Politik

Erste Montagsdemo nach Stresstest Bahn droht heißer Herbst

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Die S21-Gegner geben nicht auf.

(Foto: dpa)

Sollte die Deutsche Bahn mit ihren Bau-Aktionen für den unterirdischen Durchgangsbahnhof weitermachen, drohen die Gegner dem Konzern einen "heißen Herbst" an. Auch nach dem Kompromissvorschlag von Schlichter Geißler gehen wieder Tausende gegen S21 auf die Straße.

Auch nach dem Kompromissvorschlag haben in Stuttgart wieder tausende Menschen gegen das Bahnprojekt Stuttgart 21 demonstriert. Die Polizei zählte bei der 85. Montagsdemo rund 3000 Teilnehmer, die Organisatoren sprachen von rund 4500 Menschen.

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Keine Sympathie für Bahnchef Grube und Infrastrukturvorstand Kefer.

(Foto: dpa)

Die Gegner des unterirdischen Durchgangsbahnhofs drohten der Deutschen Bahn mit einem heißen Herbst. Damit sei zu rechnen, wenn die Bahn mit ihren Aktionen weitermache, sagte der Sprecher des Aktionsbündnisses gegen den vier Milliarden teuren Umbau des Stuttgarter Hauptbahnhofs, Hannes Rockenbauch, Reuters TV.

Sollte der Südflügel des unter Denkmalschutz stehenden Bahnhofsgebäudes abgerissen oder Bäume im Schlossgarten gefällt werden, werde es weitere friedliche Protestaktionen geben, rief Rockenbauch den Demonstranten zu. Die Montagsdemonstrationen finden seit mehr als einem Jahr statt.

Am Wochenende hatte die Bahn trotz eines Kompromissvorschlags des Schlichters Heiner Geißler Aufträge von mehr als 700 Millionen Euro vergeben. Die für November geplante Volksabstimmung will die Bahn nicht abwarten. Der Konzern will bis Ende 2019 den 16-gleisigen Kopfbahnhof in einen achtgleisigen unterirdischen Durchgangsbahnhof mit kilometerlangen Tunnelanfahrten umbauen.

Zu Geißlers Kompromissvorschlag, der eine Kombination aus einem über- und einem unterirdischen Teil vorsieht, sagte der Sprecher der Fahrgastgemeinschaft Pro Bahn, Matthias Oomen: "Wir werden ihn bis ins Mark prüfen." Der Kombi-Bahnhof bedeute jedoch ein deutliches Abwenden vom ursprünglich geplanten Tiefbahnhof, hieß es weiter. "Mit diesem Vorschlag drückt Heiner Geißler aus, dass er den Glauben an Stuttgart 21 verloren hat", sagte Rockenbauch.

Geißler hatte bei der Präsentation des sogenannten Stresstests zu Stuttgart 21 vorgeschlagen, dass der geplante umstrittene Tiefbahnhof für den Fernverkehr auf vier statt acht Gleise beschränkt werden könnte und der bestehende Kopfbahnhof verkleinert für den Regionalverkehr erhalten bleiben soll. Die Kosten für das nun zur Diskussion gestellte Kombi-Modell schätzt Geißler auf 2,5 bis 3 Milliarden Euro. Der Tiefbahnhof soll 4,1 Milliarden Euro kosten. Es wird jedoch mit bis zu 5 Milliarden gerechnet.

"Vielleicht wäre die Kombilösung ein Frieden stiftender Weg. Es wäre einen Versuch wert, diesen verbalen Kriegszustand in Stuttgart endlich zu beenden", sagte Geisler der "Schwäbischen Zeitung". Seine Aufgabe als Schlichter sieht er als beendet an.

Quelle: n-tv.de, dpa/rts/AFP

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