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Provokation im Südchinesischen Meer Chinas Marine bedrängt US-Kreuzer

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Die "USS Cowpens" auf einem Archivbild

ASSOCIATED PRESS

Im Südchinesischen Meer streiten die beiden Supermächte USA und China um Einfluss. Zwischen zwei Kriegsschiffen ist es nun zu einem gefährlichen Zwischenfall gekommen - just an dem Tag, an dem US-Vizepräsident Biden in Peking weilte.

Die militärischen Spannungen in den umstrittenen Gewässern vor China nehmen zu. Im Südchinesischen Meer kam es fast zu einer Kollision zwischen einem chinesischen Kriegsschiff und einem US-Lenkwaffenkreuzer, wie die amerikanische Marine mitteilte. Die "USS Cowpens" war demnach vor gut einer Woche in der Nähe von Chinas einzigem Flugzeugträger "Liaoning" unterwegs, als sich ihre Besatzung wegen eines weiteren chinesischen Kriegsschiffes zu einem Ausweichmanöver gezwungen sah. Nach Angaben von Sicherheitsexperten war es der schwerste Vorfall zwischen der amerikanischen und der chinesischen Marine im Südchinesischen Meer seit 2009.

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Zum Glück nur eine Übung: Die "USS Cowpens" ist mit tödlichen Marschflugkörpern ausgerüstet.

(Foto: REUTERS)

Die Beinahe-Kollision im Südchinesischen Meer ereignete sich nach Angaben der US-Marine am 5. Dezember. Die Besa tzungen der Schiffe hätten schließlich von Brücke zu Brücke miteinander geredet, worauf beide Schiffe Ausweichmanöver gefahren seien. Unklar blieb, ob sich das chinesische Kriegsschiff der "USS Cowpens" in aggressiver Absicht näherte. Über die Motive der chinesischen Besatzung wolle man nicht spekulieren, sagte ein US-Militärvertreter. Die USA hätten den Vorfall auf hoher Ebene mit China angesprochen, berichtete die US-Militärzeitung "Stars and Stripes" unter Berufung auf Diplomaten.

China erhebt Ansprüche sowohl auf große Teile des Süd- als auch auf das weiter nördlich gelegene Ostchinesischen Meers, was andere Anrainer aber ablehnen. In der Region werden zahlreiche Bodenschätze vermutet. Die Lage spitzte sich erheblich zu, nachdem China vor einem Monat im Ostchinesischen Meer eine Luftverteidigungszone verhängte, für deren Durchquerung fremde Flugzeuge Flugpläne und andere Informationen abliefern müssen.

Selbst ein kleiner Zwischenfall könnte rasch eskalieren

Der Flugzeugträger "Liaoning" ist noch nicht voll bewaffnet und wird bisher zur Ausbildung genutzt. Er wurde von mehreren weiteren Kriegsschiffen eskortiert, darunter zwei Zerstörer und zwei Fregatten. China hatte die "Liaoning" nur Tage nach der Verhängung der Luftverteidigungszone ins Südchinesische Meer entsandt. Die Zone erstreckt sich rund um eine Gruppe winziger Inseln im Ostchinesischen Meer, die von Japan verwaltet werden. China erhebt ebenfalls Anspruch auf die Inselgruppe. Die USA und ihre Verbündeten lehnen die Luftverteidigungszone ab und haben sie demonstrativ mit Kriegsflugzeugen durchflogen.

Das selbstbewusste militärische Auftreten Chinas hat Befürchtungen erhöht, dass selbst ein kleiner Zwischenfall in den umstrittenen Gewässern rasch eskalieren könnte. Sowohl Japan als auch China ließen in den vergangenen Monaten Kampfjets über den umstrittenen Regionen aufsteigen und entsandten Kriegsschiffe, um ihre Ansprüche deutlich zu machen.

Japan und die südostasiatischen Länder riefen derweil dazu auf, die See- und Luftraum-Freiheit zu achten. Die Erklärung des japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe und der übrigen Staats- und Regierungschefs des Verbands Südostasiatischer Staaten richtete sich zwar nicht explizit an China, weil viele dieser Asean-Staaten mit dem Land enge Wirtschaftsbeziehungen unterhalten. Bei einer Pressekonferenz nahm Abe jedoch kein Blatt vor den Mund. Die von China ausgerufene Luftverteidigungszone verstoße gegen das Völkerrecht, kritisierte er. Japan verlange, dass China alle derartigen Maßnahmen einstelle.

China lehnt Aufklärungseinsätze des US-Militärs innerhalb seiner Wirtschaftszone ab. Die USA dagegen beharren darauf, dass sie das Recht zu Routinemissionen in internationalen Gewässern besitzen.

Quelle: n-tv.de, jve/dpa

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