Politik

Überraschung im NSU-Untersuchungsausschuss Böhnhardts Adressliste ist weg

1998 taucht das NSU-Trio unter. Sicherheitsbeamte durchkämmen anschließend die Wohnung von Uwe Böhnhardt und finden eine doppelseitige Adressliste. Der Fund wird katalogisiert. Allerdings ist die als "relevant" eingestufte Liste heute unauffindbar. Die Ermittler haben ihre Vermutungen.

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Der NSU-Untersuchungsausschuss im Thüringer Landtag.

(Foto: dpa)

Nach dem Untertauchen des späteren NSU-Trios Böhnhardt/Mundlos/Zschäpe 1998 in Jena ist möglicherweise eine weitere Liste mit dessen Kontaktdaten verschwunden. Die Landtagsabgeordnete Katharina König (Linke) erwähnte im Thüringer NSU-Untersuchungsausschuss einen Vermerk zu "zwei Blatt Telefonnummernverzeichnis relevanter Personen", die bei einer Durchsuchung in Uwe Böhnhardts Wohnung gefunden worden seien. Diese Liste ist weg.

Der dazu befragte damalige Ermittlungsleiter Jürgen Dressler kannte die Liste nicht. Außerdem gibt es nach Angaben Königs keinen Hinweis in den Akten auf eine Auswertung der Liste. Bekannt war bisher, dass nach der Razzia in der Bombenwerkstatt des Trios 1998 eine Adressliste von Uwe Mundlos verschwand und erst nach dem Auffliegen des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU) 2011 wieder in den Akten gefunden wurde.

Dem NSU werden unter anderem zehn Morde zur Last gelegt. Böhnhardt und Mundlos sind tot, Zschäpe steht derzeit in München vor Gericht.

Dressler bekräftigte, was bereits weitgehend bekannt ist: Die Ermittler hätten damals den Verfassungsschutz verdächtigt, den drei Untergetauchten zu helfen. Auf eine Frage nach Geldquellen des Trios entgegnete er knapp: "Wir sind von staatlicher Unterstützung ausgegangen." Er fügte hinzu: "Wir haben aber keinen aktiven Teil wahrgenommen, wo wir belogen oder in die falsche Richtung geschickt wurden."

Allerdings verwies er darauf, dass der Verfassungsschutz die Polizei "relativ früh" nach dem Untertauchen auf Spuren nach Belgien und Tschechien geführt habe. Nach derzeitigen Erkenntnissen waren die drei Jenaer Neonazis aber sofort in Chemnitz untergetaucht. Ob damit eine falsche Spur gelegt wurde, ist nicht erwiesen. Zumindest hat es aber Fragezeichen gegeben, ob alle Informationen des Verfassungsschutzes den Tatsachen entsprachen.

Quelle: n-tv.de, dpa

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