Politik

Einfühlen und Einblick bekommen Bischof spielt arbeitslos

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Bischof Ackermann betritt in Trier die Agentur für Arbeit.

(Foto: dpa)

Wie ist es, arbeitslos zu sein? Triers Bischof Stephan Ackermann weiß es jetzt ein bisschen besser. In der örtlichen Arbeitsagentur meldet er sich testweise arbeitslos. Sein Fachassistent hilft ihm bei den Formularen. "Ich wollte selbst einmal sehen, was auf einen Arbeitslosen bei seiner ersten Meldung zukommt, um mich einfühlen zu können", sagt der Bischof.

Triers Bischof Stephan Ackermann sitzt versunken über seinem Antrag auf Arbeitslosengeld. "Wann würde ich denn die erste Leistung bekommen?", fragt der Theologe den Bearbeiter an einem Schreibtisch in der Agentur für Arbeit Trier. "Noch im September", antwortet dieser. Bischof Ackermann nickt beruhigt. Der 49-jährige Geistliche ist in die Rolle eines Arbeitslosen geschlüpft. Er meldete sich arbeitslos, mit allem Drum und Dran: ausgefüllte Papiere, Beratung, Vermittlungsgespräch. "Ich wollte selbst einmal sehen, was auf einen Arbeitslosen bei seiner ersten Meldung zukommt, um mich einfühlen zu können", sagte der Bischof.

Seit Jahren setzt sich Ackermann über die "Aktion Arbeit", ein Arbeitslosen-Solidaritätsfonds des Bistums Trier, immer wieder vor allem für Langzeitarbeitslose ein. Aber: "Mir ist es wichtig, auch zwischendurch immer mal wieder konkreten Kontakt zu haben, sei es mit Betroffenen, mit Beschäftigungsbetrieben oder konkret vor Ort hier in der Agentur", sagte er. "Um nicht nur auf einer höheren Ebene gescheit zu reden, sondern auch konkret vor Ort eine Situation kennenzulernen."

Bischof würde Höchstsatz von 2100 Euro erhalten

So ging er bei dem Szenario "arbeitsloser Bischof" zunächst mit einem Fachassistenten seine Daten und Formulare durch. "Sie würden den Höchstsatz von netto rund 2100 Euro bekommen", sagt Bearbeiter Kevin Gansen. Seinen Personalausweis musste Ackermann aber nicht vorzeigen. "Ich gehe mal davon aus, dass Sie es sind", sagte Gansen - und schickte ihn weiter zum Vermittlungsgespräch.

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Ackermann lässt sich beraten.

(Foto: dpa)

Es sind vor allem die Langzeitarbeitslosen, die Ackermann am Herzen liegen. "Uns ist es ein Anliegen zu sagen, wir brauchen in starkem Maße öffentlich geförderte Beschäftigung, weil es natürlich Menschen gibt, die sich trotz aller Maßnahmen nicht auf dem ersten Arbeitsmarkt wieder vermitteln lassen, sagte er.

In der Region Trier melden sich im Schnitt pro Monat rund 1300 Menschen arbeitslos. Bundesweit waren im Juli 2,87 Millionen Menschen ohne Job.

Fiktives Stellenangebot: Referent im Bistum Essen

Für Ackermann wäre ein neuer Job derzeit kein Problem, wenn er nun arbeitslos würde, versicherte später eine Beraterin. Und bot ihm - fiktiv - mehrere mögliche offene Stellen an: Mitarbeiter an einer Universität, ein Leitungsposten in einer Jugendbildungsstätte oder Referent des Generalvikars im Bistum Essen. Letzteres schien Ackermann am besten zu gefallen. "Da könnte ich mich sicher nützlich machen."

"Der Besuch des Bischofs ist eine gute Möglichkeit zu zeigen, dass man keine Angst haben muss, sich arbeitslos zu melden", sagte der Sprecher der Trierer Agentur, Thomas Mares. "Arbeitslosigkeit ist kein Verbrechen und keine Schande. Es ist eine Sache, die in jedem Berufsleben vorkommen kann."

Ackermann ist klar, so ein Testlauf vor Ort hat seine Grenzen. Dennoch habe er ihm geholfen, "einen besseren Einblick zu bekommen", sagte er. Die Formulare, die man ausfüllen müsse, seien schon "umfangreiches Material, durch das man sich durchkämpfen muss".

Quelle: n-tv.de, Birgit Reichert, dpa

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