Politik

Regierung wirbt um Fachkräfte Ausländer sollen die Retter sein

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Bis 2025 fehlen Deutschland laut dem Chef der Bundesanstalt für Arbeit, Weise, mehr als drei Millionen Arbeitskräfte.

(Foto: picture alliance / dpa)

"Make it in Germany" mit einer neuen Werbekampagne will die Bundesregierung Fachkräfte aus dem Ausland nach Deutschland locken. Sie spricht von einer neuen "Willkommenskultur". Ein Kurswechsel: In der Vergangenheit war es vor allem die Union, die vehement dafür kämpfte, den deutschen Arbeitsmarkt zu "schützen."

Die Bundesregierung will mehr Fachkräfte aus dem Ausland anwerben, um Wachstum und Wohlstand in Deutschland zu sichern. Im Rahmen eines Gipfeltreffens mit Wirtschafts- und Gewerkschaftsvertretern hat Schwarz-Gelb die Werbekampagne "Make it in Germany" gestartet.

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Minister der Bundesregierung heben hervor, dass es sich lohnt, nach Deutschland zu kommen.

(Foto: picture alliance / dpa)

FDP-Wirtschaftsminister Philipp Rösler bezeichnete den drohenden Fachkräftemangel als "Wachstumsbremse" für Deutschland und warb für eine neue "Willkommenskultur". "Es lohnt sich, nach Deutschland zu kommen", sagte Rösler.

Arbeitsministerin Ursula von der Leyen warnte, man könne an der konstant hohen Zahl von einer Million offener Stellen ablesen, dass sich die Lage verschlechtere. Zudem sei die Zeit bis zur Neubesetzung einer Stelle im vergangenen Jahr im Schnitt um elf auf nun 72 Tage gestiegen. Ein Drittel der Firmen bezeichne die Suche nach geeigneten Arbeitskräften mittlerweile als ihre Hauptsorge, dreimal soviel wie 2011. "Es ist Arbeit da, die nicht getan wird, es sind Aufträge da, die nicht erfüllt werden", sagte von der Leyen.

Zusammen präsentierten die Minister darum die Kernstücke der Kampagne; zwei neuen Internetplattformen: www.fachkräfte-offensive.de und www.make-it-in-Germany.com. Die Inlandplattform bündelt Beratungs- und Unterstützungsangebote für Unternehmen und Fachkräfte. Das Auslandsportal wirbt - in Deutsch und Englisch - für eine Karriere in Deutschland. Es enthält Jobangebote und konkrete Hilfestellungen für die Aufnahme einer Arbeit in Deutschland.

Werben um Zuwanderer wird zur "Daueraufgabe"

Beide Minister betonten, dass in Deutschland selbst das Potenzial an Arbeitskräften besser genutzt werden solle. Aber das Werben um Zuwanderung sei künftig eine Daueraufgabe, betonte Rösler. "Wir wünschen uns viele weitere Fachkräfte, die sich zu uns auf den Weg machen", sagte er. "Wir werden weitere Werbung starten gerade in den europäischen Nachbarstaaten in Spanien, Italien und Portugal, die eine hohe Arbeitslosigkeit haben." Dabei werde auch mit den jeweiligen Regierungen gesprochen. Er sei weiter Anhänger für Zuwanderung, das von der Union aber abgelehnt wird. Von der Leyen sprach davon, "Zielländer" für besondere Anwerbung zu identifizieren. Die Kampagne startet zunächst auf deutsch und englisch. In einem halben Jahr soll geprüft werde, ob weitere Sprachen dazukommen.

Ein längst überfälliger Schritt, davon zeigte sich zumindest der Chef der Bundesanstalt für Arbeit, Frank-Jürgen Weise überzeugt. Er warnte mit drastischen Worten vor den Gefahren eines Mangels an Arbeitskräften durch die demografische Entwicklung. "Bis 2025 fehlen uns über drei Millionen Arbeitskräfte", sagte Weise. Der Schaden für die Wirtschaftsentwicklung in Deutschland könne höher sein als durch die Wirtschafts- und Finanzkrise. Bei einer guten wirtschaftlichen Entwicklung sei der Arbeitskräfte-Bedarf noch höher.

Auch der Branchenverband BITKOM begrüßte die Initiative der Regierung. Es gebe derzeit allein für IT-Experten rund 38.000 offene Stellen.

Eine "unverbindliche Showveranstaltung"

Kritik kam dagegen aus der Opposition. Die SPD hat sich dafür ausgesprochen, die Sicherung von Fachkräften im Kanzleramt zu konzentrieren. Ein dort angesiedelter Expertenrat mit klaren Aufgaben könne am besten die notwendigen Schritte beschließen, sagte der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Hubertus Heil. "Folgenlose und unverbindliche Show-Veranstaltungen, wie sie die Kanzlerin heute erneut in Meseberg plant, führen uns dagegen nicht weiter", fügte er hinzu. Zu konkreten Verabredungen mit den Tarifpartnern sei die schwarz-gelbe Bundesregierung offenbar nicht in der Lage.

Rösler und von der Leyen stellten ihre Kampagne kurz vor dem Beginn des zweiten Fachkräftegipfels im Gästehaus der Bundesregierung auf Schloss Meseberg vor.

Nach Angaben Heils gibt es im Inland bis zum Jahr 2025 ein Potenzial von etwa fünf Millionen Menschen, die für den Arbeitsmarkt zusätzlich mobilisiert werden könnten. Dazu gehörten Schul- und Studienabbrecher ebenso wie Ältere und vor allem Frauen. Mit der Einführung des Betreuungsgelds für Eltern, die ihre Kleinkinder zuhause erziehen, sorge Schwarz-Gelb aber dafür, dass viele weibliche Beschäftigte dem Arbeitsmarkt auf Jahre entzogen würden.

Dass sich Union und FDP dafür einsetzen, Fachkräfte aus dem Ausland zu rekrutieren, ist keines Wegs selbstverständlich. Die Union pochte lange vielmehr darauf, den deutschen Arbeitsmarkt zu schützen, führte Leitkulturdebatten, stemmte sich gegen die doppelte Staatsbürgerschaft. Kaum zwei Jahre ist es her, dass CSU-Chef Horst Seehofer sagte: "Den Fachkräftemangel beheben wir nicht durch Zuwanderung aus anderen Kulturkreisen".

Quelle: ntv.de, ieh/dpa/rts