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"Training on the job" Bamf-Mitarbeiter nicht genug qualifiziert?

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Für Qualifizierung blieb nicht so viel Zeit.

(Foto: imago/Schöning)

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge hat in den vergangenen Monaten viel neues Personal eingestellt. Allerdings sollen die Mitarbeiter für ihre Tätigkeiten nicht richtig ausgebildet worden sein. Das legt ein internes Bamf-Papier offen.

Im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge ist ein Großteil des für Asylverfahren zuständigen Personals einem Zeitungsbericht zufolge nicht für seine Aufgaben qualifiziert. Wie die "Nürnberger Nachrichten" unter Berufung auf ein internes Papier der Behörde schreiben, konnten mehr als 450 Mitarbeiter "aus Kapazitätsgründen keine Entscheider-relevante Qualifizierungsmaßnahme absolvieren"

Damit seien etwa 15 Prozent der gut 3.000 Entscheider, die in den vergangenen beiden Jahren beim BAMF angefangen hätten, ohne Qualifizierung. Noch schlechter ist die Quote demnach bei den Mitarbeitern des Asylverfahrenssekretariats. Sie nehmen unter anderem Anträge an, prüfen Dokumente der Asylbewerber und behandeln Antragsteller erkennungsdienstlich. "3.340 neue Mitarbeiter haben in diesem Bereich zwischen 1. August 2015 und 1. März 2017 angefangen", zitiert das Blatt aus der Bamf-Analyse vom 19. Mai. "2.669 von ihnen - das entspricht 80 Prozent - haben "keine Qualifizierungsmaßnahmen erhalten".

Hauptsächlich wurden diese Mitarbeiter, so schreiben die Autoren der Analyse, durch "Training on the job" eingewiesen – also von Kollegen, die die Tätigkeit bereits ausüben und erklären sollen. In der Praxis, habe das Insidern zufolge oft bedeutet, dass es keine echte Einarbeitung gegeben habe. Wegen der Flüchtlingskrise waren die Mitarbeiter im Bamf in den vergangenen Monaten chronisch überlastet, Zeit, die Neulinge ordentlich in die Arbeit einzuführen, habe es oft nicht gegeben. Gleiches gelte für die Entscheider, so die Analyse.

Nachbesserungen angekündigt

Viele der nicht ausreichend qualifizierten Mitarbeiter seien noch immer für das Bamf tätig. Sie sollen nun fortgebildet werden. Das Blatt zitiert eine Bamf-Sprecherin, die erklärte, man habe die Qualifizierung auf die unterschiedlichen Zielgruppen hin angepasst. So habe es theoretische Schulungen zwischen drei bis fünf Wochen und "Training on the job" gegeben. Zusätzlich habe es Mentoren gegeben, um die fehlende Praxiserfahrung aufzufangen. Außerdem habe man als eine Konsequenz auf den Fall Franco A., "eine Reihe von weiteren qualitätssichernden Maßnahmen eingeleitet".

A. hatte sich unter falscher Identität als syrischer Flüchtling ausgegeben und soll gemeinsam mit Komplizen aus einer rechten Gesinnung heraus einen Anschlag vorbereitet haben. Zu den bisherigen Untersuchungen hatte es im Bamf geheißen, alle mit dem Fall betrauten Mitarbeiter seien geschult gewesen, wenn auch verkürzt.

Quelle: n-tv.de, sba

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