Politik
Trotz aller Abschottungen kommen täglich Hunderte Flüchtlinge in Griechenland an.
Trotz aller Abschottungen kommen täglich Hunderte Flüchtlinge in Griechenland an.(Foto: REUTERS)
Freitag, 01. April 2016

Flüchtlinge auf Chios: Ärzte verlassen Hotspot nach Krawallen

Am kommenden Montag beginnt die Rückführung von Flüchtlingen und Migranten aus Griechenland in die Türkei. Doch die meisten Flüchtlinge wollen nach Deutschland. Deshalb wächst in den Lagern die Nervosität. Immer mehr Hilfsorganisationen ziehen sich zurück.

Die Hilfsorganisation Ärzte der Welt zieht sich nach neuen Zusammenstößen aus dem Auffanglager der griechischen Insel Chios zurück. Das kündigte die Organisation an. In der Nacht waren zwei Männer bei heftigen Auseinandersetzungen zwischen Syrern und Afghanen durch Messerstiche verletzt worden, wie das Newsportal "politischios" berichtete. Insassen zerstörten demnach auch das Zelt für medizinische Versorgung samt Inventar im Wert von 30.000 Euro.

"Schreckensnacht im Hotspot", titelte "politischios": Das Lager habe am Morgen nach den Krawallen einem Schlachtfeld geglichen. Die Verletzten mussten ins Krankenhaus gebracht werden. Die Polizei setzte Blendgranaten ein, um die Tumulte aufzulösen. Die Behörden forderten in Athen zusätzliche Bereitschaftspolizisten an, weil es inzwischen fast jeden Tag zu Auseinandersetzungen kommt. In dem Lager sind derzeit rund 1500 Menschen untergebracht. Sie sind größtenteils  nach dem Inkrafttreten des Flüchtlingspakts am 20. März auf Chios angelandet und sollen ab kommendem Montag zurück in die Türkei gebracht werden.

Im Hafen von Piräus versucht die Polizei derzeit mit Hilfe von Übersetzern und Hilfsorganisationen, Flüchtlinge und Migranten zum Abzug zu bewegen. Derzeit halten sich dort noch rund 5300 Menschen auf. Im Laufe des Freitags sollen 700 meist afghanische Staatsbürger mit Bussen in verschiedene Auffanglager gebracht werden.

Bauer pflügt Feld in Idomeni

Die Bauer konnte gerade noch rechtzeitig gestoppt werden.
Die Bauer konnte gerade noch rechtzeitig gestoppt werden.(Foto: AP)

Auch in Idomeni im Norden des Landes kommt es vermehrt zu Zusammenstößen innerhalb und auch außerhalb des Lagers. So musste am Donnerstag die Polizei eingreifen, als ein Bauer aus dem 100-Seelen-Dorf aus Protest gegen die andauernde Besetzung seines Feldes mit seinem Traktor zwischen den Zelten der Migranten pflügte. Der Bauer war während einer Live-Übertragung des griechischen Nachrichtensenders Skai mit seinem Traktor erschienen und bearbeitete den Boden in dem behelfsmäßigen Lager. Die Polizei konnte den Bauern stoppen, ehe es zu Streitigkeiten mit den Migranten kam.

Der Landwirt ist bislang nicht von der griechischen Regierung für die Besetzung seines Feldes entschädigt worden. Fast 12.000 Migranten und Flüchtlinge hatten dort ihre Zelte aufgeschlagen. Die Regierung in Athen versucht, bislang mit wenig Erfolg, die Migranten und Flüchtlinge zu überreden, das provisorische Camp zu verlassen und ins Landesinnere in andere organisierte Lager zu gehen.

Die meisten wollen nach Deutschland

Mehr als zwei Drittel der in Griechenland festsitzenden Migranten und Flüchtlinge wollen nach Deutschland. 72 Prozent seien jünger als 35, ergab eine Umfrage, die das Meinungsforschungsinstitut Kapa Research für den Verband der griechischen Regionalverwaltungen durchgeführt hat. Gut 61 Prozent der Befragten habe eine eher geringe Schulbildung von maximal neun Jahren. 83 Prozent seien sunnitische Muslime. 74 Prozent gaben an, sie stammten aus Syrien. 70 Prozent sind geflohen, weil sie Angst um ihr Leben und das ihrer Familie hatten, wie es hieß. Als sekundäre Gründe für ihre Flucht gaben die Befragten an, in ihrer Heimat würden die Menschenrechte verletzt, die wichtigsten Lebensmittel seien knapp, die Infrastruktur sei zerstört. Andere wollten nicht zum Militär.

Für die Umfrage wurden 637 Migranten repräsentativ im Großraum Athen am 15. und 16. März in persönlichen Interviews befragt.

Quelle: n-tv.de