Politik

Folge des MH17-Absturzes Das Ende von Putins Großmachtsplan?

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Wladimir Putin wollte Russland wieder zur Weltmacht werden lassen.

(Foto: REUTERS)

Der russische Präsident wollte sein Land vergrößern, stärken und an die Weltspitze zurückführen. Der Abschuss des Passagierjets MH17 kommt ihm dabei in die Quere.

So klein macht sich Wladimir Putin selten. Um den Abschuss der malaysischen Passagiermaschine untersuchen zu lassen, werde Russland "alles in unserer Macht stehende tun", sagte er. "Aber das ist nicht annähernd genug."

Die bisherige Strategie Putins kommt mit dem Abschuss der MH17 an ihr Ende. Nicht nur die Politiker im Westen beraten darüber, wie sie auf das ungeheuerliche Verbrechen reagieren sollen. Auch Russland kann nicht so weitermachen wie bisher. Trotzdem könnte Putin sein Ziel erreichen: Er will die Ukraine destabilisieren, das Land gewaltsam aus der Nato fernhalten und damit Russlands Großmachtsanspruch untermauern.

Der erste Streich war die kampflose Annexion der Krim. Der Erfolg sicherte Putin die Unterstützung seiner Wähler. Er war nun derjenige, der zum ersten Mal seit Jahrzehnten den Einflussbereich Moskaus ausgedehnt hatte. Der zweite Streich sollte die Destabilisierung der Rest-Ukraine sein. Dadurch würde die Ukraine aus der Nato ferngehalten, weil das Bündnis keine Staaten aufnehmen würde, auf dessen Gebiet sich Separatisten für unabhängig erklären können. Um den Osten ins Chaos zu stürzen, sollte es ausreichen, die Ängste der Ostukrainer vor der eigenen Regierung zu schüren und sie mit Waffen auszustatten. So war Putins Plan.

Eskalation entglitten

Doch gerade die Wochen vor dem Abschuss der MH17 zeigten, dass die Strategie nicht ausreicht. Die ukrainische Armee eroberte Anfang des Monats die Großstadt Slawjansk, die bis dahin eine Hochburg der Separatisten war. Die Truppen rückten auch näher an Donezk heran, das Zentrum der Rebellen.

Was dann passierte, deutet daraufhin, dass sich Russland in seiner Verzweiflung noch stärker in den Konflikt einmischte: Die Ukraine verlor zwei Flugzeuge - mutmaßlich abgeschossen von Luftabwehrraketen, die erst kurz zuvor aus Russland geliefert worden sein sollen. Die Vermutung legt nahe, dass der dritte Treffer dieser Raketen die Passagiermaschine MH17 zerstörte.

Für Putin ist das ein Schritt zu weit. "Ihm ist die Eskalation des Konflikts aus den Händen geraten", sagt Patrick Keller von der Konrad-Adenauer-Stiftung zu n-tv. Er versuchte stets, die Kämpfe als regionalen Konflikt darzustellen, der den Westen nichts angeht und in dem Russland höchstens eine untergeordnete Rolle spielt. Das kann er nun vergessen.

Kiew will derzeit keinen Waffenstillstand

Zwar läuft in Moskau weiter die Propagandamaschine, die den Abschuss der Ukraine in die Schuhe schieben soll. Doch weitermachen wie zuvor kann Putin nun auch nicht. Er kann sich schlecht auf die Seiten von Kämpfern stellen, die aus Unfähigkeit fast 300 Zivilisten abschießen und dann auch noch wie wild über die Absturzstelle rennen. Dass der Flugschreiber der Maschine an die malaysischen Behörden übergeben wurde, deutet der Außenpolitikexperte Keller als erstes Zeichen der Kooperation Russlands mit dem Westen.

Die letzte Hoffnung für Putin scheint nun zu sein, einen Waffenstillstand zu unterstützen. Auch der Einsatz von UN-Blauhelmen steht zur Debatte. Das wäre für Putin nicht die schlechteste Option: Wenn es einmal einen Friedensvertrag gibt und dieser von internationalen Truppen überwacht wird, könnten die Fronten auf Jahre festgelegt bleiben. Die Ukraine hätte keine Möglichkeit mehr, Donezk zurückzuerobern. Die Rebellen hätten damit genug Zeit, ein funktionierendes Staatswesen in der Region aufzubauen. Putins Ziel wäre erreicht: Selbst wenn sie auf die Krim verzichtet, hätte die Ukraine nicht die Kontrolle über ihr gesamtes Staatsgebiet - und wäre damit nicht als Nato-Mitglied geeignet.

Der Westen und die Ukraine zögern darum, sich auf einen Waffenstillstand einzulassen. Lieber nutzt Kiew den Schock unter den Separatisten dazu, verstärkt anzugreifen. Das Parlament leitete eine Teilmobilmachung der Bevölkerung ein. Offenbar will die Regierung den Krieg aus eigener Kraft gewinnen. Für Putin wäre es wohl das Ende der aufgeflammten Großmachtsphantasien.

Quelle: ntv.de

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