Politik

Conchita Wurst spaltet Russland Blogger spottet über orthodoxe Kirche

Der Triumph von Conchita Wurst beim ESC ist schon ein paar Tage her, doch in Russland gehen die Diskussionen weiter. "Männer, rasiert Euch", fordert ein Putin-Vetrauter. Priester kann er damit allerdings nicht meinen.

Angesichts des Siegs von Conchita Wurst beim ESC gibt es in Russland offenbar weiterhin jede Menge Gesprächsbedarf. Die Wut von orthodoxer Kirche und kremlnahen Politikern lässt nicht nach, der Spott über deren eifernde Entrüstung allerdings auch nicht.

Und so sorgte in dem Riesenreich ein Tweet eines der bekanntesten Blogger des Landes für viel Gelächter. "Die russisch-orthodoxe Kirche lehnt kategorisch bärtige Männer in Kleidern ab", twitterte Rustem Adagamow. Dazu veröffentlichte er ein Bild von Priestern - bärtig und in langen Gewändern.

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Ein Kirchenfunktionär hatte den Sieg zuvor als "noch einen Schritt bei der Abkehr von der christlichen Identität der europäischen Kultur" bezeichnet. Er sei ein Zeichen von moralischen Verfall und Teil eines aggressiven Versuchs des Westens, "neue soziale Normen durchzusetzen." Der Nationalist Wladimir Schirinowski wählte drastischere Worte: "Das ist Europas Ende!", schimpfte der Parlamentsabgeordnete im Staatsfernsehen. Europa habe "Durchfall mit Blut und Schaum".

Der als Initiator der russischen Anti-Homosexuellen-Gesetzgebung bekannt gewordene Kommunalpolitiker Witali Milonow aus St. Petersburg scheint das ähnlich zu sehen. "Euro-Homos, schmort in der Hölle", twitterte er. Zudem kritisierte er, dass Russlands Tolmatschewy-Zwillinge in Kopenhagen von Teilen des Publikums ausgebuht wurden. "Die Dänen haben sich als Schweine erwiesen. Ein solches Pfeifen während unsere Künstler auftreten - ein Zeichen echter Degradierung."

"Abnormale Psychologie"

"Männer, rasiert euch! Seid keine Weiber!", forderte der russische Eisenbahnchef Wladimir Jakunin bei einem Treffen in Berlin. Es werde versucht, Russland westliche Werte aufzudrücken. Für den Putin-Vetrauten ist das "vulgärer Ethno-Faschismus". Jene Russen, die beim TV-Voting für Wurst stimmten, hätten eine "abnormale Psychologie".

Damit spricht er allerdings nicht für alle Russen. "Ob er einen Bart hat oder keinen Bart, ob er Mann ist oder Frau - das ist unwichtig, es ist ein Wettbewerb", sagte "Pop-Papst" Filipp Kirkorow. Wursts Siegerlied sei sehr schön, sagte er. Der 47-Jährige hatte den russischen Beitrag mitgeschrieben.

Unterdessen verbot die Verwaltung der Millionenmetropole Moskau einen Conchita-Wurst-Toleranzmarsch des russischen Homosexuellenverbands. Die für 100 Teilnehmer beantragte einstündige Veranstaltung am 27. Mai dürfe nicht stattfinden, da sie die "Moral junger Menschen gefährdet", sagte Behördensprecher Alexej Majorow.

In Russland sind positive Äußerungen über Homosexualität vor Minderjährigen seit 2013 verboten. Zudem hatte die Moskauer Stadtverwaltung 2012 beschlossen, dass Schwule und Lesben 100 Jahre lang keine "Gay Parade" in der Metropole abhalten dürfen - "aus Sicherheitsgründen".

Quelle: n-tv.de, jga/dpa/AFP

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