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Rückstände im Tränkwasser Antibiotikamast gängige Praxis

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Oft werden ganze Bestände prophylaktisch behandelt.

(Foto: picture alliance / dpa)

Antibiotika sind hochwirksame Medikamente. Doch viele Hühner und Puten bekommen sie auch, obwohl sie gar nicht krank sind. Sie bekommen sogar welche, die gar nicht zugelassen sind. Das zeigt eine Studie der Landesregierung von NRW.

Eine neue Studie hat den massenhaften Einsatz von Antibiotika bei Geflügelmästern in Nordrhein-Westfalen bestätigt. Die Tiere kommen offenbar auch außerhalb von Therapiezeiten und teilweise sogar ohne tierärztliche Verordnung in Kontakt mit Antibiotika, wie Nordrhein-Westfalens Verbraucherschutzminister Johannes Remmel (Grüne) mitteilte. Die antibiotikafreie Geflügelmast müsse nach der neuen Studie nur noch als Ausnahme gesehen werden. "Der Einsatz von Antibiotika hat ein Ausmaß erreicht, das völlig indiskutabel ist", kritisierte Remmel.

Das Landesumweltamt hat stichprobenartig 42 Ställe auf Antibiotika-Rückstände im Tränkwasser untersucht. In 26 überprüften Ställen seien entsprechende Substanzen im Tränkwasser gefunden worden. Die Zeitspanne vom letzten dokumentierten Behandlungsdatum bis zum Tag der Probenentnahme variierte dabei zwischen einem Tag und 1085 Tagen. Auch seien in einigen Fällen nicht speziell zugelassene Antibiotika zum Einsatz gekommen. Das Landesumweltamt prüft derzeit weitere rechtliche Schritte in einzelnen Fällen.

Bereits in einer vorangegangenen Studie wurde Ende 2011 festgestellt, dass der Antibiotika-Einsatz in der Geflügelmast in NRW gängige Praxis ist. Neun von zehn Masthühnern kamen laut der Untersuchung während ihrer Mastzeit in Kontakt mit Antibiotika.

Regierung muss handeln

Remmel bekräftigte seine Forderung, die Antibiotika-Ströme in der Tierhaltung "endlich vollständig transparent" zu machen. Nötig sei ein konkreter Fahrplan, wie Antibiotika grundsätzlich aus den Ställen verbannt werden kann. "Die Bundesregierung steht hier in der Pflicht", erklärte Remmel. Er forderte Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) auf, "endlich die rechtlichen Weichen durch eine Gesetzesänderung zu stellen, damit wir dem Ziel der Minimierung des Antibiotika-Einsatzes in der Intensiv-Tierhaltung näher kommen".

Auch der agrarpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Friedrich Ostendorff, drängt auf Änderungen im Arzneimittelgesetz. Es müsse sichergestellt werden, dass im Regelfall und nur bei Krankheit und nur das einzelne Tier mit Antibiotika versorgt werde - und nicht der gesamte Bestand.

"Die Geflügelindustrie hat den Einsatz von Antibiotika überhaupt nicht im Griff und gefährdet damit die Gesundheit der Bevölkerung", erklärte Hubert Weiger, Chef des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Um die Verbraucher wirkungsvoll vor Antibiotikaresistenzen zu schützen, müsse Aigner sofort strengere Tierschutz- und Arzneimittelgesetze vorlegen.

Der Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung begünstigt nach Ansicht von Experten die Entwicklung resistenter Erreger. Immer mehr Menschen sprechen daher auf eine Behandlung mit Antibiotika nicht mehr an und können daher bei schweren Krankheiten nicht mehr damit behandelt werden.

Quelle: n-tv.de, AFP

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