Politik

Blair legt Dossier vor "Atombombe in zwei Jahren"

Die britische Regierung hat am Dienstag das seit langem angekündigte Dossier über die Massenvernichtungswaffen des Irak vorgelegt. Danach hat der Irak "militärische Pläne" für den Einsatz chemischer und biologischer Waffen. Außerdem sei der Irak etwa ein bis zwei Jahre von der Fertigstellung einer Atombombe entfernt.

Vor dem Unterhaus warnte Premierminister Tony Blair eindringlich vor der von dem Irak ausgehenden Bedrohung. Der irakische Machthaber Saddam Hussein strebe weiterhin und zunehmend nach atomaren, biologischen und chemischen Waffen, sagte Blair zur Eröffnung einer Sondersitzung des Parlaments zur Irak-Politik. Die internationale Politik der Eindämmung funktioniere nicht.

Der Irak nannte das Dossier der britischen Regierung eine "Lügenkampagne". In Bagdad sagte der irakische Kulturminister Hamid Jusuf Hammadi laut BBC, Blair beteilige sich an einer "irreführenden Kampagne", die von Zionisten gegen den Irak geführt werde.

In dem Dossier heißt es, die Militärplanung des irakischen Staatschefs Saddam Hussein lasse es zu, dass einige der Massenvernichtungswaffen innerhalb von 45 Minuten zum Einsatz bereit seien. Der Irak habe versucht, in Afrika eine "erhebliche Menge" von Uran zu beschaffen. Die Mengen überschritten die für eine zivile Nutzung von Atomenergie erforderlichen Mengen.

Für den Einsatz biologischer oder chemischer Kampfstoffe stünden dem Irak 20 El-Hussein-Raketen mit einer Reichweite von 650 Kilometern zur Verfügung. Bagdad habe ferner mobile Bio-Labors zur militärischen Nutzung entwickelt. Geheimdienst-Informationen zeigten, dass Saddam versuche, "diese Waffen einschließlich der belastenden Dokumente" vor neuen UN-Inspektionen zu verbergen.

Bundesregierung will Irak-Dossier prüfen

Die Bundesregierung wird den Bericht der britischen Regierung "sorgfältig prüfen". Das sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amts in Berlin. Darüber hinaus wollte sich der Sprecher nicht äußern. Der stellvertretende Fraktionschef der SPD, Gernot Erler, sagte, seine Fraktion bleibe bei der Ablehnung eines Militärschlags gegen den Irak. Das Dossier ändere nichts an der "grundsätzlichen Risikoeinschätzung eines Militäreinsatzes im Nahen Osten".

Iraker weisen Vorwürfe zurück

Die Regierung in Bagdad wies Blairs Vorwürfe zurück, Irak arbeite intensiv am Bau der Atombombe. "Das ist absurd, völlig absurd", sagte der Berater von Diktator Saddam Hussein, Amer El Saadi. Ziel des Dossiers sei es, die öffentliche britische und internationale Meinung anzuheizen, um den UN-Sicherheitsrat zur Verabschiedung "ungerechter Sanktionen gegen Bagdad" zu bringen, das Embargo zu verlängern und "einen Vorwand für eine neue Aggression gegen Irak" zu liefern, sagte Saadi.

Quelle: n-tv.de

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