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Wurde Palästinenserführer vergiftet? Arafat soll exhumiert werden

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Arafat-Graffiti in Gaza Stadt.

(Foto: REUTERS)

Nach einem Aufsehen erregenden Bericht über eine mögliche Vergiftung des ehemaligen Palästinenserführers Arafat stimmt dessen Nachfolger Abbas einer Exhumierung zu. So solle geklärt werden, ob Arafat tatsächlich durch Plutonium-210 vergiftet wurde.

Die Palästinenser-Regierung hat einer Exhumierung Jassir Arafats zugestimmt, um die Todesursache des früheren Präsidenten zu klären. Ein Sprecher des Arafat-Nachfolgers Mahmud Abbas erklärte, die Palästinenser-Behörde wolle den Weg für eine Untersuchung freimachen, es gebe keine religiösen oder politischen Hindernisse. Abbas stellte jedoch die Bedingung, dass auch die Witwe und der Neffe Arafats zustimmten, sagte Taufik Tirawi, Chef der palästinensischen Untersuchungskommission zum Tod Arafats.

Zuvor waren erneut Vorwürfe laut geworden, Polonium auf Arafat-Nachlass . Einem Schweizer Institut für Strahlenphysik zufolge wiesen seine Kleidungsstücke überraschend hohe Mengen des radioaktiven Stoffes Polonium-210 auf. Allerdings erklärte das Institut, die in Arafats Krankenakte festgehaltenen Symptome stimmten nicht mit denen einer Vergiftung durch Polonium-210 überein. Dies sei "verwirrend". Eine abschließende Beurteilung der Todesursache sei nur durch eine Untersuchung der sterblichen Überreste Arafats möglich.

Witwe beschuldigt Israel und USA

Arafats Witwe Suha hatte die Gegenstände den Schweizer Wissenschaftlern zur Verfügung gestellt und erklärt, die Welt müsse die "Wahrheit über die Ermordung" ihres Mannes erfahren. Sie stimmte einer Exhumierung zu. Da es darum gehe, ein Verbrechen aufzuklären, sei die Störung der Totenruhe, die im Islam normalerweise verboten ist, wahrscheinlich gerechtfertigt, fügte sie hinzu. Sie hoffe auf eine entsprechende "Fatwa" (islamisches Rechtsgutachten).

Suha Arafat bezeichnete Berichte als falsch, wonach sie eine Autopsie nach dem Tod ihres Mannes abgelehnt habe. Die Ärzte hätten dies damals nicht vorgeschlagen. Im Gespräch mit dem TV-Sender Al Dschasira erhob Suha keine direkten Anschuldigungen, deutete aber an, dass Israel und die USA ihren Mann als Hindernis für einen Frieden im Nahen Osten betrachtet hätten. Israel hat eine Verwicklung in die Todesumstände stets zurückgewiesen. Der Bericht über eine Vergiftung entbehre jeglicher Grundlage, sagte auch jetzt ein israelischer Regierungssprecher.

Auch der palästinensische Chefunterhändler Saeb Erekat forderte eine internationale Untersuchung der Todesumstände des ersten Palästinenserpräsidenten. Erekat sagte dem palästinensischen Rundfunk, ein internationales Gremium müsse nun klären, wer für Arafats Tod verantwortlich sei. "Kein Palästinenser wird ruhen, bis er die Wahrheit weiß. In meinem Herzen weiß ich, dass er nicht eines natürlichen Todes gestorben ist", sagte er.

Gerüchte schon kurz nach dem Tod

Nach langer Krankheit war Arafat in ein französisches Militärkrankenhaus geflogen worden und dort im November 2004 im Alter von 75 Jahren gestorben. Die behandelnden französischen Ärzte hatten angegeben, sie hätten die Todesursache nicht feststellen können. Arafat liegt in Ramallah im Westjordanland begraben.

Schon kurz nach Arafats Tod hatte es Spekulationen über eine mögliche Vergiftung oder eine Aids-Erkrankung des Friedensnobelpreisträgers gegeben. Die Todesursache blieb letztlich unklar. Die "New York Times" hatte 2005 aus der bis dahin geheimen Krankenakte Arafats zitiert. Die französischen Ärzte hätten demnach geschrieben, eine Vergiftung oder Aids-Erkrankung Arafats seien sehr unwahrscheinlich. Die behandelnden Ärzte des Militärkrankenhauses hätten seinerzeit Blut-, Knochenmarks-, Stuhl- und Urinproben an drei verschiedene Institute in Frankreich zur toxikologischen Untersuchung geschickt.

Der Atomphysiker Paddy Regan von der Universität im britischen Surrey sagte allerdings, die Polonium-210-Werte könnten auch auf eine erhöhte natürliche radioaktive Strahlung zurückzuführen sein. Solche Faktoren müssten zunächst ausgeschlossen werden, bevor der Stoff als "Mordwaffe" eindeutig nachgewiesen werden könne.

Mit Polonium-210, offenbar ins Essen verabreicht, wurde der russische Regierungskritiker und Ex-Spion Alexander Litwinenko vergiftet. Er starb 2006 in London.

Quelle: n-tv.de, rts/AFP/dpa

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