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Spezialeinheit soll 2016 voll einsatzfähig sein Bundeswehr bereitet sich auf Cyber-Krieg vor

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Kriegsgerät von gestern? Keineswegs. Auf künftig wird die Bundeswehr auf Panzer setzen. Cyber-Attacken sind laut Militärstrategen zunächst nur flankierend geplant.

(Foto: REUTERS)

60 Informatiker arbeiten schon seit 2006 daran, eine schlagkräftige Cyber-Einheit für die Bundeswehr aufzubauen. Noch fehlt es an Hardware, doch das soll sich schnell ändern.

Die Bundeswehr soll spätestens in drei Jahren vollständig zu Angriffen über das Internet in der Lage sein. Eine "Anfangsbefähigung" sei zwar jetzt schon erreicht, es fehle aber noch an geschützten Fahrzeugen für mobile Cyber-Trupps, sagte der Chef des Kommandos Strategische Aufklärung, Brigadegeneral Jürgen Setzer. "Nach derzeitigem Stand werden wir über diese materielle Ausstattung 2015/2016 verfügen."

Die für Cyber-Krieg zuständige Abteilung "Computernetzwerkoperationen" gehört zum weitgehend geheim agierenden Kommando Strategische Aufklärung der Bundeswehr und ist in Rheinbach bei Bonn stationiert. Die rund 60 Mann starke Informatiker-Truppe wird seit 2006 aufgebaut und erreichte 2011 eine erste Befähigung zum Angriff. Zu einem mobilen Einsatz etwa in Afghanistan wäre die Truppe derzeit laut Setzer aber noch nicht in der Lage.

Rechtliche Grundlage laut Experten fraglich

Als sicher gilt, dass die Truppe auch bei voller Einsatzbereitschaft kaum im Alleingang zuschlagen wird. Deutsche Militärstrategen gehen davon aus, dass die Cyberangriffe vor allem flankierend zum Gebrauch konventioneller Waffen erfolge werden.

Ungeklärt ist noch die rechtliche Grundlage der Online-Attacken. Es ist offen, wie sich die Einsätze mit deutschem Gesetz oder internationalen Abkommen gegen Computerkriminalität vereinbaren lassen.

Cyber-Kriege sind noch ein verhältnismäßig neues Phänomen. Noch vor zehn Jahren klangen derartige Missionen nach Science Fiction. Erst seit dem Einsatz des berüchtigten Computerwurms "Stuxnet" im Jahr 2010 sind sie Realität. Damals störte die Schadsoftware den Fortschritt des iranischen Atomprogramms empfindlich. Als Urheber der Attacken gelten die USA oder Israel. Als Experten den Wurm entdeckten, war von einem "digitalen Erstschlag" die Rede.

Heute wird unter anderem auch China ein ambitioniertes Cyberkriegs-Programm nachgesagt. Eine schlagkräftige Truppe für digitale Angriffe dürfte künftig zur Standardausstattung einer modernen Armee zählen.

Quelle: n-tv.de, ieh/AFP

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