Politik

In eigener Sache BND überprüft Eichmann-Infos

Der Bundesnachrichtendienst (BND) überprüft Angaben aus den USA, wonach der Dienst bereits im Jahr 1958 die CIA über den vermuteten Aufenthalt des Naziverbrechers Adolf Eichmann in Argentinien und dessen Decknamen unterrichtet hat. Diese Überprüfung werde schon wegen des Umfangs der Akten voraussichtlich einige Tage dauern, sagte eine Sprecherin des deutschen Auslandsgeheimdienstes am Donnerstag in Berlin.

Das Nationalarchiv in Washington hatte am Dienstag Dokumente des US-Geheimdienstes CIA freigegeben. Aus den 27.000 Seiten geht nach Angaben des Historikers Timothy Naftali hervor, dass der BND seine Erkenntnisse nicht an Israel weitergeleitet hat, obwohl der israelische Geheimdienst Mossad nach Eichmann fahndete. Eichmann war einer der wichtigsten Organisatoren des Holocaust, der systematischen Vernichtung der Juden. Er wurde 1960 vom Mossad nach Israel entführt, 1961 in Jerusalem verurteilt und 1962 hingerichtet.

Adenauer wollte Globke schützen

Die "New York Times" hatte unter Berufung auf Naftali berichtet, die damalige Bundesregierung habe Eichmann nicht enttarnen wollen. Die Regierung unter Konrad Adenauer habe Sorge gehabt, der Mitorganisator der Judenvernichtung könne Hans Globke belasten, der zu der Zeit Staatssekretär im Bundeskanzleramt war. Während der NS-Diktatur war Globke Ministerialrat im Reichsinnenministerium. Die CIA habe Westdeutschland geholfen, einen Teil von Eichmanns Tagebuch zurückzuhalten, in dem von Globke die Rede war, so Naftali.

Globke war während der NS-Zeit Mitherausgeber des Kommentars der Nürnberger Rassengesetze. Er war zudem an der Erstellung eines "Kodex des jüdischen Rechts" in der von Nazi-Deutschland besetzten Slowakei beteiligt, der eine Grundlage für die Verfolgung der slowakischen Juden bildete. Von 1953 bis zu Adenauers Abgang 1963 war Globke Staatssekretär im Kanzleramt. Seine NS-Vergangenheit war in der jungen Bundesrepublik bekannt und wurde von der Opposition und Teilen der Medien heftig kritisiert. "Man schüttet kein schmutziges Wasser weg, solange man kein sauberes hat", soll Adenauer über seinen Staatssekretär gesagt haben.

Quelle: n-tv.de