowie Rebellenstützpunkte beschossen.

Irakischer Außenminister warnt

Der stellvertretende irakische Außenminister, Hamid el Bajati, warnte vor negativen Folgen solcher Militäreinsätze: "Es ist ein Fehler, Gewalt zu benutzen, die eine Vielzahl von Zivilisten tötet. Die Logik der Besatzung muss enden", sagte er. Die Offensive auf Falludscha und der Tod weiterer Zivilisten könnten dazu führen, dass die sunnitischen Iraker die geplanten Wahlen boykottierten und deren Legitimität in Frage stellten, so der Politiker, der selbst Schiit ist.

Falludscha gilt als Hochburg sunnitischer Rebellen im Irak. Dem US-Militär zufolge soll sich auch der mutmaßliche El-Kaida-Verbündete Abu Mussab el Sarkawi in der Stadt aufhalten. Die Regierung und das US-Militär hatten wiederholt angekündigt, die Rebellengebiete im Irak noch vor den für Ende Januar geplanten Wahlen zurück erobern zu wollen. Der Vizepräsident des Landes, Ibrahim el Dschaafari sagte, die Wahlkommission habe als Wahltermin den 27. Januar festgesetzt.

Sprengstoff und Waffen beschlagnahmt

In Ramadi stellten irakische Sicherheitskräfte nach Angaben des US-Militärs in einer Moschee zwei Tonnen Sprengstoff, diverse Mörsergranaten und eine große Menge Munition sicher. Bei der Erstürmung der Moschee seien 50 Iraker festgenommen worden.

In der nördlich von Bagdad gelegenen Ortschaft El Makdadija starben in der Nacht zum Freitag nach Angaben von Ärzten des Allgemeinen Krankenhauses von Bakuba zwei Kinder im Alter von drei und zehn Jahren, als Aufständische das Gebäude der Polizeidirektion mit Mörsern beschossen. Drei weitere Kinder der gleichen Familie wurden durch eine Granate, die ihr direkt neben dem Gebäude gelegenes Haus traf, verletzt.

Ein Anfang der Woche von Aufständischen in Bagdad verschleppter Nepalese wurde nach Informationen der Regierung in Kathmandu freigelassen. Außenamts-Staatssekretär Prakash Saran Mahat sagte, er habe eine entsprechende Mitteilung vom saudiarabischen Arbeitgeber des entführten Mannes erhalten.

Quelle: ntv.de