Politik

Wahlanalyse Baden-Württemberg CDU konnte negativer Bundestrend nichts anhaben

Die CDU in Baden-Württemberg konnte nach der Bewertung des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap eigenes Profil gewinnen und sich so vom Negativtrend im Bund abkoppeln.

Die gekürzte Analyse für Baden-Württemberg im Wortlaut: In Baden-Württemberg haben CDU und SPD einen polarisierenden Wahlkampf geführt, der beiden Volksparteien deutliche Stimmengewinne einbrachte und alle kleinen Parteien schwächte. Der Union ist es offenkundig gelungen, sich erfolgreich von der bundespolitischen Stimmung zu Ungunsten der Partei abzugrenzen.

Wesentlich geholfen hat der CDU dabei ihre überaus positive Leistungsbilanz der zurückliegenden fünf Jahre, die weit über die Parteigrenzen hinweg große Anerkennung bei den Bürgern fand. Erwin Teufel genießt im Land ein großes Ansehen, als Verdienste werden ihm vor allem wirtschaftlicher Sachverstand, Führungsqualitäten und Einsatzbereitschaft für das Land zugeschrieben. 78 Prozent halten ihn für einen guten Ministerpräsidenten.

Die SPD ist mit einer neuen Spitzenkandidatin in den Wahlkampf gegangen, die es nicht nur in kurzer Zeit geschafft hat, bei der Bevölkerung in Baden-Württemberg sehr bekannt zu werden und viel Sympathie auf sich zu ziehen, sondern auch in der Bildungspolitik Kompetenz zugesprochen zu bekommen. Als Antipode zu Erwin Teufel verkörpert sie einen neuen Politikstil. Dies hat zweifellos ihrer Partei nach dem gravierenden Einbruch bei der vorangegangenen Wahl einen wichtigen Motivationsschub verliehen. Insoweit kann man also von einer starken landespolitischen Dominanz sprechen, die den Wahlkampf im Südwesten geprägt hat.

Alle kleinen Parteien mussten sich mit geringeren Stimmenanteilen als vor fünf Jahren zufrieden geben. Bei den Grünen steht dies im Einklang mit einem seit längerem anhaltenden Trend: Wie bei Landtagswahlen zuvor hat sie einen Teil ihrer Wähler nicht zur Stimmabgabe mobilisieren können (per saldo 50.000), den anderen - wenn auch bei dieser Wahl deutlich größeren Teil an die SPD verloren (per saldo fast 190.000). Die aktuelle Debatte im Zusammenhang mit den Äußerungen von Jürgen Trittin spielt hier nicht die entscheidende Rolle.

Überraschender scheint das Abschneiden der FDP, war sie doch fünf Jahre Partner in einer weithin als erfolgreich angesehenen Landesregierung. Sie ist zwischen den beiden großen Parteien zerrieben worden. Hier mag bei manchem früheren Wähler der Liberalen die Absicht eine Rolle gespielt haben, die CDU zu stärken, um eine Ampelkoalition mit den Sozialdemokraten und den Grünen zu verhindern.

Per saldo machten 38.000 frühere FDP-Wähler diesmal ihr Kreuz bei der CDU. Fast ebenso vielen FDP-Wähler (per saldo 40.000) gefiel aber offensichtlich auch das neue Politikangebot der SPD. Die FDP ist nun wieder auf ihre Position als Funktionspartei zurückgeworfen.

Republikanische Wähler sind zu erheblichen Teilen "Protestwähler". Diesmal fehlten Anlässe zur Denkzettelwahl gegen die regierende Koalition.

Quelle: n-tv.de