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Israel will Anschlag rächen Attentäter war kein Schwede

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Die Ausschnitte einer Überwachungskamera zeigt den Attentäter als Tourist auf dem Flughafen von Burgas.

(Foto: REUTERS)

Sofia und Stockholm weisen Bericht zurück, bei dem Attentäter von Burgas solle es sich um einen Guantánamo-Häftling mit schwedischem Pass handeln. Derweil wird Israels Ton gegenüber der Führung in Teheran und der libanesische Hisbollah immer rauer. In ihnen sieht Jerusalem die Urheber für den Selbstmordanschlag. Das Land will auch Beweise dafür haben, bleibt sie bislang aber schuldig.

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Dass diesen Bus über 30 Menschen lebend verlassen konnten, grenzt an ein Wunder.

(Foto: REUTERS)

Die Behörden in Bulgarien und Schweden haben Medienberichte dementiert, wonach es sich bei dem Attentäter von Burgas um einen ehemaligen aus Schweden handeln soll. Diese Berichte seien unwahr, teilte das Innenministerium in Sofia am Abend mit. Der schwedische Geheimdienst Säpo bezeichnete die von bulgarischen Medien verbreiteten Meldungen als nicht zutreffend.

Laut den Berichten, die zunächst auch von israelischen Medien übernommen worden waren, sollte es sich bei dem Selbstmordattentäter um einen 33-jährigen schwedischen Staatsbürger mit algerischen Wurzeln gehandelt haben. Er sei nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in Afghanistan gefangen genommen und ins US-Lager Guantánamo auf Kuba gebracht worden. 2004 sei er an die schwedischen Behörden übergeben worden, hieß es weiter.

Israel will die "Rechnung begleichen"

Israel konzentriert sich stattdessen auf den Iran als Urheber des blutigen Selbstmordanschlags auf seine Landsleute in Bulgarien. Die Führung in Teheran und die mit ihr verbündete Schiiten-Organisation Hisbollah betrieben eine "weltweite Terror-Kampagne", sagte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu in Jerusalem. An der Verantwortung Teherans für die Bluttat in der Schwarzmeerstadt Burgas bestehe "kein Zweifel", sagte auch der Minister für Innere Sicherheit, Izchak Aharonowitsch.

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Netanjahu lässt keinen Zweifel an der schnellen Schuldzuweisung aufkommen.

(Foto: AP)

Man werde mit den Verantwortlichen "die Rechnung begleichen" und ihnen einen "hohen Preis" abverlangen, kündigte die israelische Regierung an. Israel will auch offiziell Beschwerde gegen Teheran beim UN-Sicherheitsrat einlegen. Bei dem Anschlag am Flughafen von Burgas waren sieben Menschen getötet und mehr als 30 verletzt worden.

Der Iran sei die "weltweite Nummer eins der Terror exportierenden Staaten", sagte Netanjahu. "Der gefährlichste Staat der Welt muss nicht auch noch die gefährlichste Waffe der Welt bekommen", meinte er in Anspielung auf Vorwürfe, die iranische Führung baue an der Atombombe.

Der Iran bestritt jegliche Beteiligung an dem Anschlag. Man verurteile alle Anschläge auf unschuldige Zivilisten als unmenschlich, sagte der Sprecher des Außenministeriums, Ramin Mehmanparast, dem Nachrichtenportal Al-Alam. Auch die Hisbollah im Libanon nannte die Vorwürfe aus Jerusalem in einer offiziellen Reaktion lächerlich.

Israel spricht von "Beweisen gegen Hisbollah"

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Den beiden Frauen wurde in Tel Aviv mitgeteilt, dass ihre Schwester den Anschlag von Burgas nicht überlebt hat.

(Foto: REUTERS)

Bei dem Anschlag seien insgesamt fünf Israelis, ein bulgarischer Busfahrer sowie der mutmaßliche Selbstmordattentäter getötet worden, sagte der israelische Außenminister Avigdor Lieberman. Nach seiner Darstellung hat Israel "zuverlässige Informationen" über die Drahtzieher der blutigen Tat. "Hisbollah steht hinter dem Anschlag, in enger Zusammenarbeit mit den iranischen Revolutionsgarden", sagte Lieberman dem Rundfunk. Beweise machte die Regierung bislang nicht öffentlich.

Kameraaufnahmen zeigen den Attentäter

Die Mitglieder der israelischen Reisegruppe waren am Mittwoch kurz vor dem Selbstmordanschlag auf dem Flughafen des beliebten Touristenortes gelandet. Israelische Medien veröffentlichten am Donnerstag Aufnahmen von Sicherheitskameras, die den mutmaßlichen Attentäter zeigen. Der langhaarige Mann in Sportkleidung habe sich vor der Explosion etwa eine Stunde lang am Ort des Anschlags aufgehalten, berichtete die bulgarische Nachrichtenagentur Novinite. Seine Leiche habe schlimmste Verletzungen aufgewiesen. Er habe gefälschte US-Papiere bei sich gehabt.

Bei der Explosion wurden auch 37 Menschen verletzt, davon drei lebensgefährlich. Ein israelisches Militärflugzeug brachte mehr als 30 verletzte Israelis zurück in ihre Heimat.

Weltweite Anteilnahme

Die Bundesregierung sprach den Angehörigen und Opfern des Anschlags ihre Anteilnahme aus. Außenminister Guido Westerwelle sagte in Berlin: "Wir drücken unser Mitgefühl für die Familien aus und trauern um die Opfer." Die Bundesregierung werde alles dafür tun, dass sich die israelischen Partner hier, in Europa, sicher fühlen könnten. Das Attentat müsse aufgeklärt werden, sagte Westerwelle weiter. Die EU-Kommission bot Bulgarien Unterstützung bei der Aufklärung des Anschlags an.

Der jüdische Zentralratspräsident Dieter Graumann sagte, der Anschlag mache deutlich, wie bedroht Israel sei. "Davor dürfen wir auch in Deutschland nicht die Augen verschließen", mahnte er. Es sei unerträglich, dass Israelis sich weder im eigenen Land noch im Ausland sicher fühlen könnten.

US-Präsident Barack Obama sprach dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu am Telefon sein Beileid aus. Zugleich sagte Regierungssprecher Jay Carney, Obama habe den "abscheulichen Angriff, der unschuldige Israelis und Bulgaren getötet und verletzt hat", scharf verurteilt. Bei der Aufklärung des Attentats würden die USA eng mit Bulgarien und Israel zusammenarbeiten. Die Nato verurteilte den Terroranschlag ebenfalls. Zuvor hatte bereits die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton gesagt: "Ich bin zutiefst schockiert über die Szenen am Flughafen von Burgas (...)."

Quelle: n-tv.de, dpa

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