Politik
Spezialkräfte der bosnischen Polizei am Tatort.
Spezialkräfte der bosnischen Polizei am Tatort.(Foto: AP)
Donnerstag, 19. November 2015

IS-Anschlag auf dem Balkan?: Attentäter tötet Soldaten in Bosnien

In Sarajevo erschießt ein Attentäter zwei Militärpolizisten in einem Wettbüro. Danach flieht er, verschanzt sich vor der Polizei und sprengt sich in die Luft - ein Werk der Terrormiliz Islamischer Staat?

Bei einem Terroranschlag in Sarajevo sind zwei bosnische Soldaten getötet und ein weiterer verletzt worden. Der 34-jährige Attentäter erschoss die beiden Militärpolizisten - einen Bosniaken und einen bosnischen Serben - am Mittwochabend in einem Wettlokal im Vorort Rajlovac, berichtete das Portal avaz.ba. Er gab auch Schüsse auf einen vorbeifahrenden Bus ab, ohne dabei jemanden zu verletzen.

Danach verbarrikadierte sich der Mann in seinem eigenen Haus im etwa 30 Kilometer entfernten Ort Sokolj. Nachdem die Sonderpolizei das Anwesen in der Nacht umstellt hatte, sprengte er sich mit einer Bombe selbst in die Luft.

Die Staatsanwaltschaft in Sarajevo bezeichnete den Anschlag als  Terrorakt. "Die genaueren Umstände des Verbrechens, seine Motive und die eventuelle Beteiligung von Komplizen sind Gegenstand weiterer Untersuchungen", hieß es in der Stellungnahme der Behörde.

IS rief zu Attentaten auf dem Balkan auf

Unklar ist vor allem, ob die Tat einen islamistischen Hintergrund hatte. Islamistische Extremisten waren in den vergangenen Jahren für mindestens zwei Attentate in dem Land verantwortlich. Bei einem Angriff auf die US-Botschaft im Jahr 2011 kam niemand zu Schaden, bei einer Attacke auf eine Polizeiwache im April wurde ein Beamter getötet.

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hatte im vergangenen Juni in einem Video ihre Anhänger auf dem Balkan dazu aufgerufen, weitere Attentate zu verüben. Davon können sich auch mit dem IS sympathisierende Einzeltäter ohne organisatorische Bindung an das Terrornetz angesprochen fühlen.

Lokale Medien in Sarajevo berichteten, der Attentäter, dessen Name mit Enes Omeragic angegeben wurde, sei in Frankreich geboren. Er sei vorbestraft gewesen. Während seines Amoklaufs soll er Koran-Verse rezitiert haben. Der bosnische Vize-Verteidigungsminister Emir Suljagic erklärte am Donnerstag in Sarajevo: "Das war ein Anschlag auf unsere Lebensweise. Sie haben uns auf dem falschen Fuß erwischt - zum ersten und zum letzten Mal."

Quelle: n-tv.de