Politik

Betroffene erfahren meist nichts Behörden greifen häufiger auf Konten zu

Die Abfrage von Kontodaten galt einst als Anti-Terror-Maßnahme - nun sollen dadurch auch Steuerhinterziehungen und Sozialmissbrauch aufgedeckt werden. Es zeigt sich: Die Neugier der Behörden wird größer.

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(Foto: picture alliance / dpa)

Oftmals ohne Begründung und ohne Nachricht an die Betroffenen führen immer mehr deutsche Ämter Kontoabfragen durch. Dazu gehören Finanzämter, Sozialämter und neuerdings auch Gerichtsvollzieher. Die Zahl der Abfragen stieg in diesem Jahr drastisch an. Wie der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar mitteilte, gab es bis Ende September bereits mehr als 102.000 Kontenabrufe. Im gesamten vergangenen Jahr seien es lediglich 72.578 gewesen.

Schaar kritisierte, die Zugriffsmöglichkeiten würden auf immer mehr Behörden ausgeweitet: "Ich sehe den Gesetzgeber in der Pflicht, die Befugnis zum Kontenabruf zu überprüfen und auf das unbedingt erforderliche Maß zurückzuführen."

Deutsche Behörden dürfen seit dem Jahr 2005 Kontodaten abfragen - etwa um Steuerhinterziehungen und den Sozialleistungsmissbrauch aufzudecken. Dabei werden Stammdaten wie Name, Geburtsdatum und Adresse des Bankkunden abgefragt. Damit soll etwa geklärt werden, ob ein Leistungsempfänger all seine Konten und Depots angegeben hat. Der Kreis der Zugriffsberechtigten wurde im Laufe der Jahre immer mehr erweitert. Seit Jahresbeginn gehören auch Gerichtsvollzieher dazu.

Schaar betonte, die Kontenabfrage sei ursprünglich als Anti-Terror-Maßnahme eingeführt worden. "Das Argument des Kampfs gegen den Terrorismus diente - wie wir jetzt wissen - als eine Art Türöffner zu den Kontodaten", monierte der Datenschutzbeauftragte. Prüfungen der Aufsichtsbehörden hätten zudem ergeben, dass die Abfragen in großem Umfang ohne Begründung und ohne Nachricht an den Betroffenen durchgeführt würden.

Quelle: n-tv.de, ppo/dpa/AFP

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